Einleitung (Part 15)

„Bankea? Ich weiß nichts über Bankea“ Shinquasz schüttelte den Kopf „Das ist das Problem. Oder das Gute. Nenne es, wie du es willst. Bankea ist eine Welt an den unerforschten Randbezirken. Es gibt Bereiche, die wir alle meiden. Bibliothekare, Kartographen, Navigatoren, ja, selbst Piraten. Wir wissen nicht, was sich dort verbirgt. Unbemannte Schiffe kommen nicht zurück. Religiöse Eiferer erzählen etwas von dem Ende. Andere wollen vergangenes schützen. Es gibt tausenderlei Gründe, warum es um uns herum vor schwarzen Flecken nur so wimmelt. Tatsächlich dürften die meisten die Zeit davon abhalten. Solange es keine Knoten gibt, existieren manche Welten überhaupt nicht. Und andere werden gefunden, und bewusst abgeschirmt. Manches weiß man, vieles nicht. Bankea hat nur einen Namen. Mittlerweile gibt es Bilder von der Oberfläche, aber was sich dahinter verbirgt, dass ist uns unbekannt. Es könnte unser Ende sein.“
Zirmja lehnte sich zurück. Ihr Schwert lag zwischen ihren Beinen, und sie knibbelte am Griff, ohne es selbst zu bemerken, doch Shinquasz nahm es wahr.
„Morkan geht davon aus, das wir die Gefahren meistern werden.“
„Das ist Morkans Denkweise. Und wahrscheinlich hat er recht. Die Geschichte bestätigt solche wie Morkan, und sie tut das in ihrer vollen Unschuld. Keiner weiß, warum das so ist. Er hat nicht den leisesten Schimmer, was uns auf Bankea erwartet. Der Schwärmer ist abgestürzt, die Replikanten haben sich nicht mehr gemeldet. Sie waren sowieso wertlos. Ein Haufen genetischer Scheisse. Replikanten waren noch nie ein guter Ersatz für irgendwas. Sie haben keine Moral, und verharren in einem kindlichen, erfahrungslosen Zustand. Aber niemand merkt es.
Was sie uns sandten, waren die Umrisse, eine grobe Skizze der dortigen Geographie, eine Landschaft, die keine Bebauungen, kein intelligentes Leben und keine Spuren eines solcher zeigte. Wahrscheinlich begegnen wir berggroße Monster und miesem kleinen Viehzeug, das uns bis auf die Knochen abnagt. Und ja, ich bin mir sicher, damit werden wir fertig. Und wenn wir den ganzen Dreckhaufen vergiften müssen. Das kriegen wir schon hin. Nur – wenn wir das tun – warum müssen wir überhaupt dahin?
Eine Heimat. Ein Hafen. Was für ein antiquierter, emotionaler Schwachsinn! Die tumben Hirne, die sich um ihn sammeln, mag das ja Erklärung genug sein, aber warum jetzt, warum so plötzlich? War uns das nicht alles gut genug, all die Jahre? Wen hat es gestört, dass die Welten absterben, wie faule Früchte? Das es schon nach Tod und Verwesung stank, als wir sie überhaupt erreichten?
Es baut sich etwas auf. Eine neue Bedrohung. Irgendeiner eurer verdammten Räte hat Morkan die Optionen genannt. Irgendein Buchhalter hat es ausgerechnet. Ein verfluchtes Zahlenmonster hat ihn gefressen.“
Shinquasz liess sich zurückfallen und starrte wieder die Decke an. Er vergass für einen Moment Zirmja, diesen roten Fleck ins seinen Räumlichkeiten und glaubte alles zu sehen, was sie vor ihm verbargen.
Panik. Flucht. Aufgabe.
„Das ist keine Eroberung.“ flüsterte er leise. „Keine Okkupation. Es geht nicht um Heimat. Nicht um einen Hafen. Das ist Flucht. Schiere Panik. Entsetzliche, verfickte Angst.“
Zirmja horchte auf. Ihr Körper beugte sie vor. Ihre Augen wurden schmal. Sie hielt das Schwert umklammert, die Knöchel ihrer Hand zeichneten sich hart unter der Haut ab. Sie war bereit auf zu springen, und wußte noch nicht, ob aus Entsetzen, Ärger oder Wut. Sie würde diesen seltsamen Vogel mit einem Handstreich spalten und das was von ihm übrig blieb in den Verwerter kicken.
„Du behauptest Morkan flieht? Aus Angst?“
„Scheisse, du hast es selbst gesagt. Sieh mich nicht so an Zirmja. Du kannst mich jederzeit töten. Aber wer sonst könnte dir Klarheit bringen und dein kleines Hirn erhellen? Wer?“
Sie hielt ihm das Schwert entgegen. Kam auf ihn zu. Berührte ihn mit der Spitze und griff sich seinen Kopf, zog die Federn zurück, bis das Weiß seiner Augen unter den gespreizten Augenlidern in ein wässriges, fleischiges Rot überging. Er wehrte sich, klapperte mit dem Schnabel, aber wagte nicht die Krallen einzusetzen.
„Das ist Hochverrat, du verdammter Vogel!“
„Zweifel ist Hochverrat ? Was redest du da? Hattest du nicht selbst Zweifel? Zirmja! Elende Scheisse! Du hast ihn in Frage gestellt und mir davon erzählt! Er hat dir gedroht! Einer d’Onco!“ Shinquasz strampelte mit den Beinen. „Verdammt, besinne dich deines Adels. Das kann ja wohl nicht sein. Die elende Blutlinie deines Packs reicht viel länger zurück als Morkans Vorfahren. In den Augen deiner Eltern ist er ein Nichts, ein Barbar, kein Gott, nicht unfehlbar und schon gar nicht jemand, an dem man Hochverrat üben kann.“
Zirmja drückte die Spitze in seinen Hals.
„Für die Meinen bist du ein Drogenhändler, Vogel. Einer, der in der Gosse wühlt, und mit dem Begehren der Anderen sein Geld verdient. Du bist widerlich vom Stamm der Widerlichen. Du hast keine Ehre und keine Bindung. Du bist ein Parasit…“
„..das stimmt nicht, also das mit der Bindung.“
„Rede nicht mit mir als sei ich deinesgleichen, du Aasfresser. Ich mag nicht von Adel sein, und ich mag jung sein, aber mein Herr ist Morkan, meine Bindung geht tiefer, als du sie je verstehen kannst.“
„Du bist eine d’Onco!“
„Würde ich mich als eine solche verstehen, dann würde dein Blut hier an die Wand spritzen, und dein Hirn in seiner eigenen Sosse liegen. Ich höre mir eine Weile deine Ideen an, weil ich glaube, das du und deinesgleichen einen Schatz hütet, der euch nicht gehört, aber mir von Nutzen sein kann. Doch übertreibe es nicht. Mache mich nicht zu einem deiner Komplizen. Denke nicht mal daran! Du bist schneller zerteilt als mein abendliches Filet. Sich mit dir abzugeben beschmutzt jedermanns Seele, aber ich bin bereit dem ein Ende zu machen.“
„Morkan braucht mich!“
„Das sei dein Glück, und als Zeichen meiner Verbundenheit zu ihm lasse ich dich leben. Aber wage es noch einmal deine Stimme zu erheben, oder mir etwas zu erzählen, was nur den Ansatz eines Verrates in sich birgt, und ich schmeisse dich bei lebendigem Leib in den Verwerter!“
„Der nimmt nichts lebendiges!“
„Das willst du nicht wissen, was er macht, wenn ich dich ihm überantworte. Riskiere nichts!“

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