Einleitung (Part 16)

(Liebe LeserInnen,

nachdem ich nun mal selbst versucht habe, alles rückwärts zu lesen, und sehr schnell merkte, dass mich das nicht weiterbringt, veröffentliche ich nun das erste PDF.  Dieses beinhaltet einfach die ersten  16. Teile in weitgehend unbearbeiteter Form und darf daher als Version 1.0 betrachtet werden. 

Das PDF darf ausdrücklich weitergegeben werden, sofern es umkommerziell geschieht. Jede Art der kommerziellen Nutzung muss von mir genehmigt werden.

Bitte mit der rechten Maustaste anklicken und  „Speichern unter“ auswählen:  Ach, Bankea (PDF)

Viel Spaß damit.

Jan Tälling)

Mein Vater schrak hoch. Eine runde, silberne Platte schwebte über ihn. Von erstaunlicher Reinheit schob sie sich schwerelos zwischen die Sonnen um ihn. Erst ganz langsam wurde er gewahr, dass sich auf der Platte ein Wesen befand. Mein Vater rührte sich nicht. Was er sah, war eine Silhouette zwischen den Sonnenstrahlen, die ihn blendeten und abhielten ein klares Bild zu bekommen. Die Platte bewegte sich langsam, trug ihren Besitzer wellenförmig über den Körper meines Vaters, bis sie genug an Höhe gewann, dass er aufstehen konnte.

Seine Bewegungen hatten Soy geweckt. Das Kellom regte sich vorsichtig mit geschlossenen Augen, als ahnte es schon, dass sich etwas geändert hatte. Auch über das Kellom schwebte eine solche Platte, auch auf ihr befand sich ein ausgewachsener Mann. Mit zwei Armen und jeweils einem Gegenstand in der linken und der rechten Hand. Die linke Hand deutete mit ausgestrecktem Arm auf das Kellom, die rechte Hand auf ihn. Der Gegenstand wies eine Öffnung auf, und auch wenn mein Vater noch nichts dergleichen gesehen hatte, deutete alles auf eine Waffe hin.

Mein Vater rührte sich nicht. Die Lautlosigkeit der Szene war bedrohlich, aber wirkte auch überlegt. Die Haltung der beiden Fremden deutete daraufhin, dass sie sich ihrer Lage nicht sicher waren, aber mit Hilfe ihrer Waffen die Oberhand gewinnen konnten. Die Platten hielten sie auf Distanz, so dass auch Soy schließlich aufstand und sich umsah.

„Es sind nur zwei.“ meinte Soy.

„Du meinst, sie sind aus dem Schiff?“

„Ja, woher den sonst? Was sollten es sonst für welche sein? Schau dir diese Platten an. Sie kennen die Schwerkraft, sie wissen sie zu beherrschen. Sie sind nicht von hier. Sie sind viel weiter..“

„Hör auf zu plappern. Nicht so viele Worte. Bitte, Soy.“

„Entschuldigung.“

„Sind das die Kopien?“

„Ja!“

„Können sie uns hören?“

„Wohl kaum.“

Mein Vater sah den Bewaffneten an. Er wirkte wie in Lumpen gehüllt. Er hatte keine Felle an, nur alter Stoff hing an ihm, getränkt mit Schweiß, und einem Geruch, der der Angst sterbender Tiere glich. Die Farben, die er an sich trug, kamen im Wald nicht vor. Es wirkte, als ob die schillerndsten Blumen zusammengeschmissen und zu einer Paste vermengt worden wären. Farben, die bestimmt im Dunkeln leuchteten. Farben, die sich für nichts eigneten, außer zum Feind für alles zu werden. Er kreiste unablässig aber langsam um meinen Vater. Die Waffen deuteten immer auf ihn und Soy. Sie sahen leicht aus, trotzdem mussten ihm die Arme schwer werden. Sollte er doch kreisen, bis er zusammenbrach, dachte mein Vater und konzentrierte sich auf den anderen. Er war schlank, trug ähnliche Stoffe, ähnliche Farben, aber auch langes, wildes Haar, das er ungleichmäßig  frisiert hatte. Als ob er aus zwei Hälften bestünde, bedeckte eine Seite seines Kopfes eine Vielzahl von kleinen Zöpfen, während die andere Seite eine wilde, lockige Mähne zur Schau stellte. Als ob man ihm beim Flechten gestört hatte. Doch da, es sich genau in der Mitte teilte, ging mein Vater von einer Absicht aus.

„Was hattet ihr vor mit uns?“ Fragte der Schlanke.

„Vor? Mit euch?“ Mein Vater war überrascht. Er deutete auf die Absturzstelle. Auf das Raumschiff, von dem immer noch der Rauch in den Himmel zog. In der Mitte der Oberfläche befand sich nun ein Loch, als sei es schon immer da gewesen. „ Wir wollten euch helfen.“

„Helfen? Wie wolltet ihr uns helfen?“ Johsz schmunzelte. „Schau dich an, du Wilder, wir haben dich doch überrascht, wie du dich mit diesem Tier da paaren wolltest. Was ist das überhaupt? Ernährt sich von Blättern, nicht wahr?“

„Das ist ein Kellom. Es heißt Soy.“

„Es hat einen Namen? Interessant. Du frisst es und gibst ihm Namen. Du fickst es sicher auch und gibst ihm deswegen Namen, oder? Hast du auch sowas? Einen Namen?“

„Mein Name ist Burkim, ich bin der Sohn Fenkarls…“

„Ist gut, Burkim, wir wollen nicht so lange bleiben, als das es nötig wäre deine Familie kennen zu lernen.“  Johsz sah wieder Soy an. „Da hinten treibt sich scheinbar eine ganze Herde von den Viechern rum. Deine?“

„Nein.“

„Gut, Burkim. Wir wollen dir nichts tun. Auch dem Kellom nicht. Wir wollen hier nur warten, bis wir abgeholt werden. Du kannst also ruhig bleiben, und brauchst nichts zu tun. Deine Anwesenheit wird hier nicht benötigt, du verstehst?“

„Wer bist du?“

„Mein Name ist Johsz. Kein Sohn von. Und er ist ist Quas. Wir kamen in friedlicher Absicht. Wir tun euch nichts, aber wir kennen euch nicht, also verzeiht uns unser Misstrauen. Kann das da reden?“

„Nein.“

„Versteht es uns?“

Mein Vater zuckte mit den Schultern. Das Kellom rührte sich nicht.

„Warum bewegt es sich nicht, wenn es uns nicht versteht?“

„Ich weiß nicht, ob es uns nicht versteht. Es ist ihre Art. Fühlen sie sich bedroht, stehen sie einfach nur da. Macht die Jagd einfacher.“

Johsz spuckte aus. Burkim bemerkte die bläuliche Farbe der Flüssigkeit, die in den Waldboden versank.Ein klein wenig dunkler als die Sonnen, aber die Sonnen waren schon sehr hell. Selbst Wasser wirkte dunkler. Burkim hatte den Ozean nur einmal gesehen. Es war das Ende des Waldes, der  Wind war heftiger als irgendwo sonst, und die Bäume lichteten sich dem Wasser hin, als müssten sie ihm weichen. Die Sonnen blendeten stärker und spiegelten sich bis dorthin wo die Welt wohl endete. Es war ein bedrohlicher Ort, an dem er nichts schönes fand. Er blieb ihm fortan fern.

Die Nördlichen sahen das anders. Papenka sah das anders.

Quas umkreiste sie immer noch.

„Kann er damit aufhören?“ Fragte mein Vater Johsz.

Johsz zuckte mit den Schultern. Er sah Quas nur an, doch dieser schien immer noch misstrauisch, hielt immer noch die Waffen, und wirkte immer noch nervös, und immer noch wunderte sich mein Vater über dieses Verhalten. Er verfolgte Quas kurz aus den Augenwinkeln.

„Ich habe keine Ahnung, was eure Waffen bewirken. Sie sehen nicht gefährlich aus. Vielleicht sind es die falschen Waffen. Vielleicht funktionieren sie bei uns gar nicht. Vielleicht sterbt ihr, wenn ihr mich nur anrührt. Vielleicht warten tausend Männer hinter mir auf euch. Vielleicht will keiner, dass ihr so lange bleibt, bis ihr abgeholt werdet. Vielleicht wollen wir nicht mal, dass ihr abgeholt werdet. Vielleicht seid ihr ganz alleine, und das ist euer Ende.“

Ein erschrockener, spitzer Schrei klang in seinem Kopf wieder. Soy.

Johsz grinste und deutete auf meinem Vater. „Du willst das nicht wirklich rausfinden, oder?“ Seine Stimme klang rau, als hätte man sie gerieben, moduliert und zerstört. Nicht das Alter schien sie geformt zu haben, sondern ein Leben, das rücksichtslos mit sich selbst umging.

Mein Vater suchte seine Augen. Und sprach weiter.

„Ihr sprecht davon, dass ihr abgeholt werdet. Aber ihr seht nicht aus, als hätte irgendjemand Interesse an euch. Eure Kleidung wirkt ärmlich, euer Verhalten entspricht dem der Diebe, und eure Waffen sind für keinen ehrlichen Kampf gebaut. Ihr seid zwei, doch solltet ihr drei sein. Hier stimmt nichts, was mir Vertrauen einflösst, und euch Glauben schenkt. Dieses ist mein Wald. Wenn ihr meine Gäste sein wollt, dann bietet mir etwas an, dem ich Glauben schenken kann.“

„Du lebst noch, Burkim, vergiss das nicht. Betrachte es als Geschenk. Als wir hier ankamen fanden wir dich schlafend. Gekuschelt an dieses Tier, dass dir so vertraut scheint. Wie kommst du darauf das wir drei sind?“

„Ihr seid drei. Und ich sehe nur zwei von euch!“

 

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Einleitung (Part 16)

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