Einleitung (Part 19)

(Liebe LeserInnen,

die Parts 1-18 gibt es zum Download als PDF unter diesem Link: Ach, Bankea Version 1.01

Es handelt sich dabei, um die noch nicht bereinigte und nicht erweiterte Fassung, die sich auch im hier im Blog findet. In Zukunft kann es allerdings sein, dass die PDF-Version umfangreicher als die Skizzen wird, die ich hier im Blog hinterlassen habe. Soll heißen: Es reizt mich schon ein wenig, einige Szenen, die noch sehr holzschnittartig sind,  auszubauen und ihnen mehr Farbe zu verleihen. Grundsätzlich wird das aktuell noch nicht wirklich etwas am Handlungsverlauf ändern, soll mir aber mehr Freiheit verschaffen Fehler zu korrigieren.

Konkret wird das heißen, dass die Beiträge – bis auf grammatikalische Fehler, Rechtschreibkorrekturen und andere Kleinigkeiten – hier im Blog unverändert bleiben, und damit jederzeit ermöglichen die Ursprungsfassung zu lesen, während im PDF sukzessiv immer wieder editiert werden wird. Daher dann auch die aufsteigende Versionsnummer. Ich hoffe, ich komme euch damit entgegen, und es bleibt trotzdem noch transparent und nachvollziehbar.

Viel Spaß damit.

Jan Tälling)

„Ihr Gefiederten denkt, dass das ganze System von euch abhängig ist.“ Der bullige Arzt eilte voraus. Shinquasz hatte Mühe ihm zu folgen. Zwar war die Schwerkraft auf Normmaß gedrosselt, aber nun stolperte er beinahe über seine eigenen Füße.

Der Arzt drehte sich um und seine Lefzen bebten vor Aufregung. Er fixierte Shinquasz mit seinen kleinen Augen und knurrte ihn an. „ Wir alle wissen, womit du dein Geld verdienst, Herr Shinquasz, und du verdienst nicht schlecht. Aber  die Erinnerung eines jeden Wesens ist keine Handelsware und gehört schon gar nicht dir.“

„Hören Sie..“ Shinquasz zog an der Uniform des Arztes und versuchte ihn zu stoppen, bevor er wieder weiter eilte.“Hören Sie, ich habe keine Ahnung, woher sie irgendetwas über meinen Ruf wissen.  Aber gut, er mag schlecht sein, aber ohne mich wäre auch ihr Berufsstand noch irgendwo in einer Ära in der man Steine zerrieb.“

„War vielleicht nicht das Schlechteste. Herr Shinquasz, drei Schiffe hatten mit gutem Grund deinen Besuch abgelehnt. Wir gehören einer Mission an, die Gelder aus allen Systemen sammelt. Das heißt, wir müssen uns gut stellen. Aber das heißt nicht, das ich dich mögen muss.“ Er fuhr sich mit der Hand über die Schnauze und verteilte den Speichel unregelmäßig in seinem Fell. Shinquasz wandt sich ab. Er drehte die Augen, und blickte kurz zu dem Piloten, der grinsend in der Ecke stand und einen Fuß auf seinen Helm stellte. Verachtung, wohin das Auge auch schaute. Ohne ihn würden sie alle in den Bäumen hängen und Früchte kauen. Barbaren und Fellträger, eine Sorte.

„Ich bin hier auf Befehl Morkans…“

Der Arzt wendete sich abrupt ihm zu, packte ihm am Mantelkragen und zog ihn gefährlich nahe an seine gelben Zähne, die umrahmt wurden, von dem platten, schwarzen Gehänge, in dem irgendwo seine Mundwinkel und Nasenlöcher waren.

„Niemand ist hier auf Befehl Morkans. Einen Morkan gibt es hier nicht. Selbst die Zöllner, dieses feige Pack, wagen sich nicht auf dieses Schiff.  Du bist der Erste aus diesem System, der auch nur einen Fuß hier rein setzt. Und ich bin mir über deine Motive noch nicht so ganz im Klaren. Das hier, dieses ganze Schiff, stinkt nach Tod, es ist die Hölle und kein Vergnügungsdampfer. Wer hier drauf ist, der verschliesst vielleicht auch für immer seine Augen an diesem Ort. Mir ist das bewusst. Aber weißt du das auch, Herr Shinquasz?“

„Auf meinem Planeten jagt man so was wie dich.“ Murmelte der Bibliothekar leise.

„Das habe ich gehört. Denn wisse, meine Ohren hören besser und mehr, und meine Nase riecht deinen Schweiß und deine Angst, Vogel. Mit so was wie dir gehen wir fischen, also lassen wir das, und seien froh, dass wir nicht daheim sind.“

Der Arzt zog einen alten, fleckigen Stuhl heran und setzte sich. Es roch nach Desinfektionsmitteln, Eiter und aus irgendeiner Ecke kam ein undefinierbarer Rauch. Der Raum hatte keine Aussenfenster, nur ein paar verkratzte Monitore zeigten das All und einige Blickwinkel an, die unnötigerweise auch noch zu schlecht ausgeleuchtet waren.

Es sah aus wie eine durchschnittliche Folterkammer aus Morkans Keller. Der Arzt trommelte mit seinen Fingern auf einer Art Schreibtisch herum, auf dem sich Ränder und Spuren unterschiedlicher Flüssigkeiten zeigten, die ganz verschiedene Farbschattierungen hatten. Als hätte ein irrer Maler etwas vollkommen neues ausprobiert und wäre vor der Vollendung explodiert.

Die Finger des Arztes wirkten, als hätte er sich einen hautengen Fellhandschuh übergezogen, aber vermutlich sah er überall so aus. Shinquasz wunderte sich. Während der Arzt relativ viel über ihn wusste, konnte er sich nicht erinnern ein ähnliches Wesen mit diesen Fähigkeiten schon mal irgendwo gesehen zu haben. Das Alles wirkte so absurd neu, dass es ihn staunen machte.

Es war angenehm stehen zu können, ohne beständig das Gefühl zu haben, man müsste sich platt auf den Boden pressen. Also blieb er stehen, wendet sich ein bißchen um, kratzte hier und da etwas auf, aber wagte es nicht, das Gespräch in dieser Weise fortzuführen.

„Erzähle, warum du da bist, Herr Shinquasz. Auf. Meine Zeit ist knapp. Patienten warten. Patienten verrecken.“ forderte ihn der Arzt auf und schlabberte ein bisschen mit seinem Maul herum, als wollte er all das noch ein klein wenig unterstreichen.

„Ich will einfach nur wissen, was hier ,verfickt noch mal, los ist. Wer sie sind. Wo sie herkommen. Wo die alle herkommen. Und warum ich nichts davon wissen soll.“

Der große Kopf des Arztes schüttelte sich und Shinquasz vermutete, dass es sich wohl um ein Lachen oder eine andere Art der Belustigung handeln sollte. „Du sollst nichts davon wissen, Herr Shinquasz, damit es nicht in die Archive kommt. Und in die Archive kommt es nicht, weil keiner davon wissen soll. Und das ist alles. Es ist nicht ungewöhnlich, dass meine Mission ihre Schiffe in den Ruhephasen durch die Knoten führen muss. Das ist nicht nur an diesem Knoten so. Das sind wir gewohnt. Mich wundert, dass du Schlaukopf das nicht weißt. Du scheinst zum ersten Mal verstanden zu haben, welche Funktionen die Ruhephasen haben.“

„Dieses ist nicht die erste Ruhephase, die ich wach verbracht habe. Aber noch nie…“

„..noch nie hast du solch eine Menge an Seelenverkäufern gesehen, nicht wahr? Tja , das ist ungewöhnlich. Vielleicht sind wir die Boten des Untergangs. Wir wissen es selbst nicht. Was wir hier haben  – was ich hier habe – was hier täglich unter meinen Händen verblutet, und deinen Nachtschlaf stört, das sind die Überlebenden, die wir zwischen den Trümmern ihrer glühenden Welten finden. Primitive Völker, würdet ihr sie nennen. Kein Futter für Bibliothekare wie dich. Du findest nichts in ihren Hirnen, was du nicht irgendwo schon hast. Aber darum geht es nicht. Darum geht es sicherlich auch denen nicht, die dafür verantwortlich sind,  dass der leere Raum stellenweise mit schwebenden Körpern durchsetzt ist.

Dieses, all diese Wesen, die ich tagtäglich sehe, sind Völker und Rassen mit Potential. Sie hätten die nächsten Stufen mit einer Geschwindigkeit durchschritten, die den Dummen Angst machen würde. Vielleicht bekommen solche Vögel wie ihr Angst. Oder die Piraten. Wir wissen es nicht. Irgendjemand da draußen hat aber so sehr Angst, dass er beginnt uns wiederum Angst zu machen.“

„Ich verstehe nicht..“

„Wundert mich. Ernsthaft. Was hast du gemacht während der Palast so hübsch vor sich hin rotiert ist? Gedichte verfasst und Philosophische Abhandlungen gelesen? Du bist ein Bibliothekar. Ich bin nur Arzt. Obenko Kapun. Du wolltest meinen Namen wissen. Er umfasst noch einige andere Silben, die du nicht verstehen würdest, die dich aber trotzdem zum Spotten anregen könnten. Daher muss das reichen.

Meine Mission stammt aus einem anderen System. Wahrscheinlich habt ihr es schon mal überfallen oder zu mindestens versucht. Wir sind ganz froh, dass ihr hier den Knoten bewacht, und übertriebene Zölle kassiert. Ist eine friedliche Zeit. Hier. Woanders nicht.“

Shinquasz sah einen Eimer, drehte ihn um und setzte sich drauf. „Erzähle, Obenko.“

„Wir verstehen uns als Pazifisten. Wir mischen uns nicht ein, und werden daher in Ruhe gelassen. Ich weiß nicht, ob uns das dauerhaft gegen solche wie Morkan hilft, aber die letzte Zeit geniessen wir geradezu. Vor allem seit der Angriffe.“

„Welche Angriffe?“

„Es ist unmöglich sehr viel heraus zu bekommen. Diese Völker haben sehr große Ehrfurcht vor der Technik, die ihnen begegnet, vor allem, weil ihnen solche Dinge wie Schrift und eine einheitliche Sprache noch sehr fern sind. Sie habe also Mühe Dinge zu beschreiben, die ihnen wie ein Wunder vorkommen. Du solltest nicht so sehr darauf bauen, dass du von ihnen etwas erfährst.“

„Ich könnte die Bilder sehen…“

„Nur mit ihrer Genehmigung!“

„Die wissen doch gar nicht, was so eine Drecksgenehmigung ist!“

„Wir sind nicht auf einem Sklavenplaneten Morkans. Das sind freie Völker. Ich führe sie nicht in die Gefangenschaft, Bibliothekar. Ich rette sie. Sie sind tabu. Du verstehst? Tabu!“

„Ohje, das darf nicht wahr sein. Eine ganze Flotte, Schiffe über Schiffe, angefüllt mit Wesen, die etwas gesehen haben, was sie nicht beschreiben können und nicht verstehen. Aber das uns und überhaupt alle retten könnte. Und ich treffe auf einen beschissenen Arzt mit moralischen Skrupeln. Welcher verfluchten Religion gehörst du den an?“

„Du bist auf meinem Schiff, und das sind meine Regeln!“

„Ich bin immer auf irgendjemandens Drecksschiff und muss seine verfickten Regeln befolgen. Und? Rettet das irgendein verdammtes Wesen? Können wir damit etwas verhindern? Ich will wissen, was da draußen los ist. Woher die alle kommen und was der Grund für all diesen Mist ist. Und mit deinem Verhalten mordest du weitere Völker. Du rettest niemand, du verdammst alle dazu, dass das ewig so weiter geht. Du weisst nicht was du tust, Arschloch, und die Verantwortung für dein Tun kannst du sowieso nicht tragen. Ich will alles wissen, und dann will ich sie sehen. Selbst wenn sie solche verdammten Schlabberköpfe wie du sind.“

Obenko seufzte und lehnte sich zurück an die Wand. Er wirkte als wollte er ein kurzes Nickerchen einlegen, aber tatsächlich holte er aus.

„Die Randzonen, das weißt du, Shinquasz, gelten als unerforschtes Gebiet. Die Mission geht dorthin, aber ansonsten liegen sie zu weit weg. Keine Sprungmarken, keine Knoten. Das Interesse ist nicht sonderlich groß, Reisen dorthin zu machen, denn es dauert einfach zu lange. Und wer weiß schon, ob es sich lohnt.“

„Morkan sendet Schwärmer aus.“

„Zynisch gesagt, würde ich meinen, ist das sehr effektiv. Aber wir heißen das nicht gut. Und keiner weiß, was da draußen los ist. Wahrscheinlich ist das gut so.

Es gab einige Welten mit den Niederlassungen der Mission. Wir verhalten uns dabei sehr ruhig. Sehr zurückhaltenden. Passen uns an. Beobachten nur. Und wir sind nur auf den Nähesten der Welten. Was dahinter liegt ist noch schwarz und unbekannt. Wir kommen jede Generation weiter raus, aber eine Generation ist eine Menge Zeit.“

„Nicht in deinem Leben, oder?“

„Du wirst älter, Bibliothekar, aber niemals klüger, nicht wahr? Es ist ein Elend, wie wenig Zeit vonnöten ist, dein Niveau als Bodensatz zu betrachten. Doch darum geht es nicht, das weißt du.Tatsächlich ist es da draußen, als würde man einen Teppich vom Ende des Raumes aufrollen und wir sind der Dreck, der am Schluss weggekehrt werden soll.“

„Es kommt etwas Großes?“

„Von überall her.“

„Wie sieht es aus?“

„Es ist entweder zu groß oder zu klein es auszumachen, und die Welten, die zu nahe dran waren, sind nun zerbröselt und Feinstaub auf dem Weg zu denen, die wir retten wollen. Wir wissen es nicht.“

Shinquasz stützte seinen Kopf in seine Krallen. „Warum fliegt ihr in den Ruhephasen?“

„Weil wir der Tod in eurem Vergnügungspark sind!“

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