Einleitung (Part 21)

(Liebe LeserInnen, für die Einsteiger, Querleser, Sammler und diejenigen, die es einfach mal downloaden wollen: Alle Teile von 1-21 als PDF: Ach, Bankea Version1.03

Auftretende Fehler wie vergessene Wörter, durchgewürfelte Zeiten, einer phantasievollen Groß- und Kleinschreibung, nerdige, unverständliche Schachtelsätze und sonstigem Unsinn, dürft ihr mir umgehend zurückschicken, mit Beschwerde, mit Kritik, mit allem und scharf.

Ich freue mich und wünsche euch viel Spaß. Jetzt und hier und in Zukunft.

Und vor allem mit Teil 21.

Jan Tälling)

Das Schiff der Mission

Sie kamen immer tiefer in das Schiff hinein, und Shinquasz bekam das Gefühl er versinke immer mehr in Ungemach, Sumpf und Eiter. Zwar ging das alles erstaunlich leichtfüssig vonstatten, aber der Dreck, der auf den Gittern unter ihm, an den Türen neben ihm, haftete, hatte eine ansehnliche Schwere und Zeit hinter sich. Die Lichter klimmten nur, um der Unwirklichkeit mehr Raum zu geben, aber auch um den Konturen mehr Leben zu schaffen. Dachte Shinquasz, der nicht nur wegen der leichten Schwerkraft dieses Mal seine Krallen absichtlich nicht über den Boden schliff.

Er hatte das Gefühl, er laufe endlos, und er befürchtete innerlich, der tumbe Pilot, der ihn hierher brachte, würde unruhig werden und das Weite suchen. Oder irgend etwas anderes. Das ganze Schiff schien nur ein einziger Fluchtschacht zu sein, dem sie entlang eilten. Onbenko immer voraus, immer nach vorne strebend, immer wuchtig in Statur und Erscheinung, immer derjenige, der das Meer der Flüchtlinge teilte. Und sie standen und schliefen und sassen überall. Sie wirkten angespült, desorientiert, und von unheimlichen Krankheiten befallen. Aber vielleicht waren sie selbst die Krankheit. So musste wirklich die Hölle aussehen, dachte Shinquasz. Keines dieser Gesichter, keine Form, keine Physiognomie kam ihm irgendwie bekannt vor, hatten seine Archive jemals hergegeben. Diese Menge an Unbekanntem war erschreckend. Faszinierend zugleich. Aber vor allem erschreckend. Nie hätte er gedacht, das es Schiffe gab, denen eine solche Artenvielfalt bekannt war, ihm aber unbekannt.

„Wie konnte die Mission das geheim halten?“ sagte er mehr für sich, als für Obenko. Aber eben laut.

Dieser stieß nur ein triumphierendes „Ha!“ aus und sie strebten weiter.

Weiter und weiter. Tiefer und tiefer. Immer, wenn er dachte, er hätte diesen ganzen verdammten Frachter schon dreimal der Länge nach durchschritten, dann ging es hinter dem nächsten rostigen Tor noch weiter. Ihm wurde immer unklarer, was das bringen sollte, all diese Seelen an einen anderen Ort zu führen? Wollte sie irgendwo die Überbevölkerung vorantreiben? Was sollte aus diesen ahnungslosen Gesellen werden, die noch mit dem Faustkeil rumspielten und es für eine großartige Erfindung hielten.

Es musste wirklich das Ende des Schiffes gewesen sein, als sie anhielten und durch eine Tür schritten, hinter der, man möchte geradezu gelangweilt sagen, fünf Männer sassen, die auf einem Tisch mit einfachen Mitteln ein Spiel spielten, das Shinquasz ebenfalls nicht kannte. Aber die Zeit des Wunderns war schon vorbei. Und dieses Detail war ihm dann auch egal. Sie hatten sehr kleine Köpfe. Gemessen an dem, was Shinquasz kannte, und vor allem im Verhältnis zu ihrem Körper. Da kann nicht viel drin sein, fuhr es Shinquasz sogleich durch den Seinen. Aber er wußte natürlich selbst, dass die Größe des Kopfes seltsamerweise nie eine Aussage war über die Leistungen des betreffenden Wesens. Seltsamerweise.

Die Barbaren hatten gigantische Köpfe, die wahrscheinlich herrlich leere, aufgeräumte Zimmer waren. Die fünf Männer sassen und lagen alle um dieses Spiel herum, und schauten natürlich gerade interessiert zur Tür, schienen aber im Einzelnen und Besonderen unterschiedliche Meinungen zum Verlauf des Spieles zu haben. Und Shinquasz war sich sicher, hätten sie dieses Zimmer wieder verlassen, so hätten sich alle wieder mit einem großen „Hallo!“ dem Fortgang dieser Beschäftigung zugewandt.

Obenko blieb mit provozierender Gelassenheit mitten in der Tür stehen, so dass Shinquasz Mühe hatte, seinen kleinen Körper an ihm vorbei zu schieben.

Die Männer sahen aus, als hätten sie sich in bunte Tücher gewickelt und diese mit Gürtel und Seilen an ihren Körper befestigt. Wenn das, das war, was sie trugen, als sie begannen durchs All zu reisen, dann wussten sie zum einen nichts von Bequemlichkeit und zum anderen nichts von Stil. Das Handwerk der Weberei mag bei ihnen wohl schon erfunden sein, jedoch gab es wohl keine Schneider, die daraus etwas ansehnliches machen konnten. Natürlich wirkten Flüchtlinge immer so, als ob sie eine freiwillige Askese betreiben, und man ging davon aus, dass der Verzicht von Tand und billiger Unterhaltung unweigerlich zur Weisheit führen musste, aber so ganz sicher war sich Shinquasz bei diesen Dingen nie gewesen. Daher befolgte er auch nicht einmal den Ratschlag der Askese. Apropos Askese, fiel ihm auf, diese Schwerkraft müsste seiner Potenz zuträglich sein.

Dass Obenko so lange schwieg war ihm unangenehm. Er hätte die Situation gerne gelöst, doch es lag in diesem Fall nicht an ihm, das Gespräch zu beginnen. Zum Einen verbat ihm das die Höflichkeit, zum Anderen hoffte er inständig darauf, dass Obenko in der Lage war das notwendige Vertrauen zu schaffen. Und er wollte sich daher bewusst zurückhalten.

Obenko selbst rang nach Worten. Die Situation missfiel ihm immer noch. Und so war er auch zu keiner Freundlichkeit bereit. Auch wenn man ihm Freundlichkeiten sowieso nicht ansah, denn das was er als Lächeln empfand, legten seine Gegenüber in der Regel maximal als Erstaunen aus, so war ihm durchaus bewusst, wie sehr das Ansinnen von Shinquasz von ihm abhängig war. Wie beschreibt man einen Bibliothekaren, ohne dass man danach Lust hatte ihn einfach an die Wand zu feuern?

Erst wenn man die fünf Männer länger betrachtete, erkannte man ihre Unterschiede. Sie alle trugen dünnes Haar und hatten wohl sehr viel Wert darauf gelegt, ähnlich auszusehen. Doch die Farbe ihrer Haare machte sie unterscheidbar. Shinquasz fragte sich, ob Metall auf ihrer Welt einen so hohen Stellenwert hatte. Denn alle färbten wohl ihre Haare  in den Tönen eines sehr verbreiteten Metalls. Ganz offensichtlich stellten sie  in den Schattierungen die Reinheit oder Unreinheit des Metalls dar. Je nachdem, wie man es betrachtete. Ihre Nasenformen waren ebenfalls sehr different. Als Schnabelträger waren ihm Nasen normalerweise einerlei, und hatte man eine gesehen, dann kannte man alle, aber im Fall der Musiker war es auffallend, dass einer und wirklich nur ein Einziger, einen nicht unpraktischen Rüssel hatte. Die Natur hatte schon ein Händchen für lustige Sachen.

„Das ist ein Bibliothekar. Sein Name ist Herr Shinquasz. Er wollte euch gerne kennenlernen. Oder besser, ich dachte, ich stelle ihn euch vor.“

Obenko rang um Worte. Shinquasz konnte fühlen, wie er sie in den Raum hinein modellierte. Es fiel ihm wirklich sichtlich schwer.

„Kann er uns den verstehen?“ fragte einer, der in der Reinheitsskala recht weit oben stand, aber es war nicht der Rüsselmann.

„Er hat so ein Ding. Also, so ein Ding hinter dem Ohr. Also, geht schon. Er kann euch verstehen. Keine Sorge.“

„Und er hat eine Bibliothek?“ fragte ein anderer. Und sein Gesicht war ein einziges Fragezeichen, und sein Haar von der Farbe des unreinsten Silbers.

„Ja. Nein. Er soll euch das bitte selber erklären, ihr bekommt sonst falsche Vorstellungen, und das macht es nicht einfacher. Es ist sowieso schon nicht einfach. Herr Shinquasz, wenn ich sie bitten dürfte.“

„Hallo zusammen.“ gab sich Shinquasz leutselig. „Wie kann euch nennen? Wie nennt ihr euch? Ihr seid Musiker? Ihr habt bestimmt einen gemeinsamen Namen?“

„Wir sind die fünf Silberlinge.“

Dieses Mal war es der Rüsselmann.

Advertisements
Einleitung (Part 21)

2 Gedanken zu “Einleitung (Part 21)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s