Einleitung (Part 23)

(Liebe LeserInnen, 

Teil 23 gibt es noch als Nachschlag in die Nacht, weil ich mit der heutigen Ausbeute etwas unzufrieden war. Ein neues PDF habe ich allerdings noch nicht fertig, daher möchte ich immer noch auf Teil 1- 22 in der Version 1.04 verweisen: Ach, Bankea Version 1.04 . Ich bin auch noch nicht ganz zufrieden mit dem dreiundzwanzigsten Teil. Kann sein, dass der noch mal gerundet wird, bevor er im nächsten PDF landet. Aus Dokumentationsgründen schmeisse ich ihn schon mal hier rein.

Wünsche euch eine gute Nacht.

Jan Tälling)

Auf dem Schiff der Mission.

Shinquasz wirkte für einen Augenblick verzweifelt, fing sich dann aber gleich wieder.
„Lassen wir das mal so stehen. Wer weiß, wozu es gut ist. Können wir, verdammt noch mal weiter machen? Und zwar genau da, an dem Punkt, an dem ihr alles verloren hattet?“
Der Rüsselmann trat vor, nickte stumm mit dem Kopf. „Obwohl ich noch Fragen zu dem Archiv gehabt hätte…“
Obenko schnappte nach Luft, Shinquasz winkte ab, und nickte auffordernd mit dem Kopf. „Gemach, gemach.“
„Gut“. Der Rüsselmann sammelte sich. Seine Nase flatterte ein wenig vor Aufregung, doch er hatte sich bewundernswert im Griff. „Es lief alles glatt. Wir waren sehr erfolgreich. Es war ziemlich viel Leben in den Kolonien, und sie tanzten auf den Tischen, wenn sie uns hörten. Jeelbee sang virtuos wie immer, geradezu genial. Das hätten auch die Blätter geschrieben, wenn sie am nächsten Tag noch erschienen wären. Aber den gab es ja nicht.“
Shinquasz deutete die Reihe durch. „Jeelbee bist du? Du? Du?“
Reinstes Silber trat neben den Rüsselmann und verbeugte sich. Wie bei allen, schlackerte die Kleidung an ihm rum, als müsste er erst noch reinwachsen, trotzdem war seine Verbeugung formvollendet, und Shinquasz konnte so etwas erkennen, aber es überraschte ihn, solche Umgangsformen von Primitiven zu erfahren. Hier stimmte nicht viel. Das beunruhigte ihn ein wenig. Obenko war eine Katastrophe, die Burschen waren jedoch nicht weniger schlimm. Und er versprach sich, dass er ihnen demnächst die Krallen in die Schläfen hauen würde, um sie auszusaugen wie eine reife Süssfrucht. Es machte ihn alles verrückt, und sein linker Fuss begann schon selbständig und von ganz alleine einen wilden Takt zu schlagen. Alles nicht gut. All das war nicht gut.
„Am nächsten Tag gab es keine Blätter. Eigentlich gab es gar nichts mehr. Das Firmament war schwarz und unsere Welt war einfach verschwunden. Wir waren ja das erste Mal im All und dachten daher, wir wären auf der dunklen Seite des Mondes.“
„Wir hatten mal ein Lied darüber gemacht…“ warf Jeelbee ein. Shinquasz fand es vorwitzig und verzog das Gesicht. Wand sich wieder dem Rüsselmann zu.
„Aber das war es nicht. Es war nichts mehr da. Und wir trudelten durchs All.“
„Ihr trudelte durchs All? Ihr ward auf einem Mond.“
„Ja, aber, der hatte ja keine Umlaufbahn mehr. Das war übel.“
„Inwiefern?“
„Mir war übel. Der Boden, es war wie Erdbeben und ein kompletter Verlust der Schwerkraft und dann wieder voll der Druck. Da kannst du nicht schlafen. Aber das ging sowieso nicht lange….“
„Moment, moment, das geht mir zu schnell. Das verstehe ich, verdammt noch mal, nicht. Wer soll das auch verstehen. Ihr redet wirr. Oder du, oder ihr alle. Ihr hattet einen Auftritt, und dann war eure Welt weg, das Firmament schwarz? Keine Explosion, kein Blitz, keine Supernova, keine Löcher, keine Erscheinungen, keine Raumschiffe?“
„Nein.“
„Das ist doch Scheisse.“ Shinquasz durcheilte den Raum, rannte zu den Musikern und trat den Rüsselmann gegen das Schienbein und schrie ihn an. „Ich will deinen Kopf, verdammt, du Schrumpfhirn. Das kann doch alles nicht sein.“
„Doch“, eilte Jeelbee dem Rüsselmann zur Hilfe, und hielt Shinquasz am Kragen zurück.
„Wieso denkt eigentlich jeder, er kann mich am Kragen greifen? Ich kratze dir die Augen aus deinem Winzkopf, du Heulboje, lass mich los, verdammt noch mal. Das kann doch nicht sein. So durchgeknallt könnt ihr gar nicht sein. Eine Welt verschwindet nicht so einfach, ein Firmament geht nicht einfach so hops, da gibt es Dinge, die zurückbleiben…“
„Ja, so wie bei uns.“
„Was? Was? Was?“
„Dr. Obenko, dieser Wutzwerg ist definitiv zuviel für mich. Ich halte den nicht aus. Können sie ihn rausschaffen?“ Unreinstes Silber trat nun auch vor. Shinquasz zuckte zusammen, drehte sich um und blickte in die schwarze Schnauze von Dr. Obenko, der langsam in die Knie ging. Sich Shinquasz näherte.
Der Bibliothekar zwinkerte mit einem Auge, drückte das andere zu und hielt dem Arzt ganz langsam – aber wirklich ganz langsam – eine Kralle vor das Gesicht.
„Noch einmal, für den, der es immer noch nicht verstehen will. Ich habe bisher noch nichts gemacht. Ich bin im Auftrag Morkans hier, und normalerweise gehe ich anders vor, und das wird mich nicht davon abhalten, mir meine Vorgehensweise noch einmal richtig zu überlegen. Aber, und ich sage das jetzt langsam und deutlich, aber, wenn mich nun irgendjemand dabei stört, meinen Auftrag auszuführen, dann lasse ich die Horden Morkans dieses Totenschiff zerlegen, doch vorher, jetzt, in diesem Moment, zeichne ich dir ein Lächeln ins Gesicht, das endlich jeder versteht, Schlabberschnauze.“
„Du solltest dich davor hüten, Versprechungen zu machen, die du nicht einhalten kannst, Herr Shinquasz.“
„Ach, verdammt!“ schimpfte Shinquasz, nahm Anlauf und sprang in die Höhe. Göttliche Schwerkraft, wunderbare Leichtigkeit. Für einen kurzen, verrückten Moment, übermannte ihn die Jugend, und noch während er den Augen Jeelbees viel zu nahe war, rammte er ihm die Krallen in die Kopfhaut, und rief noch etwas, von „Dann halt in der guten, alten Art!“.
Dann rollten seine Sicht nach hinten, gaben das Weiß frei, und seine Krallen begannen zu glühen, wie Brennstäbe, die echt zu heiß wurden.
Im Nebel hörte er Schreie und natürlich Obenko fluchen, der das konnte, als hätte er nie etwas anderes getan, aber es war zu spät. Er saß auf den Schultern Jeelbees, als wäre er mit ihm verwachsen. Und Jeelbee rührte sich sowieso nicht mehr.
In Windeseile durcheilte er Jeelbees langweilige Jugend voll schwitziger Hände, schlechter Feiern und mieser Musik. Er hastete durch die Eintönigkeit von unerfüllten Trieben, dummen Partnerinnen und schlechtem Sex. Es wirbelte ihn durch einfältiges Essen und ganz schlimme Urlaube, und er begann diesen Planeten schon zu hassen, als, er wupp, von der Bildfläche verschwand. Jeelbees Erinnerungen waren weich wie edler Pudding und fade wie ungewürzte Grütze. Da war nichts fassbares, auf das er bauen konnte, und die Ahnung, dass dem All mit diesem Planeten nichts verloren ging, bewahrheitete sich, aber das Rätsel blieb ungelöst. Der Abend des letzten Auftrittes auf dem dritten Mond war ein verficktes Mysterium. Sie hatten sich wirklich die Seele aus dem Leib gespielt, und Handarbeit war Handarbeit. Da gab es nichts daran zu rütteln. Als sie jedoch trunken und begeistert irgendwelchen blinden Koloniefrauen das Firmament zeigen wollten, da gab es keines mehr. Obwohl ,schon aufgrund der Lichtverhältnisse, der dritte Mond mehr dafür geeignet war, als jener Ort von dem sie kamen.
So frustrierend das war, so verwirrend war der Absturz der Schwerkraft, die große irritierende Fliehkraft, die Krümelisierung des Mondes…das war genau das, was Jeelbee in Erinnerung blieb. Der Mond hatte sich verkrümelt. Er löste sich unter seinen Füßen auf. Verwandelte sich in Partikel, in Zucker und Schnee, in Sandsturm und Nebel, und dann waren sie hier. In einem Raum, der einer Zelle glich. An dessen Wände jemand geleckt haben musste, und dessen Boden einem viel zu engen Miniaturgolfplatz glich. Der Tisch wirkte wie gefunden, und der Stift darauf schien großes Glück. Die Schreie, die sie hörten, hatten eine nie geahnte Frequenz, und das Essen musste auf seine Genießbarkeit jedes mal aufs neue untersucht werden. Und das Tier, das ein Arzt sein sollte, spuckte sie an. Das wohl aber nicht mit Absicht.
Shinquasz zog seine Krallen wieder raus. Und atmete durch. Er hätte sich beinahe vollgepinkelt, so großartig war das Gefühl des Sprunges. Er war lange genug weggetreten, um nicht zu merken, wie Obenko an ihm zerrte, und die anderen Musiker – kraftlose Gesellen, nebenbei – versucht hatten ihm zu helfen.
Die alte Tour war x-mal befriedigender, als diese Dinge, die sie heute mit den Geräten machten. Aber es war eine alte Kunst, und nicht gerne gesehen, teils wegen den Verbrennungen, teils weil es wohl wirklich übel aussah für Aussenstehende. Shinquasz war fix und fertig. Vollkommen erledigt. Er taumelte herum wie betrunken, und lallte größtmöglichen Unsinn. Hätte ihn Obenko nicht die Kehle zugedrückt, dann wäre er wohl gestürzt. Aber es war sowieso, wie immer, alles egal.
„Das war alles, was sie mir bieten konnten, Schlabberschnauze?“ lallte er Obenko an, und versuchte davon zu torkeln.
„Du verdammtes Flattervieh, ich schmeisse dich in den Verwerter!“ Spuckte ihn Obenko an.
„Ja,ja..“murmelte der Bibliothekar nur erschöpft.

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Einleitung (Part 23)

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