Einleitung (Part 25)

(Liebe LeserInnen, 

ein PDF lässt noch auf sich warten. Part 25 kämpft sich aber trotzdem durch meine lausige Netzverbindung. Wenigstens das. PDF liefere ich nach, sobald wie möglich. 

Viel Spass beim Lesen.

Jan Tälling)

Bankea

Es war später und später geworden. Johsz wurde gesprächiger und Quas schweigsamer. Beinahe im selben Verhältnis, beinahe im selben Mass . Burkim wich aufgrund der Höflichkeit noch allen Fragen aus, aber bei all der Zeit, die vergangen war, war schließlich auch der Höflichkeit genüge getan, und Burkim rang mehr und mehr um Antworten. Papenka sah ihn schon viel zu lange erwartungsvoll an

Koerma hatte sich zurück gelehnt und schien einfach nur satt und erschöpft. Doch der gute Johsz arbeitete sich an Lob- und Trinksprüchen. Obwohl ihm niemand wirklich zuhörte, blieb er tapfer dabei, dass Essen zu loben, das Wasser zu preisen und ihnen immerfort zu huldigen. Er wirkte wie trunken. Doch Burkim hatte sehr wohl darauf geachtet, nur rauscharme Speisen zu reichen. Konnte man doch noch nichts über die Wirkung sagen, die sich vielleicht einstellte. Und so wenig, wie die Gäste einschätzbar waren, so wenig lag Burkim daran, alles gleich beim ersten Gastmahl auszutesten.

Quas dagegen bekam ein finsteres, enttäuschtes Antlitz. Es schien als ob er am meisten unter der Situation litt, und das bereitete auch Burkim Sorge. Sie alle waren ihm so sehr fremd, dass er in keinem Fall und keiner Mimik  zu deuten wusste, was er da sah. Nur Koerma, die von ihrer Müdigkeit übermannt wurde entsprach in ihren Reaktionen dem, was Burkim als nur zu verständlich empfand. Er sah sie an, und vielleicht gerade wegen ihrer offensichtlichen Mißgestaltung empfand er so etwas wie Zuneigung für sie.

Sie musste leicht wie eine Feder sein, und die  offensichtliche Knochigkeit, die sie unter ihren Lumpen verbarg, schrie gerade zu nach Nahrung. Ihr Körper schien Regelmäßigkeit nicht gewohnt. Das würde sich auf Bankea nun ändern.

Papenka stand auf, und ging auf ihn zu. Und wie immer, wenn er sie in voller Größe vor sich sah, bewunderte er sie, überfiel in ein unbändiges Verlangen sie zu sich, an sich zu ziehen, sie zu umarmen, überall zu berühren und ganz woanders mit ihr zu sein.

Sie setzte sich neben ihn, schwieg kurz, aber stupste ihn an. Er blickte zu ihr, wieder weg und suchte einen Anfang und Halt.

Es war in der Zwischenzeit Abend geworden und nur ihre eigenen Laternen und Lampen erhellten die Szenerie. Johsz wirkte trotz seiner Redseligkeit, genauso wie Quas trotz seines Schweigens müde und eigentlich schon etwas abwesend und erschöpft. Und Koerma schlief im Grunde schon. Es war vielleicht an der Zeit den Gästen ihr Nachtlager zu zeigen, doch wirklich mehr gab es nicht mehr zu tun. Und so genoss Burkim die Anwesenheit von Papenka, die sich neben ihm niedergelassen hatte.

Er glaubte ihre Aura, ihr Wesen, ihre Nähe zu spüren, und Papenka war in diesem Moment alle Heimat, die er hatte. Mein Vater war nicht der Mann, der Heimat sofort mit anderen Menschen verband. Zumeist war Heimat jener Ort, an dem er sich zusammenrollen konnte, an dem er schlief, an dem ihm keine Gefahr drohte, an dem er weiterarbeiten durfte, wann immer er wollte.

Und dennoch, war all dieses im Moment soviel mehr wert, dass er sein Herz gegen eine unbekannte Befangenheit kämpfte.

Dies war der Moment, in dem er Papenkas Stimme hörte. „Du musst mir alles sagen. “

Er nickte ernst.  „Stimmt. Sollte ich. “

„Solltest du. Auf jeden Fall.“

Sie legte eine Hand in seinen Nacken, er genoss die Kühle, die von ihr ausging und erzählte ihr alles.

Er erzählte ihr von Soy, der Absturzstelle, der ersten Begegnung mit Johsz, Quas und Koerma, sowie von den Kopien, und der Einsamkeit, die sie nun empfinden mussten.

Sie hörte ihm schweigend zu, blickte mit ihm auf die drei Gäste und versuche zu verstehen, was all dieses für die bedeuten konnte.

Als er geendet hatte, sagten beide kein Wort, aber sie kraulte ihn sanft, und das genügte, denn er wusste, sie dachte nach.

Johsz hatte sich auf den Rücken gelegt, und Quas nutze seinen Bauch als Kissen. Beide richteten ihre Blicke auf das Blätterdach. Wohl weniger, um darin etwas zu entdecken, als vielmehr die Ruhe zu genießen, die dieser Ausblick ausströmte. Johsz Hand lag in Quas Haar, und seine Finger kräuselten und spielten mit einigen Locken. Burkim bemerkte es und schmunzelte, relativierte es doch vieles von dem, was heute geschah und schuf einen Frieden, den er gerne annahm. Papenkas Hand erhöhte den Druck in seinem Nacken. Er nickte kurz.

Sie hatten es beide bemerkt.

Das Schiff der Mission

Bestürzt umrundeten die vier Silberlinge ihren Sänger und plapperten aufgeregt durcheinander.

„Unglaublich! “

„Was hat er dir getan, Jeelbee?“

„Geht’s dir gut? Kannst du stehen? “

Jeelbee wirkte als sei ein Felsen auf ihn gefallen und er danach in die heißeste Glut gestürzt.  Ein großer Teil seines Haupthaares war verbrannt, und was nicht verbrannt war hatte sich gekräuselt und seine künstliche silberne Farbe verloren. Seine Augen waren glasig und fixierten einen weit entfernten Punkt. Jeelbee wirkte mehr als nur angeschlagen. Er  schien schlicht nicht mehr ganz da zu sein. Und all die Rufe klangen, als müssten sie einen dichten Nebel zerteilen, um ihn zu erreichen.

Er wusste überhaupt nicht was gerade geschehen war. Daher versuchte er mühevoll Dinge zu greifen und begreifen. Seine Hände tasteten zur Seite, nach vorne und unten, aber er konnte nichts sehen, außer einem Schleier, der sehr undurchsichtig schien. Noch nie hatte er sich so halbiert gefühlt. Es wirkte alles so,  als hätte die Hälfte seines Ichs beschlossen in einem wilden Traum zurück zu bleiben. Und die andere Hälfte bewegte sich bleischwer durch einen Sumpf.  Er erinnerte sich an eine böse Vogelfratze, die ihm grausig nahe war, doch ansonsten gab es eine ganze Menge Hitze, gleißenden Licht und das übliche eben, was einem Angst und Bange machen konnte.

Als ob er auf einer Reise gewesen wäre, die jede Route, die er bisher in seinem Leben gemacht hat, noch mal ganz intensiv und vollkommen wirr wiederholt hätte. Er glaubte,  er müsste sein Innerstes nach außen spucken, und könnte erst dann aufhören, wenn er komplett umgestülpt wäre.

War ihm schlecht! Er hatte noch nie davon gehört, dass jemanden jemals so übel war. Und es gab so manches schlimmes Kraut, dass er geraucht hatte.

Verbranntes Haar stank unglaublich. Nicht das es jemals gut gerochen hatte, in dieser Zelle. Sie teilten sich diese Zelle wahrscheinlich noch mit einer Unmenge anderer Lebewesen. Es konnte ja durchaus auch Planeten geben, deren Bewohner der Unsichtbarkeit frönten, oder gerade mal die Größe von Insekten hatten, oder das Antlitz der Kakerlaken. Es war möglich, dass diese eine Zelle an Überbevölkerung litt, dass hier der Bakterienherd war, die Amöben ihre Evolution planten, genetische Experimente in den Kachelritzen stattfanden, und nicht sie alle die Eingesperrten, sondern die gelagerte Nahrung waren. Und das Obenko kein Arzt, sondern Metzger war. Und das man mit ihnen so umging, wie man mit Fleischlieferanten eben umging. Ein bisschen sanft, um das Fleisch nicht ungeniessbar zu machen, und ein bisschen entschlossen, um sie dann doch in ihre Schranken zu weisen.

Aber all diese Gedanken überfielen sie schon stetig in ihren Wachträumen, in den paranoiden Momenten und in den Augenblicken, wenn sie sich gegenseitig auf die Nerven gingen, weil sie begannen auf dem Tisch zu trommeln und an die Wände zu schlagen.

Auch die restlichen Silberlinge kämpften nun mit einem Würgereiz. Außerdem sah Jeelbee wirklich, wirklich ziemlich zerstört aus.

Jeelbee war ihr Sänger, im Grunde also eine charismatische Persönlichkeit, die für den Zusammenhalt der Gruppe eine ganze Menge bedeutete.  Jeelbee hatte die schnellen Bewegungen, dass gewinnende Lächeln und eine ganze Menge verrückter Ahnungen von dem Geschäft, dem sie nachgingen. Er hatte das richtige Näschen für die Drogen und die richtigen Freunde.

Auf der Mondkolonie war es wie überall: All die Frauen, die in der verminderten Schwerkraft herum tanzten, und Dinge schwenkten, von denen sie bisher noch nicht mal wussten, dass die beweglich sind, sahen immer nur Jeelbee.

Mulbee, der Rüsselmann, für den ja auch einiges sprach, verschwand immer ein wenig im Hintergrund. Vollkommen ungewollt, wie Jeelbee jedes mal versicherte, denn er gönnte dem guten Mulbee jeden nur denkbaren Erfolg. Mulbee gehörte zu denen, die einen solchen Erfolg verdient gehabt hätten. Nicht nur weil er der Komponist von fast allen Stücken war, sondern weil es auch er war, der mit am härtesten für den Erfolg der Gruppe gekämpft und gearbeitet hatte.

Er war wahrscheinlich der begabteste Plakatierer ihre Welt.  Ein unermüdlicher Handwerker des Leims und Grossdruckes.

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Einleitung (Part 25)

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