Einleitung Part 51

(Liebe LeserInnen,

Part 51 bringt Zirmja wieder mal mit Vimgar zusammen. Wer gerne wissen möchte, wie es dazu kam, was sonst noch bisher passierte, der findet das alles im PDF. Alle Teile von 1-51 gebündelt, und immer noch weitgehend roh.

Einfach rechts klicken und download: Ach, Bankea! Version 1.31

Viel Spass damit!

 

Jan Tälling)

 

Morkans Palast. Vimgars Räumlichkeit.

„Oh, wen haben wir da?“ Vimgar empfing sie mit einem Lächeln, das so breit war wie er selbst. Er öffnete die Arme, machte eine Verbeugung und liess Beide vorbei.

„Willkommen in meiner bescheidenen Hütte.“

Zirmja und Tenx traten ein, betraten damit einen Teppich, der im schillerndsten Blau von Millionen Raupen zeugte, die zu ihm beigetragen hatten. Aber er wirkte auch so, als sei er für die Erblindung der besten Weber aus Morkans Reich verantwortlich. Die Wände waren bedeckt mit Kunstwerken, die Zirmja nur von den Abbildungen kannte, die vor langer Zeit gezeigt wurden.

Vimgar bemerkte ihren Blick.

„Ihr versteht etwas von Kunst, edle Zirmja?“

„Mir wurde einiges beigebracht, unter anderem auch die Wertschätzung fremder Kulturen und deren Objekte. Ja, ich kenne einige der Künstler, manche persönlich, aber diese Werke sah ich als verschollen an.“

„Nun, es ist das Glück der Piraten, manches zu besitzen, was als verschollen gilt. Gefallen sie ihnen?“

„Die Gemälde? Ja, durchaus, sie erzählen von einer ruhigen Periode, die auch das Reich meiner Eltern betraf. Eine schöne Zeit. Mein Vater war Mäzen vieler dieser Künstler. Wir förderten die Künste, das entsprach dem Selbstverständnis meiner Familie. Es gab Stunden, in denen wir sie zu uns einluden, und ihren Gesängen, Gedichten lauschten und ihre Werke bewunderten. Es ist eine Zeit, die ich sehr vermisse…“

„Verstehe!“ Vimgar wandte sich an Tenx und sah ihn an. „Es tut mir leid, wenn ich sie nicht mit der Ehrerbietung beachtete habe, die ihnen gebührt, Tenx. Sind auch sie vertraut mit den Werken dieser Künstler?“

„Ich bedaure…“

„Kein Problem, junger Mann, sie sind wohl kaum gekommen, um sich mit mir über Kunst zu unterhalten. Folgen Sie mir.“

Vimgar eilte ihnen voraus. Seine Schritte, so klein, wie sie waren, wirkten lautlos auf dem Teppich. Diese Lautlosigkeit verlieh ihm eine falsche Behändigkeit, die ihm von dem Eindruck der Tollpatschigkeit befreite. Er warf die Hände hin und her, als wollte er Kusshändchen an eine imaginäre Menge verteilen, und gelangte so in eines der Zimmer, das vor ihnen lag.

Es wirkte wie ein Raum für zwanglose Geselligkeiten. Altertümliche Spiele stand auf kleinen Beistelltischen, die Fenster öffneten den Raum zu einem Springbrunnen, der von Pflanzen aller Arten umgeben war, und das Licht spielte mit den Farben des Tageslichtes, simulierte es, aber wirbelte durch die möglichen Abstufungen, so dass ein Schatten über den Innenhof glitt. Die Wolken, dachte Zirmja, es macht die Wolken nach.

„ Faszinierend, nicht wahr?“ flüsterte Vimgar, der ganz plötzlich wieder neben ihr stand. Als wäre er aus dem Nichts aufgetaucht.

„Ja, es wirkt so echt.“

„Es wirkt, als ob der Himmel weit und offen wäre, als ob die Sonne von kühlen Wolken unterbrochen würde. Ich liebe das. Es ist nur ein kleiner Innenhof. Morkan hat einen größeren. Aber mir reicht das. Ich habe das Licht nach Kendal eingestellt…“

„Kendal?“

„Oh, mein Heimatplanet. Sie kennen ihn nicht? Wunderschön. Bezaubernd. Sehr viele Gärten. Parks, und eine Kultur, die weit zurückreicht, ungefähr in jene Zeit, in der dieser Knoten entstand. Zwei große Meere, umsäumt von Stränden, die in den schönsten Farben leuchten. Sie müssen uns unbedingt mal besuchen.“

„Wann waren sie das letzte Mal dort?“

„Das, meine Schönste, liegt schon eine Ewigkeit zurück. Wir hängen in diesem Knoten fest, wie eine fette Spinne in ihrem Netz. Was ich nicht bedauere. Wirklich nicht, aber es lässt mir natürlich auch keine Zeit. Und meine Neugierde, die mich hier her getrieben hat, könnte mich mittlerweile fast schon wieder nach Hause treiben. – Sie müssen wissen, Kendal ist wie eine Blume, die sich beständig entfaltet. Es duftet übrigens auch so. Faszinierend, meine Liebe. Doch, Entschuldigung, ich habe sie nicht gefragt, ob ich Ihnen etwas anbieten kann. Möchten Sie etwas trinken? Essen vielleicht? Sie, Tenx? Kann ich ihnen etwas kredenzen?“

Zirmja sah zu Tenx, der den Kopf schüttelt und sagte dann selbst. „Ich würde ein Wasser trinken.“

„Gut, schön, ich lasse ihnen etwas bringen.“ Vimgar klatschte in die Hände, und ein dienstbeflissener, junger Mann mit einer Weste über den haarlosen, nackten Oberkörper trat in den Raum,  nahm die Wünsche auf und entfernte sich wieder.

Vimgar zeigte ein beeindruckendes Grinsen und deutete auf die Stühle. „Setzen wir uns, meine Lieben. Und denken sie nichts falsches von mir. Das ist nur ein Klon. Er weiß es aber nicht, sie verstehen. Hat mich ein kleines Vermögen gekostet, aber , nun ja, was soll ich ihnen sagen. Es hat sich gelohnt. – Hätten sie Interesse, dass ich auf ihr kleines Problem eingehe?“

„Kleines Problem?“

„Nun, schauen sie.“ Vimgar beugte sich vor, nahm eine von Zirmjas Hände in die seinen und sah ihr in die Augen. „Das Med-Team sucht sie. Benkal sucht sie. Und, wirklich, Benkal ist nicht so einfach ab zu schütteln. Wie sie ihnen entkommen sind, ist mir ein Rätsel. Doch irgendwie scheint man davon auszugehen, dass sie das komplette Schiff, ja, den ganzen Palast verseuchen wollen.“

„Sie sollten davor Angst haben…“

„Nein, nein,neinnein. Meines Wissens hatten sie genug Gelegenheiten ihre Waffen zu reinigen, und nur ein kompletter Idiot geht davon aus, dass sie das noch nicht getan haben. Aber, schauen sie, ihre Erziehung dürfte ihnen alles notwendige beigebracht haben. Wir wissen darüber Bescheid. Und selbst Tenx würde es kaum wagen mit einem kontaminierten Schwert hierher zu kommen. Sie hätten das Med-Team darüber aufklären können. Warum haben sie es nicht getan?“

„Woher wissen sie das alles?“

„Ich bin, wie sie, liebe Zirmja, im Rat.“

„Der Rat weiß nichts davon.“

„Ich schon, meine Kleine. Also sagen sie mir, warum haben sie das Med-Team nicht darüber aufgeklärt? Sie hätten es tun können. Morkan ist auf ihrer Seite. Auf jeden Fall versucht er sie wieder und wieder auf seine Seite zu ziehen. Es muss also Liebe sein.“ Vimgars Zähne blitzten kurz auf und er schüttelte belustigt den Kopf. „Sie haben mit ihm geredet. Was hat er ihnen gesagt, Schöne?“

„Das er mir den Kopf abschlägt.“

„Nein, nein, nein, nein.“ Vimgar schüttelte ganz entschieden wieder den Kopf. „Nein, das, Zirmja, hat er ganz bestimmt nicht gesagt. Sie sind hier, weil sie niemanden vertrauen können und er hier“ Er deutete auf Tenx. „ Er hier ist nur ein Mitbringsel. Verzeihen sie mir, Tenx, wenn ich das so ausdrücke. Aber sie sind gerade nicht von Wert. Wenn sie wollen, dann können sie duschen!“

Tenx sah ihn entgeistert an. Er wurde aschfahl, fasste sich und fuhr Vimgar an. „Vergessen sie es, ich werde nirgendwo hin gehen.“

„Gut, tun sie was sie wollen. Bleiben sie. Es gibt hier nichts, was sie nicht hören dürfen. – Ich will ehrlich zu ihnen sein, Zirmja. Sie müssen das in Ordnung bringen. Sie sind mir im Rat lieb und wichtig. Dort sind sie mir teuer. Ich schätze ihr Wort, und wir brauchen sie. Im Rat. Doch was soll ich mit einer Flüchtigen?“

„Vimgar, hören Sie zu!“ Zirmja packte ihn am Kragen seines Hemdes und zog ihn her. Sie zischte mehr, als das sie sprach und ihre Zähne lagen eng aufeinander, als ihre Worte immer langsamer aus ihr kamen.

„Hören sie zu, Vimgar, sie planen hier den Sturz Morkans. Machen sie mir nichts vor. Und wäre meine Lage nicht so verfahren, dann würde ich sie im Rat sezieren lassen. Jeden Einzelnen, der sich in ihre Zimmer wagte. Ich würde sie wie tollwütiges Vieh von Morkan entsorgen lassen. Doch ich bin hier…und glauben sie mir, so bin ich ihnen mehr von nutzen.“

Vimgar rollte mit den Augen, stöhnte leicht, aber hielt den Kopf ruhig und imitierte ihre Stimme.

„Aber Benkal ist hinter dir her, mein Liebchen, und er wird Morkan dein Herz bringen, blutig und nass, so wie er es findet.“

„Du vergisst Goms“. Flüsterte sie leise.

Einleitung Part 51

Einleitung Part 50

(Liebe LeserInnen,

wer es bis jetzt ausgehalten hat, und noch einen Nachschlag in dieser Nacht will, der bekommt nun das PDF zum downloaden mit allen 50 bisherigen Teilen und insgesamt 210 Seiten: Ach, Bankea! Version 1.30

Die vier Silberlinge treffen Shinquasz, und damit sind meine aktuellen Lieblingsfiguren endlich wieder zusammen. Vor allem entwickeln sie endlich ihren eigenen Charakter und kommen ihrer Bestimmung immer näher.

Ich wünsche euch viel Spaß. Eine gute Nacht und einen ebenso schönen Morgen.

PS: Updateinfos gibts jetzt auch über Google+, Facebook und Twitter.

Jan Tälling)

Morkans Palast.

„Wir sind raus! Das ist unglaublich!“ Fulbee tanzte im Flur, warf die silbernen Haare zurück, bewegte die Hüften schwungvoll im Kreis und stupste Bengbee an.

„Ja, unglaublich. Und jetzt?“

„Jetzt müssen wir uns unter die Bewohner mischen.“

„Nee, oder? Silberne Haare, unsere Köpfe und mit dem Kram den wir anhaben?“

Mulbee hielt vorsichtshalber den Mund, und überliess Bengbee das Sprechen. Tschilbee bekam ihn sowieso nicht zu, den Mund. Sie wussten selbst nicht wirklich, wie sie es geschafft hatten, aber sie standen auf dem Flur. Die Lichter waren gedimmt, nur ein schwacher Schein beleuchtete die Wege und Gänge. Pfeile führten zu den Fluchttüren, in der Ferne waren fremde Stimmen zu hören, doch sonst schien es ruhig. Nichts anderes hatte sie in der Ruhephase erwartet.

Die Beschriftungen an den Türen waren ihnen fremd, auch die Lebensmitteltüten enthielten nichts, was sie sofort als essbar identifizieren würden und auch deren Logos und Texte waren ziemlich unlesbar. Die vier Silberlinge gingen schweigenden nebeneinander her. Der eine rücksichtsvoll, zurückhaltenden, erfüllt mit Respekt und Angst. Der Andere übermütig, überschäumend, mit einer einzigen anderen Option, die da Tod hieß, geplagt und daher so frei wie der Wind, der sich durch die Gänge wagte. Und dann Jener, der einfach nur staunte und sich fern der Angst in einem Wunderland fühlte. Nicht zu vergessen, jener, der schlicht erschlagen war und sich am liebsten an einen vertrauten Ort begeben hätte.

Und mochten ihre Silhouetten auch wirken, wie fünf Männer, die mit einer ähnlichen Entschlusskraft, den Gang herunterkamen, so konnten sie nun auch nicht verschiedener sein. Fulbee horchte an jeder Tür. Bengbee drehte sich ständig um, sah nach hinten, spähte nach vorne und war bereit sich in dem nächsten Augenblick in Deckung hinter eine Topfpflanze zu schmeissen. Nur Tschilbee wähnte sich in seinem eigenen Traum, bewegte sich wie ein Schlafwandler und sog die Wunder, die ihm diese Welt bot, wie ein Lebenssaft ein. Er wollte von all dem für den Rest seines Daseins zehren. Er dachte überhaupt nicht an Deckung, an Gefahren oder Sorgen, die ihn vielleicht mal befallen konnten, er atmete mit den Augen und füllte sein Herz mit dem Anblick. Alles hatte sich gelohnt. Alles war gut. Dieses war die Welt, die er seinen Enkeln gewünscht hätte. Allein Mulbee dachte, alles stürze auf ihn ein und er ging mit geschlossenen Augen weiter, zwickte sich andauernd und hoffe aufzuwachen, im Schosse irgendeiner Frau, die üppig und rund bereit war ihn aufzunehmen, auf das er für Momente und eine gefühlte Ewigkeit sein Hirn verlieren möge.

Fulbee eilte voraus, schlenkerte seine Arme und wagte es das Tempo zu bestimmen. Er versuchte sie mit zu reissen und kam sich dabei vor wie jemand, der auf dem Jahrmarkt, die Frau mit dem Bart und den Mann mit den drei Augen preiste.

„Wir müssen weiter! Sie dürfen uns nicht entdecken.“

„Fulbee, sie haben uns tausendprozentig schon entdeckt. Das alles  dürfte gespickt mit Kameras sein. Keine Frage, dass sie uns verfolgen.“

„Wenn dem so wäre, dann würden sie uns schon abgefangen haben.  Sie sprachen von Quarantäne. Keine Chance uns einfach so spazieren zu lassen.“

Bengbee zuckte zusammen: „Da kommt jemand!“

„An die Wand, an die Wand, da ist eine Tür. Schnell“

Aber sie hörten die Stimme schon rufen. Und sahen die schlurfende Gestalt näher kommen. Ein schabendes Geräusch, das von einer Extremität kam, die auf dem Boden schleifte.

„Hey, ihr verfickten Tagdiebe, was macht ihr da? Wollt ihr euch mir in den Weg stellen? Wollt ihr mich ausräubern? Sprecht lieber gleich, ihr habt ja keine Ahnung, mit wem ihr es zu tun habt. Und so verdammt scheisse, wie mein Tag verlief, kommt ihr mir gerade recht. Ich zerlege eure Visagen zu Scheibchen, und belege mir meine Stullen, verdammtes Pack, versucht gar nicht  euch zu verstecken. Ich sehe euch sowieso, ich sehe in dem verdammten Licht. Hey, kommt da raus.“

Bengbee sprang vor: „Du!“

„Ja, ich!“ brüllte ihnen Shinquasz entgegen. „Ich, und immer nur ich. Was, verfickte Scheisse, macht ihr Dreckskerle hier? Solltet ihr nicht im Ofen von diesem wahnsinnigen Arzt rösten? Was wollt ihr hier? Kann dieser verdammte Tag noch schlimmer werden?“

„Du! Du Mörder!“ schrie ihn Fulbee an.

„Benimm dich, du kleiner Notenschänder. Was soll der Quatsch von wegen Mörder? Habt ihr sie noch alle, wie kommt ihr überhaupt hierher? Solltet ihr nicht auf dem nächsten Selbstmordplaneten sein?“

„Mit dir fing alles an, du Vogel!“

„Ich bin kein Vogel! Ich werde dir zeigen, wer hier ein verfickter Vogel ist, du hässliches Ding. Komme mir nicht zu nahe, oder ich paniere dich.“

Fulbee schrack zurück und sah auf den verbundenen Arm des Bibliothekars.

„Du hast nur ein Arm, du Monster?“

„Hatte ich schon erwähnt, dass es ein Scheisstag war? Ihr sollte nicht hier sein. Wegen euch fallen den Leuten die Gesichter ab. Was macht ihr hier?“

„Wir sind geflohen. Jeelbee ist tot. Wieso Gesichter abfallen? Jeelbees Gesicht fiel ab.“

„Stopp. Stopp, verdammt. Halts Maul.“ Shinquaszs Kralle fuhr hoch und versuchte Fulbee am Hals zu packen. „ Das heißt, niemand weiß, dass ihr hier seid? Ihr seid irgendwie hier drauf gekommen? Ihr seid, Scheisse nochmal, geflohen? Was für ein Unsinn. Hierher? Kein Wunder bewegt ihr euch wie zerlegte Hühner. Schaut euch an. Als nächstes seid ihr Frikassee. Wenn das Med-Team euch findet, dann taugt ihr gerade noch für Folterübungen. – Verdammter Mist!“

Shinquasz Gesicht verzerrte sich, er steckte seine Zunge zwischen die Schnabelhälften und dachte nach. Was für ein Haufen. Er könnte sie gleich hier töten, aber das Med-Team war sowieso  schon hysterisch und würde sie wohl zerlegen. Er könnte sie in den Verwerter schmeissen. Aber nicht mit dieser Schwerkraft, fluchte er, und zog seine ermüdete Kralle zurück.

„Oh, verflucht, ich muss euch mitnehmen. Ihr verdammten, bescheuerten Babies. Lasst mich euer Babysitter sein. Folgt mir, ihr Idioten. Blödes Pack. Ihr habt keine Chance hier. Das Med-Team wird eurer Rasse den Garaus machen, und vielleicht ist das das Beste. Kommt mit. Bleibt hinter mir. Benehmt euch. Schmeisst keine Popel auf den Boden. Passt auf, was ihr zurücklasst. Keiner weint euch nach. Ich schon gar nicht.“

Er ging voraus, geleitete sie durch die Fluchttüren und führte sie in seine Räumlichkeiten. Er war so sauer.

Einleitung Part 50

Einleitung Part 49

(Liebe LeserInnen, 

so schnell wollte ich die letzten Silberlinge nicht ihrem Schicksal überlassen, deswegen hier noch mal ein Teil, der ganz Ihnen gewidmet ist, und sie nun mit einer völlig neuen Situation konfrontiert: Morkans Palast.

Mögen die Spiele beginnen.  Alles, das und wie es überhaupt dazu kam, findet ihr zusammengefasst auf 207 Seiten im neuesten PDF: Ach, Bankea! Version 1.29 (Alle Teile von 1-49)

Habt Spaß daran.

Einen schönen Samstagabend, Sonntagmorgen und alles was zählt.

Jan Tälling)

Morkans Palast.
Aber dann, dann geschah alles ganz sanft und zurückhaltend. Wie auf den Armen eines großen Riesen wurde das Beiboot behutsam in die Flughalle von Morkans Palast gezogen. Wie auf einem Kissen wurden sie inmitten der Halle abgesetzt, und sofort hörten sie die Stimme des Wachhabenden wieder.
„Willkommen in Morkans Palast. Bitte denken sie an unsere Abmachung mit Dr.Obenko. Wir sind uns bewusst, dass sie sich als Flüchtlinge von wo auch immer verstehen, aber wir gewähren ihnen kein Asyl, wollen sie nicht aufnehmen und halten sie unter Quarantäne. Daher bitten wir sie nicht ihr Schiff nicht zu verlassen, sondern stellen dieses als Bedingung während ihrem Verbleib in unserem Palast. Sie dürfen unter keinen Umständen dieses Schiff verlassen, sich irgendwo innerhalb des Palastes oder gar in der Flughalle bewegen. Haben sie das verstanden? Bitte bestätigen sie das.“
„Ja, das haben wir verstanden.“
„Vielen Dank. Wir sind gebeten worden, den Schaden an dem Schiff der Mission, den sie verursacht haben, zu beheben. Wir gehen davon aus, dass die Arbeiten mindestens zwei Ruhe- und zwei Aktivphasen überdauern. Eventuell etwas länger. Während dieser Zeit werden sie hier in der Flughalle bleiben. Danach werden sie Dr. Obenko übergeben. Wie es dann weiter geht entscheidet alleine er.
Wir stehen ihnen nicht zur Versorgung zur Verfügung, noch nehmen wir von ihnen Versorgungsmaterialen an. Das ist klar, oder?“
„Klar!“
„Danke. Wir brechen jetzt den Funkkontakt zu ihnen ab, und möchten weder von ihnen und noch von alle, die sonst noch auf dem Schiff sind, gestört werden.“
„Verstanden!“
„Das ist nicht nötig. Sie werden sich sowieso wie gewünscht verhalten, sonst schmeissen wir sie wieder raus. Und fragen sie mich nicht, wo sie dann landen.“
Die Stimme brach ab. Die Schwerkraft war wieder da, aber ungleich heftiger als gewohnt. Sie zerrte an ihnen wie ein Sumpf, der plötzlich über sie geschwappt war, drückte auf den Brustkorb und zog sie zu Boden.
„Was ist denn das?“ fragte Bengbee entsetzt.
„Schwerkraft! Du wolltest doch welche?“ Entgegnete Fulbee trocken.
„Aber das ist ja unglaublich, wollen die uns zerquetschen? Man kann ja fast nicht atmen, und klebt wie irre am Boden. Ich komme mir vor, als wäre ich dreimal so schwer und nahe am Tode.“
„Gewöhne dich daran, ich kann mir nicht vorstellen, dass es besser wird.“
„Hölle, Hölle, Hölle!“
Die Zeit verging nicht. Sie tröpfelte. Und sie saßen Jahre in einem verrotteten Boot, stützten die Köpfe, lehnten sich aneinander und sahen bulligen Männern zu, die Schläuche vorbei trugen, auf komischen Platten flogen, Kisten schoben und Roboter traten. Sie sahen kleine Boote reinfahren und raus schiessen. Sie sahen manchmal eine Spiegelung des Knotens in einer großen Glasscheibe. Sie konnten den Wachhabenden erkennen. Sie gähnten. Und starrten weiter aus dem Fenster.
Die Zeit verging nicht. Sie tröpfelte. Und sie saßen Jahren in einem verrotteten Boot, stützten die Köpfe, und Mulbee schüttelte ihn entschlossen, als wollte er sich von den wiederholenden Gedanken befreien.
„Das ist ja furchtbar. Wie lange schauen wir denen schon zu?“
„Nicht lange. Einige Augenblicke. Gerade mal.“
„Hilfe! Lasst uns etwas spielen.“
„Wir haben nichts hier zum Spielen….“
„Interview?“
„Gut, Interview!“
Zu Beginn ihrer Karriere übten sie sich beständig darin, was sie auf typische Interviewfragen antworten konnten. Sie wollten vorbereitet sein, wenn die Karriere richtig losging. Und so übten sie, wann immer sie konnten, bis es eines Tages zu einem Spiel wurde, das sie nicht mehr missen wollten.
„Sagen Sie mal, Herr Bengbee, wann fing das eigentlich an?“
„Oh, ich kann mich noch ganz genau daran erinnern. Es war im Jahr des schwankenden Kalbes, als mein Vater zum Puddingholen die Familie verliess und nicht mehr zurück kam. Ich war davon so sehr beeindruckt, dass auch ich mich auf die Wanderschaft machte, und eines Tages kam ich in ein gar seltsames Dorf, in dem das Konzert der drei Silberlinge angekündigt war. Ich war sofort interessiert, der Name versprach ja immer hin viel, hatte ich doch noch nie drei Silberlinge besessen…“
„Buh!“ riefen die Mulbee und Tschilbee, die die Fans spielten, die sogleich zustimmen oder buhen mussten.
„Was ist denn?“ Bengbee wirkte – wie immer – verstört.
„Viel zu materialistisch. Zu wenig idealistisch. Das muss mehr ans Herz gehen.“
„Aber bitte, ich bin arm. Quasi Halbwaise und auf Wanderschaft…“
„Aber du denkst nur an Geld. Silberlinge.“
„Ja, aber ihr heißt doch so, an was soll ich denn sonst denken?“
„Das geht mal gar nicht.“
„Schsch.“Fulbee legte den Finger an die Lippen.
„Was?“
Fulbee trat näher an das Fenster. „Ruhephase! Sie gehen!“
„Ja, und? Das heisst doch nur, dass es jetzt noch langweiliger wird. Ich kann darauf verzichten.“
„Wir könnten raus…“
„Und uns pulverisieren lassen. Ja. Klar. So hatte ich mir das auch vorgestellt.“ Bengbee zog sich hoch und schaute nun auch mit hängenden Schultern aus dem Fenster. Er glaubt, dass sich irgendein Eisriese mit gewaltigen Pranken auf ihn stützte. Sein Körper wollte nur noch liegen, flach und ausgebreitet. Es begann schon nach kurzer Zeit zu schmerzen. Und keiner sollte nun fragen, was zu schmerzen begann, denn das ist einfach. Alles. Wie in einer Zentrifuge, an deren Wand man stundenlang festhängt. Wie eine Fliege am Honig.
Fulbee gab ihm ein Zeichen.
Bengbee zuckte mit den superschweren Schultern, die er nicht mehr haben wollte. „Verstehe nicht!“
„Es sind nur noch zwei!“
„Ja, dann sage das doch! Zwei sind zwei zuviel! Ich gehe da nicht raus.“
„Bengbee, mal im Ernst, was glaubst was Dr.Obenko mit uns macht?“
„Keine Ahnung,“
„Er schabt dir den Speichel ab und legt ihn in eine Petrischale, verdammt. Das reicht.“
„Wozu? Was?“
„Um deinen verdammten Genschatz aufzubewahren. Um mehr geht es jetzt nicht mehr. Wir müssen hier raus. Wie geht es hier raus? Welcher Knopf?“
Mulbee maulte von hinten. „Frage doch nicht immer die Bedeutung der Knöpfe ab. Woher sollen wir denn das wissen?“
Fulbee schien schwer gealtert, als er sich zur Tür schleppte, mit der Hand am Rahmen entlang fuhr. Und schließlich etwas zu fassen bekam. „Was steht da?“
„Meiner Meinung nach heißt das RGKOLFINEJFINS“
„Ah, Notausstieg!“ Fulbee drehte den Hebel in alles Richtungen.
„Hä? Höre doch auf damit.“
Es zischte wie aus einem heißen Wasserkessel, der all seine Flüssigkeit von sich stiess. Und wie bei dem heißen Wasserkessel löste sich nun auch Dampf von allen Stellen der Tür, die langsam zurück und dann zur Seite glitt. Die Flughalle lag vor ihnen.
„Das war fast zu einfach.“
Verwaist schienen die Positionslichter. In einigen Booten war wohl noch Leben, manche schwankten rhythmisch und beträchtlich, aber die Fenster waren abgeblendet und offenbarten nichts.
„Raus!“ zischte Fulbee
„Wie?“
„Raus!Rausrausrausraus!“
„Die haben Drohnen.“
„Und Kameras, und Mikrofone, und Schusswaffen und alles mögliche, aber jetzt rausrausrausraus.“
„Fulbee..“
„RAUS!“
Bengbee sprang auf das Flugfeld, sah sich um, blickte hoch zu Fulbee, der wieder komische Zeichen machte.
„Was?“
„Renne weg, zur Wand.“
Bengbee bewegte sich, langsam, träge und murmelte leise. „Rennen, haha, nimmt mir mal jemand den Rucksack voll Felsbrocken ab? Rennen! Was für ein Blödsinn!“

Einleitung Part 49

Einleitung Part 48

(Liebe LeserInnen,

von allen Blogs, die ich ich über die Woche zum Thema Literatur lese, fühle ich mich von einem besonders bereichert. Was Marcus Johanus macht ist mir zwar unheimlich, weil er mit jedem Beitrag einen Finger in genau jene Wunden legt, die ich selbst bei mir finde, aber gleichzeitig habe ich das Gefühl ein hilfreicher Lektor sitzt neben mir und begleitet mich beim Schreiben. Das ist alles in allem faszinierend, angenehm und lobenswert. 

Ich vernetze mich hier nicht, ich werde auch eher selten auf Links hinweisen, und ich will auch außerhalb dieses Blogs eher weniger in Erscheinung treten, aber hin und wieder, ganz selten, kann es sein, dass ich einen Link, den ich als wertvoll und hilfreich betrachte, streue.

Und das, was Marcus da macht, das hat Qualitäten, die ich mir von so manchem Kurs erhoffe. Damit gibt er etwas weiter, für das ich geneigt wäre auch Zeit und Geld zu zahlen. Damit bin ich zum Dank verpflichtet, und das Einzige was ich nun tun kann, das ist, hier den Link zu ihm weitergeben und euch ans Herz legen. Der Mann ist gut. Lest. Sein Blog findet sich hier: http://marcusjohanus.wordpress.com 

Und auch, wenn ich mich in vielen Punkten konträr zu seinen Ratschlägen verhalte, und ihr hier nun 203 Seiten runterladen könnt, in denen ihr einen Berg findet, der da heißt „seht-her-genauso-macht-man-es-nicht“, ist es dennoch so, dass mir spätestens bei der Überarbeitung jeder Ratschlag von ihm im Nacken sitzt und mich piesackt, bis ich alles wohlgeformt und zur Hälfte weggeschmissen habe. 

So gesehen ist das PDF als ein rohes Stück Holz zu betrachten, und mit Werkzeug, wie jenes, das mir Marcus reicht, könnte es etwas werden, dass man sich dann irgendwann gerne ins Regal stellt.

Das Stück Holz zum Runterladen findet sich hier: Ach,Bankea! Version 1.28 (203 Seiten)

Einen schönen Samstag euch allen. Im Knoten. Und daheim.

Jan Tälling)

 

Beiboot RK5.01 von der Mission. Irgendwo im Knoten.

Das hatte weder etwas mit Fliegen, noch mit Fahren zu tun. Das war Fallen. Aber im Nichts, im Schwarz, im All, zwischen all den Drohnen ist Fallen eine sehr relative Sache. So lange es keine Anziehungskraft gab, war Fallen maximal Treiben. Und so trieben Tschilbee, Bengbee, Mulbee und Filbee irgendwie – sie verstanden ja selbst nicht wie – durch das Treiben im Knoten. Die Drohnen umschwirrten sie bereits wie Leuchtfische und schienen sehr aufgeregt, flatterten am Fenster herum, wechselten die Farben, bildeten Formation, und umsausten ihr Äußeres. Es war ein wildes, gar nicht mal unangenehmes Farbspektakel, für das sie sich gerade die Nase platt drückten und  erinnerte sie das alles sehr, sehr arg an die Feuerwerke ihrer Welt.

Fulbee kam sich vor wie in einem Traum voller Wunder.

Bengbee fühlte sich gar nicht wohl.

Mulbee begann seine Gedanken zu sortieren.

Tschilbee suchte in den Gesichtern seiner Kameraden so etwas wie greifbare Intelligenz, aber sie schauten doch sehr dümmlich aus und tauchten dabei immer tiefer in den Knoten.

Der Verkehr nahm offensichtlich zu, und ganze Städte, mit Leuchtreklamen, unendlich vielen Fenstern, tanzenden Wesen dahinter, Röhrengänge und ähnliches trieben lautlos und scheinbar selbstvergessen an ihnen vorbei.

Bengbee fand die Schwerkraft in dem Boot absolut ekelhaft. Sie war wohl nicht einzustellen und verhinderte ein ordentliches Stehen und Gehen. Er kraulte wie ein dilettantischer Taucher an den Instrumenten und Armaturen vorbei.

„Wir könnten in so etwas rein krachen.“ meinte er mit einer Drehung, die er unfreiwillig machte, zu Fulbee.

Der schüttelte den Kopf und wurde dabei sofort leichenblass, als es ihn dabei vom Fenster wegtrieb. Mühsam versuchte er wieder zurück zu kommen.

„Glaube nicht. Die haben bestimmt. Schilde, Magnetismus,Traktorenstrahlen, Telekinese und alles, was man so braucht…“

„Telekinese?“

„Naja, um sich abzustoßen. Ich glaube nicht, dass wir in etwas rein krachen.“

„Hm.“ Bengbee war alles andere als überzeugt, legte sich auf den Rücken, aber war sie nicht mal sicher, ob das jetzt unten oder oben war. Nur weil er die Decke des Schiffes sah, musste das ja nicht oben sein. Ihm war so schlecht.

Mulbee betrachtete mit einem trockenen Mund die Knöpfe vor ihm, die Touchfelder, die kleinen Kurbeln, deren Bedeutung er nicht verstand, die alten Schieberegler, die so fehl am Platze wirkte und versuchte eine Struktur und Logik zu erkennen. Er war sichtlich überfordert. Seine Stimme klang so wie Schmirgelpapier aussieht. Von der Wüste gepökelt und vom Wind verblassen. Er war schrecklich rauh und leise: „Wenn die uns also alle abstossen, dann kommen wir auch nicht zu denen rein. Das heißt, wir sind hier gefangen?“

„Ach was, ach was. Wie ich sagte, ich denke, die haben Traktorenstrahlen und sowas.“

„Haben sie? Und wie wollen wir Kontakt zu ihnen aufnehmen, damit sie diese“ Er machte Anführungszeichen in der Luft „Traktorenstrahlen“ Endzeichen „einsetzen?“

„Funkgerät, Sprechgerät, Kommunikator?“

„Ist mir egal, wie du das nennst. Wo ist das hier?“

Fulbee schwebte zu ihm. Zischend gab er ein „Das kann ja nicht so schwer sein.“ von sich, und glitt neben Mulbee, dessen Verzweiflung sich bereits in einer ganzen Menge glänzender Schweißperlen auf seiner Stirn und unter seiner Nase äußerten.

Bengbee kämpfte derweil in einer Position, die sich anfühlte wie auf einer durchlässigen Wolke, mit dem Würgereiz und der Ahnung, dass Dr.Obenko bestimmt schon der Geifer aus dem Maul fiel. Er liess den Arm hängen, der dann irgendwie selbstbestimmt ein eigentümliche Position einnahm. Er schloss die Augen, und spürte wie der Druck zunahm, die Speiseröhre sich füllte, der Geschmack im Rachen eklig und beengend wurde und riss die Augen wieder auf. Er stöhnte leise.

Fulbee wirkte mäßig interessiert.

„Das schon ausprobiert?“

„Nein.“

„Oder dieses?“

„Nein.“

„Das vielleicht?“

„Nein.“

„Das sieht doch nicht schlecht aus.“

„Nein, nein, nein, ich habe noch gar nichts davon ausprobiert. Und ich werde den Teufel tun. Vielleicht sprengen wir damit die Frontscheibe raus. Erhöhen unsere Geschwindigkeit auf das Tausendfache. Verstrahlen die Umgebung. Oder ziehen mit einem eigenen Traktorstrahl unsere Umgebung an.“

„Naja, da wird es bestimmt eine zweite Abfrage geben.“

„Die ich dann wie erkenne? Fulbee, so geht das nicht. Ich kann nicht einfach einen Knopf drücken. Wenn sich die Schwerkraft erhöht, dann kleben wir am Boden. Wenn ich irgendwelche Schilde einschalte, dann kommt niemand an uns ran. Wenn ich die Ladeklappen, Schleusen oder Bodentanks öffne, dann war es vielleicht meine letzte Handlung. Du bist ja wohl komplett bescheuert.“

„Und was war das vorhin mit dem Strahler in der Flughalle?“

„Das wahrscheinlich Dümmste, was wir tun konnten. Steigerungen sind aber möglich!“

Bengbee meldet sich zaghaft: „Schwerkraft wäre aber nicht schlecht.“

Es dauerte eine ganze Weile, in der das Treiben im Knoten sich in der Langweile der Wiederholungen verlief, und sie hatten alle mehr oder weniger bequeme Positionen eingenommen. Sie wusste nicht recht worauf, aber sie warteten. Sie waren sich  einig, dass es nicht sein konnte, dass sie ewig unbeachtet in einem solchen Verkehr herum irren würde. Irgendwas musste ja mal passieren.

Und tatsächlich, plötzlich sprang etwas an, das rot leuchtete. Alles in eine gefährliche Aura verwandelte, dann flackerte und es erst einmal bei diesem Flackern beliess. Es leuchtet aufgeregt den unteren Rand des Fensters aus und warf einen Lichtschatten auf die Armaturen und Touchflächen, die wohl für den versierten Piloten des Schiffes bestimmt waren.

„Geht uns der Treibstoff aus?“ fragte Bengbee.

„Vielleicht ein Countdown.“ antwortet Fulbee

„Ja, das ist besser.“ ächzte Bengbee und drehte den Kopf von seinen Mitmusikern weg.

Dann erklang  eine Stimme aus dem Nichts. Und sie fühlten sie an ihren Ohren, direkt neben sich, obwohl sie keine Lautsprecher finden konnten, und die Quelle wohl neben ihnen schwebte. Es war faszinierend, erschreckend, und eine ausgesprochen wohlbekannte Stimme.

„Hier Dr.Obenko! Das haben sie gut gemacht! Ganz toll! Ich sollte sie von Morkans Leuten zu Staub zerkrümeln lassen. Meine Flughalle sieht aus wie Schrotthaufen, und nicht mal mein Traktorstrahl geht…“

„Ich wusste, es gibt Traktorstrahlen.“flüsterte Fulbee Mulbee zu.

„Seien sie ruhig, Fulbee, der funktioniert nicht mehr. Sie sind auf sich selbst gestellt. Meinetwegen könnten sie da draußen zu einem Denkmal ihrer selbst werden.“

Aber ich habe Morkans Leute gebeten, sie aufzunehmen.“

Eine zweite Stimme schaltete sich ein: „Aber wir wollen sie nicht, Dr.Obenko. Wir haben hier ein Quarantäne-Problem. Wir werden sie nicht an Bord nehmen.“

„Seien sie bitte nicht so stur. Ich möchte nur, das sie dass sie mein Boot kurz aufnehmen. Lassen sie sie nicht raus. Die würden sowieso nichts verstehen. Das sind Randzonenflüchtlinge im Kulturschock. Wir wollen das nicht noch zu einem Thema machen. Behalten sie sie einfach im Schiff.“

„Doktor, wir können sie auch abschiessen, dann haben wir beide keine Problem mehr.“

„Nein, ich habe nur zwei Beiboote. Und eines hängt gerade in einer offnen Flughalle am seidenen Faden. Ich kann den Schaden nicht abschätzen. Mein Traktorstrahl ist hinüber, nichts geht mehr. Ich kann beim besten Willen nicht noch ein Boot verlieren. Wie stellen sie sich das vor?“

„Gut, wir holen sie rein. Jeder Schaden, der uns dadurch entsteht, trägt die Mission. Das ist ihnen klar, oder? Wir lassen sie nicht raus. Uns ist es egal, ob ihnen die Luft, die Nahrung oder das Abwasser ausgeht. Wir nehmen keinen Abfall ab, nichts kommt in unseren Verwerter, und wenn die Typen nicht binnen zwei Ruhephasen wieder bei ihnen auf dem Schiff sind, dann schmeissen wir den Schrotthaufen raus und benutzen ihn zur Schießübung. Auch klar, oder? Wir sind nicht die Mission hier.“

„Ich danke ihnen.“

„Mal im Ernst, Dr. Obenko, wie ihr Dank auszusehen hat, darüber reden wir noch. Wir schalten uns raus.“

„Fulbee?“

„Doktor?“

„Mir ist vollkommen unklar, warum ich so einen Umstand für eine Rasse mache, die wahrscheinlich sowieso mit Ihnen ihr Ende gefunden hat, aber sie haben es gehört. Sie werden vom Palast aufgenommen. Verhalten sie sich ruhig. Bleiben sie im Boot. Machen sie keine Anstalten zu irgendwas. Ich hoffe nur, wir können noch irgendwas mit ihrem Genmaterial anfangen. Denken sie daran, dass es nur noch darum geht. Egal, wie das nun im Palast ausgeht. Das wir von ihnen letztendlich benötigen, dass passt in ein Reagenzglas, Mann. Vorbei. Ich bin raus.!“

Das Licht ging aus. Es trat eine Ruhe ein. Das Schiff erzitterte, als wäre es gerammt worden,und Bengbee murmelte leise:

„Sterben.Nur noch sterben.“

Einleitung Part 48

Einleitung Part 47 (Author’s cut)

(Liebe LeserInnen,

gestern hatte ich es nur geschafft, die Richtung zu definieren, in die Teil 47 deuten sollte, daher gibt es heute die verbesserte Version, mit einigen mehr Details. Es wird sicherlich nicht die endgültige Fassung sein, denn die findet sich irgendwann dann im PDF, wenn ich mal dazu komme, alles nochmal zu lesen. Und das  „nochmal lesen, nochmal bearbeiten und nochmal korrigieren“ ist definitiv das, was ich demnächst machen muss. Einige Seiten brauchen dringend eine Aufhübschung, andere mehr Details und vieles, was ich schnell auf dem Smartphone schrieb, hält irgendwann nicht mehr meinem eigenen Anspruch stand.

Das ist sowieso eine interessante Sache: Je weiter ich vorankomme, je höher die Seitenzahl, je größer der Umfang der Ereignisse, um so mehr wächst der Zweifel an der Geschichte selbst. Das ist also der Teil, der nun ein Experiment mit mir selbst wird.  Ich werde euch davon berichten, versprochen.

Das neue PDF mit allen Teilen findet sich hier (198 Seiten): Ach, Bankea! Version 1.27

Ich wünsche euch ein fantastisches Wochenende. Geniesst die Sonne. Geht raus. Bewegt euch. Morgen mehr.

Jan Tälling)

 

 

Das Schiff der Mission.

Der Schlag brachte das komplette Schiff zum Schwanken, und für einige Momente ging es in eine Schräglage, die gar nicht so richtig spürbar war, allein der Magen machte komische Dinge, an die sich jeder hinterher noch erinnerte.

Tatsächlich schlossen sich einige Türen blitzartig, knallten zu und liessen sich nicht bewegen. An anderen sprang das Alarmlicht an, blitzte auf, vollführte wilde Farbentänze, und Stimmen wiederholten monoton ihre Anweisungen. Es war nichts mehr erlaubt. Die Gänge sollten sich leeren, jeder sollte in seine Kabine. Die Wachhabenden auf die Brücke. Die Türen sollten geschlossen sein. Die Löschanlagen stellten sich auf Bereitschaft. Auf dem Boden sprangen die Wegweiser an, dirigierten, berichtigten und leiteten die Ströme um.

Und tatsächlich, alle sprangen, rannten, wie wild durcheinander. Die gasgefüllten Wesen sprangen in Zeitlupe wie große Seifenblasen die Treppen hinunter, die runden Fellkörper kugelten sich über den Flur, während die mit der Schleimhaut – sehr zum Ärgernis aller Nachfolgenden – um die Kurven schlitterten. Immer auf ihren eigenen Gleitflächen.

Es war ein wahrer Aufruhr, ein wildes Durcheinander, man mochte es Chaos nennen. Die Käfer wirbelten darüber, darunter, wurden hochgeschmissen, nicht beachtete, zur Seite gedrückt, zertrampelt und nicht weiter beachtet.

In der Flughalle trieben sie schwerelos und erstarrt durch das offene  Loch. Wie die Teilnehmer eines improvisierten Ballettes, kreisten sie für Momente umeinander und sahen sich dabei mit eisigen Facettenaugen an, in denen sich noch nicht mal der Schreck abgezeichnet hatte.

Dr.Obenko fixierte den Monitor, schloss die Augen, senkte den Kopf, hob ihn wieder, sah wieder hin  und konnte es nicht fassen.

„Was ist das für eine Sauerei? Wo ist das Beiboot? Wo ist das Beiboot? Hey!“

Er drehte den Kopf, alle auf der Brücke wandten sich ab, suchten Unterlagen, blätterten durch die Seiten und gaben sich verstohlen Zeichen.

Sie waren ein bunt durcheinander gewürfelter Haufen. Die meisten kamen Freiwillig. Es war die Mission, es war eine soziale Aufgabe. Den Frieden bringen, die Obdachlosigkeit bekämpfen, die Integration ermöglichen, den Wesen aller Planeten Freund sein, ihnen Schutz und Essen bieten. Das war die Mission. Das war ihre Mission.

„Hat das keiner gesehen? Was ist hier los?“ Dr. Obenko hieb mit der Faust auf die Armaturenfläche vor ihm. Er war wütend, er war verwirrt. Er dachte, er habe einen Fehler gemacht. Er dachte, er habe jeden nur möglichen Fehler gemacht. Das komplette Unternehmen in irgendeinen Sand gesetzt.  Und alles um ihn herum spielte sich in der Zeitlupe einer Schrecksekunde ab. Er spürte sein pulsendes Blut, seine Tränen, die sich rausdrängten, obwohl er sie zu vermeiden suchte.

Staub flog an seinem Auge vorbei. Setzte sich auf die Fenster. Und er starrte hinaus. Er starrte hinaus, und schüttelte wieder den Kopf.

Deutete hinaus.

Und wollte etwas sagen, schloss den Mund aber wieder.

Um kurz darauf wieder los zu legen.

„Gibt es Aufnahmen? Habt ihr irgend etwas? Wer war das? Wer, verdammt noch mal, war das?“

Hinter ihm sammelten sich die Techniker, Lotsen, Wachhabenden, Kistenschieber und Reinigungskräfte. Alle sahen mit ihm hinaus. Betrachteten die leere Halle,  die treibenden Güter, die noch an Ketten und Schläuchen hingen, sowie das Loch. Dieses Loch, das aussah, als hätte sich ein Bügeleisen durch eine Eisfläche gearbeitete. Dazwischen hingen Käfer und Käferteile an Verstrebungen, gebrochenen Rohren und an dem verbliebenen Beiboot.

„Das kann doch alles nicht wahr sein…“

„Dr. Obenko, ich …“ Ein der muskulösen Männer in Uniform, mit  gebogenen Hörner wie sie die wildesten Tiere tragen, bewegte sich nach vorne. Seine Masse war beeindruckend. Sein Maul stand vor, groß, schwer, wulstig, mit wilden, vorstehenden Zähnen, die andauernd, selbst beim Sprechen zu Malen schienen. Er wirkte arbeitsam, kräftig, aber in seinem Verhalten weder sonderlich helle noch extrovertiert. Dr. Obenko kannte ihn und hatte schon deswegen seine Erwartungen nach unten geschraubt.

„..also, ich habe alles gesehen. Ich stand hier. Und, naja, wir hatten nicht damit gerechnet…“ Seine hornige, dicke Hand suchte Halt an einer Armatur, die er zu biegen drohte, und Dr. Obenko zweifelte nicht nur seine Kräfte an, sondern auch seine Nerven und wollte alles abbrechen, aber auch alles wissen, so hörte er widerstrebend zu.

„Und?“

„Und? Nun, es waren, wir verstehen selbst nicht, die mit dem kleinen Kopf. Die silbernen…“

„Die fünf Silberlinge…“

„..es waren vier…“

„Ja, einer ist tot. Also vier. Silberne Haare? Kleiner Kopf? Ziemlich abgerissen.“

„..ich kenne sie, sie fallen ziemlich auf, nicht wahr?“ Der gewaltige Hörnerkopf strahlte beseelt. Sein großes Maul verzog sich zu einem unangemessenen Grinsen.

„Das sind harmlose Musiker…“

„..ich glaube, da drinnen sind jetzt alle tot, Dr. Obenko. Nicht so..also, harmlos.“

Hätte das All nicht schon selbständig aufgeräumt,und alles in sich gesaugt, was in der Flughalle herumstand, es hätte wahrscheinlich wie ein wildes Massaker ausgesehen.

Hier und da klebte noch jene weiße Körperflüssigkeit, die wohl mal einigen der Käfer gehört hatte. Er würde die Hilfe des Knotens brauchen. Dieses Piratenpack. Er war auf ihre Hilfe angewiesen. Die Mission hatte nicht mit so einem Schaden gerechnet. Er hatte niemanden und nichts an Bord, der bei der Reparatur helfen konnte.

Sein zweites Beiboot zerrte an der Verankerung wie ein weggesperrtes Tier. Es war nur eine Frage der Zeit bis er auch dieses verlieren würde. Das war ein Fiasko, von den Kosten mal ganz abgesehen. Flüchtlingsschiffe waren nirgendwo versichert. Eigenes Risiko. Zu den Randzonen zu fliegen war der totale Wahnsinn. Dort könnte alles sein, was man sich nur vorstellen konnte.

Ohne Flughalle verbot sich jeder Kontakt, er könnte keinen Planeten anfliegen. Keine Chance, er musste das Loch stopfen lassen. Er musste im Knoten bleiben, und wenn es die Reise nun aufhielt.

„Verdammt,“ Er blickte sich um. Junge Frauen und Männer aus allen Gegenden, Planeten, Welten, Sternen, Sonnensystemen, Galaxien, die er durchfahren hatte.

Wunderschöne Frauen, fantastische Männer, ohne Zweifel. Aber alle sahen jetzt weg. Schoben Utensilien zur Seite, wischten Staub von den Tischen, sammelten Nussschalen ein und trugen sie zum Verwerter.

„Verdammt,“ wiederholte er. „Schafft mir eine Verbindung zum Palast. Wir müssen sie informieren und brauchen ihre Hilfe.“

Einleitung Part 47 (Author’s cut)

Einleitung Part 47

(Liebe LeserInnen,

zugegeben, jetzt ist es passiert. Jetzt ging gar nichts mehr. Zwei Stunden um die Tastatur schleichen. Tee, Wein, Kerze, Ei, Voice of Germany, Evernote, Moleskine – nichts funktionierte.

Die Notizen lagen vor, was geschrieben werden sollte, war klar, aber nichts ging. Ich gähnte, schlich mich herum, fütterte die Katzen, liess sie raus, wieder rein, wieder raus. Vertrat mir die Beine, legte mich hin. Begann an anderer Stelle, verwarf wieder alles. Liess Burkim und Papenka durch den Wald rennen, wusste aber nicht was ich mit Johsz, Quas, Koerma machen sollte…und löschte es wieder.

Und so weiter. Und so weiter. So ging das mehr oder weniger dann schließlich drei Stunden.

Also kein Wald. Keine Kelloms. Keine Suche auf Bankea. Wieder zurück auf das Schiff der Mission.  Dort spielt sich viel ab. Wahnsinnig viel, aber ich hatte, verflixt, nur noch Dr.Obenko und benötigte plötzlich mehr als 20 Personen, um die Szene aufzubauen.

Sollte ich die nun alle einführen? Die Käfer wieder rauskramen? Selten so bemüht vor dem weißen Blatt gesessen und pure Verzweiflung in meinem eigenen Plan erkannt.

Der Transparenz wegen, mache ich nun Folgendes. Das was übrig blieb, das was mir heute Abend als Rohentwurf diente, fliesst jetzt rein, bleibt für heute drin, und eventuell gibt es morgen eine neue, zweite Einleitung Part 47.

Auch das PDF enthält jetzt erstmal die Notversion, ganz temporär, aber konsequent. Ihr dürft ruhig was von dem Krampf/Kampf mitbekommen. Warum nicht? Also, alle Teile inklusive dem aktuellen Part von 1-47 hier im PDF zum Download: Ach, Bankea! Version 1.26

Ich hoffe, ihr bleibt dabei, ertragt so etwas mit einem Lächeln und gebt mir morgen wieder eine Chance.

Merci bis dahin 🙂

Jan Tälling)

Das Schiff der Mission.

Dr.Obenko fixierte den Monitor, schloss die Augen, senkte den Kopf, hob ihn wieder, sah wieder hin  und konnte es nicht fassen.

„Was ist das für eine Sauerei? Wo ist das Beiboot? Wo ist das Beiboot? Hey!“

Er drehte den Kopf, alle wandten sich ab, suchten Unterlagen, blätterten durch die Seiten und gaben sich verstohlen Zeichen.

„Hat das keiner gesehen? Was ist hier los?“

Staub flog an seinem Auge vorbei. Setzte sich auf die Fenster. Und er starrte hinaus. Er starrte hinaus, und schüttelte wieder den Kopf.

Deutete hinaus.

Und wollte etwas sagen, schloss den Mund aber wieder.

Um kurz darauf wieder los zu legen.

„Gibt es Aufnahmen? Habt ihr irgend etwas? Wer war das? Wer, verdammt noch mal, war das?“

Hinter ihm sammelten sich die Techniker, Lotsen, Wachhabenden, Kistenschieber und Reinigungskräfte. Alle sahen mit ihm hinaus. Betrachteten die leere Halle,  die treibenden Güter, die noch an Ketten und Schläuchen hingen, sowie das Loch. Dieses Loch, das aussah, als hätte sich ein Bügeleisen durch eine Eisfläche gearbeitete. Dazwischen hingen Käfer und Käferteile an Verstrebungen, gebrochenen Rohren und an dem verbliebenen Beiboot.

„Das kann doch alles nicht wahr sein…“

„Dr. Obenko, ich …“ Ein der muskulösen Männer in Uniform, mit Hörner wie sie die wildesten Tiere tragen, bewegte sich nach vorne.

Einleitung Part 47

Einleitung (Part 46)

(Liebe LeserInnen,

heute mit wenigen Worten, nur ein kurzer Verweis auf das downloadbare PDF (196 Seiten)

AchBankeaVersion125

Morgen möglicherweise wieder mehr. Eventuell. Unter Umständen.

Viel Spaß.

Jan Tälling)

 

Morkans Palast

Das Med-Team liess Benkal vorbei, schaute ihm nach, beobachtete ihn, verfolgte seinen Gang, aber liess ihn gewähren. Sie lungerten im Vorraum herum, als würden sie auf etwas warten. Ein wenig lauernd, ein wenig gelangweilt, ein wenig auf der Suche nach Abwechslung. Ihre Schutzanzüge hingen an der Wand, aber ihre Uniform hatten sie anbehalten. Einer der Schutzanzüge lag im Abfalleimer, sorgfältig verpackt in einer durchsichtigen Kunstoffhülle. Benkal hatte einen kurzen Blick darauf geworfen, dann in die Runde geblickt, aber nur ein Achselzucken bekommen. Er hatte nichts anderes erwartet. Die Konkurrenz des Med-Teams zur Palastwache war legendär. Die gegenseitige Abneigung der Stoff für viele Geschichten, und das sich daran etwas ändern sollte – in diesem oder dem nächsten Leben – dass glaubte so wirklich keiner mehr. Der Schutzanzug war blutverschmiert, und genau an den betroffenen Stellen zerschnitten.

„Ihr glaubt nicht, dass man so etwas verbrennen müsste?“

„Nein, der Kunstoff reicht. Kommt sowieso alles in den Verwerter. Dort wird das schon geregelt.“

Sie sassen auf der Bank, auf den Stühlen, hatten die Beine von sich gestreckt, die Getränke in der Hand und starrten auf all die Monitore, die sie überall auftauchen liessen. Aussenansichten des Schiffs, Gänge, Türen, Treppenhäuser. Einige blätterten fast unberührt immer weiter.

„Ihr sucht jemanden?“ Benkal sah einen nach dem anderen an, doch erntete nur Kopfschütteln.

„Nein, nicht wirklich! Routine!“

„Nun, gut. Der Leiter – da?“ Er deutete auf ein dunkles Labor.

„Ja.“

„Ich gehe rein, in Ordnung?“

Sie zuckten wieder mit den Schultern, fast gleichzeitig, als wäre es abgesprochen, eingeübt und choreografiert. Sie waren erstaunlich, aber er war froh die Jungs nicht in der Palastwache zu haben.

Er trat ein. Das Labor war zum größten Teil dunkel. Nur aus dem Vorraum fiel das Licht hinein, und in der zweiten Reihe der Tische sah er einen kleinen Monitor, vor dem der Gesuchte stand und hinein starrte. Er wischte mit den Fingern über das Bild, tippte tiefer rein, holte es her und zog den Monitor nach oben, schob den Kopf in den Nacken und betrachtete das Bild an der Labordecke.

„Benkal!“ rief er erstaunt auf, als er ihm gewahr wurde. Der Angesprochene nickte lächelnd mit dem Kopf, hob die Hand und sagte leise „Hallo!“

„Du warst schon einmal da vor einigen Stunden. Ist etwas passiert?“

Ihre Blicke wanderten hin und her, verfingen sich ineinander und Benkal wurde dem müden Ausdruck in dem Gesicht des Mannes gewahr. Die dunklen Schatten, die der Monitor warf, zeichneten dicke Kerben unter die Augen und liessen die Haut, alt, faltig und grobporig erscheinen. Er war wohl bisher noch nicht aus dem Labor hinausgekommen, aber das war eher der Normalfall, und auch wenn die klimatischen Bedingungen in Morkans Palast angepasst und ausgeklügelt waren, so war die Atmosphäre in den Laboren immer noch ein bisschen anders. Und Pilthoe, der Leiter des Labors, stand gebeugt und mit feuchten Spuren in den Augenwinkeln Benkal gegenüber. Es war schwer auszumachen, ob er sich freute oder ärgerte. Seine Miene war ein Wechselspiel, das nicht anhalten wollte und alles bot, was sich Benkal nur vorstellen konnte.

„Ich vermute, ich weiß woher die Seuche kommt. Obwohl es keine ist.“

Pilthoe zuckte nur mit den Mundwinkeln. Er wirkte nicht übermäßig interessiert, schon gar nicht gläubig und im Grunde genommen war jeder Zweifel spürbar, der gerade durch das Labor schwebte.

„Interessiert mich natürlich. Aber wir beide wissen ja auch, dass es keine Seuche ist, oder?“

„Keine Ahnung, was ihr vom Med-Team vorhabt, und wohin das alles führt. Aber wieso ihr das vehement als Seuche definiert, dass muss seine eigenen Gründe haben. Gesetzt den Fall, es ist ein Angriff, dann seid ihr das Thema los. Das ist euch bewusst, oder?“

„Ist es, aber bei uns ist das Thema besser aufgehoben. Ich denke, wir haben hier die bessere Ausrüstung.“

„Lassen wir das. Du weißt, wo es herkommt?“

„Die kleine Scheisse-Roboter, dieses verdammte Androidenpack aus Kot und Ballast? Nicht direkt. Und ich weiss auch nicht, ob es wirklich wichtig ist. Aber du willst es mir erzählen, also schiesse los. Keine Hemmungen. Du bist hier unter Freunden. Und hören tut es sowieso niemand“ Pilthoe grinste. Seine Zähne wirkten wie die blaue Rahmung eines schwarzen Loches. Alles in dem Licht des Monitors, der etwas Braunes zeigte, das sich rhythmisch bewegte.

Benkal deutete darauf.“Ist es das?“

„Ja, und der kleine Mistkerl will fliehen, aber steckt zwischen zwei Platten und hat damit schlechte Karten. So kann es gehen. Die Mechanik ist gut zu erkennen, aber tiefer komme ich gerade nicht.“

„Wo hast du ihn her?“

„Dem zweiten Toten, dem Mann aus der Flughalle.“

„Ein Pilot, ein Mann aus der Flughalle, es ist schon klar, dass das von außen kam?

„Schwieriges Gespräch gerade, nicht wahr?“

„Es war der Vogel, dieser elende Bibliothekar. Er war draußen. Auf irgendeinem dieser Schiffe. Ich habe keine Ahnung, auf welchem, aber er war draußen. Und mit ihm ein Pilot. Und der Mann aus der Flughalle war nur das erste Opfer, aber sie haben uns getroffen, wie mit einer Kanonenkugel. Auch wenn es nicht nach einem Plan aussieht, dann ist es trotzdem einer. Glaube mir das!“

„Shinquasz?“

„Ja, der. Genau der. Hat jetzt nur noch eine Kralle. Weiß Morkan Bescheid?“

„Das ist mein Problem. Ich blicke momentan nicht durch. Ich muss Morkan informieren, weil ich zwei Flüchtige habe, von denen ich nicht weiß, ob sie bluffen oder gerade den kompletten Palast infizieren. Ich weiß noch nicht mal, warum sie das tun sollten. Mir alles ein Rätsel. Deswegen bin ich hier. Machen diese kleinen Kerle eigentlich irre?“

„Wer ist flüchtig?“

„Zirmja D’Onco und Tenx Pi. Ich wusste noch nicht mal, dass es da eine Verbindung gibt. Sie eine Tochter aus gutem Haus und im Rat. Und er ein karrieregeiler Soldat, der sich hochschläft oder es irgendwie anders schafft? Erkläre mir da mal die Verbindung. Das ist doch verrückt.“

„Zirmja ist eine Schülerin Goms.“

„Ja, und Goms pennt mit Morkan. Und jetzt sage mir mal, was ich machen soll? Ich gehe jetzt zu Morkan und sage, hey, die Schülerin deines Geliebten ist ein Seuchenherd und wahrscheinlich müssen wir sie einen Kopf kürzer machen?“

„Gibt es ein Protokoll?“

„Was will ich mit einem Protokoll? Ich habe drei Zimmer weiter einen meiner Männer, den wir gerade komplett durchleuchten. Wenn ich Pech habe, dann vermehren sich gerade die diese Mistdinger in seinem Körper und fressen seine Visage. Und dann kann ich mein komplettes Team auf Verseuchungen untersuchen. Ich wage es nicht, ernsthaft, ich wage es nicht. Es kotzt mich nur noch an. Ich wollte das schön sauber erledigen. Zwei Leichen, dumme Sache. Aber es ist ja bei genauer Betrachtung keine richtige Seuche, sondern nur so kleine fiese Teilchen, die sich bestimmter Wesen bemächtigen. Ich weiß nicht, wie sie wählen, vorgehen oder was das soll, aber es funktioniert. Und nun habe ich zwei prominente Bürger des Hauses Morkans, die ich überall jagen und zur Strecke bringen muss. Mein Leben könnte nicht besser verlaufen. Wenn ich Pech habe, dann sehen wir uns vor der nächsten Ruhephase in deinem Folterkeller.“

„Du musst Morkan davon erzählen.“

„Muss ich? Es ist keine Seuche!“

„Du hast lange genug gesagt, es ist eine Seuche. Mache die Abkehr davon, sage es ist mein Fall, weil es ein Angriff ist und ich spiesse deinen Mann da drinnen auf und entsorge ihn über den Verwerter. Ich habe weder die Zeit, noch die Lust einen Herd zu suchen. Ich säubere.“

„Scheisse, ich gehe zu Morkan.“

„Tue das, aber überlege gut. Ich suche Zirmja, und Tenx.“

„Halte dich raus, es ist nicht dein Ding. Das Med-Team ist dran.“

„Wir werden sehen. Sie ist ein Mitglied des Rates. Wenn das mal kein Fall für die Palastwache ist.“

Benkal grüßte im Vorraum, grinste und eilte durch die Tür. Schon drei Schritte weiter klappte er den Kragen seiner Jacke hoch, schnippte mit den Fingern, und bellte vor sich hin: „Benkal. An die Wachhabenden, die sich gerade irgendwo die Zeit vertreiben. Macht euch auf den Weg. Scannt vorher alle Bänder nach Zirmja D’Onco und Tenx Pi. Ich will wissen wo sie sind, wo sie hingehen, was sie machen, was sie vorhaben, was sie vorhaben könnten, was sie sich erträumen und wohin sich flüchten könnten. Ich will alles. Nur kein Zugriff. Kein Zugriff. Außer das Med-Team taucht irgendwo auf, wo wir es nicht haben wollen. Zugriff auf jeden Fall vor dem Med-Team. Ich will nicht, dass sie dem Med-Team in die Hände fallen. Ich will eine Bestätigung für alles. Ich will konsequent Nachrichten. Ich will nicht, dass das irgendjemand für seine Karriere nutzt. Ich will davon nichts außerhalb der Wache hören. Nichts. Ich will alles so, wie ich es jetzt gesagt habe. Und hört es euch nun noch mal an. Macht das!“

Morkans Palast. Morkans Räume.

Als Pilthoe eintrat, rann Morkan der rote Wein durch die Brusthaare, und Goms stützte unweit von ihm seinen Kopf über eine Tasse Tee. Der Unterschied konnte deutlicher nicht sein. Morkans nackter Oberkörper, zurückgelehnt in einem Sessel, bedeckt von einem Rinnsal aus Schweiss und Wein, und Goms, der an einem Tisch über einer Tasse sinnierte, gekleidet in weiße Tücher, schlank wie ein Bogen, scheinbar ohne Makel, aber stark konzentriert auf die grüne Flüssigkeit starrend, die vor ihm dampfte.

In seiner Rechten hielt Morkan noch das Weinglas. Zwischen zwei Fingern, wie man vielleicht eine Seifenblase hält, wenn man befürchtet, sie könnte platzen. Es konnte nicht das erste Glas sein, denn zu seinen Füßen fanden sich schon Scherben und Stiele und rote Lachen, die davon zeugten.

Pilthoe deutete eine Verbeugung an, erst zu Morkan, dann zu Goms, der desinteressiert die Hand hob und weiterhin in die Tasse starrte. Nur Morkan selbst erwiderte mit einem Nicken die Beugung. Seine Augen wirkten leicht berauscht, und der Geruch den er ausströmte, deutete mehr auf Goms als auf den Wein. Er fuhr sich reibend, und eher instinktiv mit der linken Hand durch die Brusthaare, schaute irritiert auf die Nässe, aber lachte dann Pilthoe wieder an.

„Alter Quacksalber, was führt dich aus den Laboren zu mir? Zu langweilig? Brauchst du neue Männer? Ich habe keine mehr für dich, das weißt du, oder?“

Pilthoe schüttelte den Kopf. „Das ist mir bekannt, aber darum geht es auch gar nicht. Es ist etwas anderes.“

Morkan zog die Augenbrauen hoch. „Dir ist klar, dass mir die Scherze im Hals steckenbleiben, wenn mein medizinischer Leiter meint ernst sein zu müssen, oder?“

„Morkan, ich weiß. Das ist mir klar. Es gibt aber wirklich Probleme. Wir haben etwas Übertragbares an Bord.“

Morkan schüttelte den Kopf, sah ihn wieder an und wartete auf ein weiteres Wort. Pilthoe sagte jedoch nichts.

„Pillendreher, von was redest du? Fällt meinen Leuten der Schwanz ab oder was? Sage etwas.“

„Wir haben zwei Tote, vielleicht eine Seuche, und ein flüchtiges Ratsmitglied. Sowie einen Offizier.“

„Von wem redest du?“

„Es gab Kontakt zu einem der Flüchtlingsschiffe. Wir wissen nicht, zu welchem. Wir wissen nicht von wem. Wir ahnen etwas, aber bevor ich es nicht beweisen kann, rede ich nicht darüber. Ihr müsst mir das verzeihen, Morkan..“

„..muss ich nicht.“

„Doch, ich bitte darum. Ich wäre mir meiner Sache gerne sicher, denn sonst können wir das nicht eindämmen und es geht immer weiter. Ein Pilot und der Leiter der Flughalle sind tot. Sie wurden von etwas getötet, das sich wie ein Virus verbreitet. Allein, wir wissen noch nicht, ob es ein Virus ist.“

„Wozu hast du deine Labore? Du hast darauf bestanden, du wolltest meine besten Männer. Ich habe dir alle gegeben, du hast alles bekommen. Du hast mehr Macht als jeder andere hier. Verdammt, du elender Knochenbrecher, mir ist alles bekannt was du machst, und es ist mir unheimlich. Ich überlege die ganze Zeit, ob ich dich nicht einen Kopf kürzer mache…“

„Das ahne ich. Damit rechne ich. Aber jetzt ist es eine Gefahr, und wir wissen nicht, wie wo das Ziel ist… „

„Es gibt kein Ziel bei einer Seuche…“

„Doch, wenn sie intelligent agiert. Wenn sie sich so verbreitet, wie wir es nicht wissen. Dann gibt es ein Ziel.“

„Und das heißt dann, für mich?“

„Zirmja D’Onco und Tenx Pi verbreiten die Seuche. Vermutlich, denken wir.“

„Moment!“ Goms sprang auf. „Was redest du da, du Laborratte!“

Morkan hob die Hand: „Goms!“

„Nein, was redet der da? Ist der noch bei Sinnen? Was für eine Seuche soll Zirmja verbreiten? Da stimmt doch was nicht. Und es klingt, als ob sie sich bewusst sei, eine Seuche zu verbreiten. Du bist verrückt geworden in der Dunkelheit deiner Labore.“

Pilthoe hob die Hände, er stand vor ihnen, als wollte er aufgeben und er sah, wie sich auf Morkans Oberkörper und an seinem Hals rote Flecken bildeten. Er dachte an seinen Kopf und an den Verlust, den er bedeuten konnte und warf wieder ein:

„Wir gehen davon aus, dass sie nur bedingt mit der Seuche in Berührung kamen. Wir wollten sie verhören, aber sie flohen.“

„Das Med-Team verhört doch niemanden, das weiß Zirmja auch. Ihr seid elende Schlächter…“

Morkan stöhnte:“Goms, bitte!“

Dieser eilte jedoch zu Morkan und fuhr ihn an. „Nicht ohne Grund hast du die Veteranen aus tausend Schlachten in das Med-Team gesteckt. Nur die ganz harten Jungs, hieß es. Die Typen, die schon auf tausend Planeten durch Blut gewatet sind. Die verhören nicht, die wissen ja gar nicht, wie das geht. Zirmja wird ihnen in jedem Nahkampf überlegen sein, aber diese Pack verwendet ausschließlich Distanzwaffen. Verhören, Morkan? Das ist der Hohn. Ich suche sie!“

Er drehte sich um, stieß Pilthoe zur Seite und stürmte durch die Tür. Irgendjemand schrie, irgendjemand fiel, dann war Ruhe.

Pilthoe schaute Morkan erschrocken an.

Morkan jedoch blinzelte nur, und deutete ihm an näher zu kommen. Pilthoe trat vor. Roch den Wein, den Atem, sah in Morkans Augen und hörte leise seine Stimme, und bemerkte, wie sich sein Mund langsam zu seinem Ohr hob.

„Pilthoe, mein Täubchen, finde sie , beide und beseitige sie. Lasse es niemand wissen. Mache es, was immer hier passiert, bringe es zu Ende. Ich liebe Zirmja, wie meine Tochter, aber ihr Name fiel zu oft, und nichts passt zusammen.“

„Tenx?“

„Ist eine Hure, vergesse ihn.“

Morkans Palast. Aufenthaltsraum.

Taschena war eine schöne, junge, feingliedrige Frau. Eines Tages hatten ihre Eltern viel zuviel arrangiert,und sie wußte gar nicht wie ihr geschah, denn sie fand sie viel zu jung, aber alle sprachen davon, dass sie nun verheiratet war.

Es geschah so schnell wie der Mond die Erde küssen konnte. Und Regenbögen erschienen und vergingen. Es war überhaupt nicht schön, es war einfach nur ein Vertrag, eine schmerzhafte Nacht und ein Flug ins Nirgendwo. In einen Palast, den sie nicht kannte, zu einem Herrscher, der nicht der ihre war. Und in eine Welt, die sich um einen Knoten drehte.

Sie wischte, sie putzte, sie machte alles, was man ihr sagte, und sie hoffte auf irgendwas, das sie nicht vergessen wollte. Ihr Mann blieb ihr so fremd, dass ich seinen Namen nicht erwähnen will. Er kam, er ging, er schlief mit ihr, doch sie zeugten keine Kinder.

Er arbeitete bei den Booten, entlud sie, belud sie,  zählte die Waren, die Waffen, die Leute, schrieb alles auf, merkte sich auch was, und kam damit bestens voran. Sie waren beide nicht reich, keiner von ihnen strebte das an. Ein gutes Auskommen, etwas Ruhe, ein paar Vergnügungen, mal etwas trinken, was einen die Nacht erleichterte, mal etwas essen, was einen an die Heimat erinnerte. Sie waren beide nicht anspruchsvoll. Sie wollten beide nur irgendwie leben, und sie selbst hatte Wünsche gehabt, die sie irgendwie erst vor sich hertrug, dann ihm sagte, und schließlich in sich vergrub.

Sie saß gerne im Aufenthaltsraum. Jenem, aus dessen Fenster sie den Verkehr um den Knoten sehen konnte. Und es war, als wenn sie fliegende Städte sah, wenn die großen Passagierschiffe, die Frachter und Vergnügungsdampfer an ihr vorbeifuhren. Wenn sie die tausend Fenster hell erleuchtet sah. Die Wesen dahinter erblickte. Begleitet von den Schmetterlings-Drohnen, die zwischen ihnen schwebten, sich erhoben, sich herabstürzten, an ihnen vorbei flimmerten, in tausend Farben, in gleich vielen Gestalten, von unglaublicher Zahl, leuchtend wie ein eigenes kleines Firmament.

Sie las die Namen der Schiffe, wenn sie sie entziffern konnte. Und formte die Buchstaben, wenn sie ihr fremd waren, an das Glas der Scheibe. Hauchte ihren Atem daran, und versuchte alles abzumalen, was sie erkennen mochte, in groben, klaren Strukturen.

Sie hörte nicht, wer hinter sie trat, wer vorbei ging, wer im Aufenthaltsraum las, wer sprach und wer einfach nur kurz hineinschaute. Sie war ein regelmäßiger Gast, wenn es ihre Zeit zuließ, stellte ihre Putzsachen schon in der Tür ab und ging zum Fenster, setzte sich auf den Stuhl und sass da. Immer wieder. Viel zu lange, viel zu schön, und mit einem Lächeln, das niemanden galt außer ihr selbst.

Sie sah es zuerst an ihren Fingern, als sie das schreiben wollte, was sich vor ihren Augen abspielte. Als sie die gelben, grünen und blauen Buchstaben des Luxusschiffes formen wollte, und ihre Finger durch die kühle Kondenskälte gleiten sollten, da wirkten sie wie kleine, lustige Luftballons, die sich spannten und dehnten, und schon der Ausruf des Erstaunens erstickte in ihrer Kehle, als die Zunge dicker wurde, die Haut zu brennen begann, und sie keine Luft mehr bekam.

Taschena starb viel zu ruhig, so dass es niemanden auffiel, wie sie vom Stuhl plumpste und gekrümmt vor dem Fenster da lag, als würde sie schlafen, ganz friedlich. Wäre da nicht die rote Lache gewesen, die sich um sie bildete.

Bankea. Im Wald.

Es war ihnen nicht möglich auf Bäume zu klettern. Ein Kellom war geradezu verwachsen mit dem Boden. Unheimlich war ihnen, dass es auch Vögel gab, und sehr, sehr viele Wesen, die viel, viel kleiner waren als sie und trotzdem fliegen konnten. Trotzdem wussten sie von allen Dingen, die auf Bankea in diesem Moment geschahen. Sie teilten ihre Gedanken, ihre Augen und ihre Empfindungen. Aber auch ihr Wissen und ihre Vergangenheit. Sie konnten so tief in die Vergangenheit blicken, dass sie schwere Zeiten brauchten, um daraus wieder zurück zu finden.

Sie wussten, dass Papenka, Burkim und die drei Reisenden,  unterwegs zu ihnen waren. Sie wussten auch von uns. Obwohl ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie einem lebenden Kellom begegnet war. Alles, was ich über sie sagen konnte, war, dass sie sehr gut schmeckten und man auf ihren Fellen gut schlafen konnte. Ich war also zufrieden mit ihnen. Und hätte nie gedacht, dass sie mich schon die ganze Zeit beobachteten.

Die Kelloms hetzten trotz ihrer trampeligen Laufkünste geradezu durch den Wald. Sie liefen aufeinander zu, rissen sich mit, und rannten in alle Himmelsrichtungen, außer in die, in der unser Dorf war. Sie wollten weg. Sie wollten weit weg von uns. Natürlich kannten sie Papenka. Die mütterliche Papenka, die weichste und angenehmste Mutter die ich jemals hatte, die den Kelloms die Köpfe einschlug, als wären es Nüsse.

Sie flohen. Die Kelloms flohen so schnell sie konnten. Sie taten es leise, sie rannten im Wasser, um keine Spuren in das Moos zu drücken, keine Halme zu brechen und nichts zurück zu lassen, was irgendwie von ihrer Existenz zeugte.

Sie bemühten sich den Ursprung des Schiffes zu finden, aber das Einzige, was sie wirklich fanden, war eine kollektive Sorge ihre Verborgenheit würde nun verloren gehen. Im Angesicht einer bevorstehenden Eroberung, an die sie glaubten. Mehr als an alles andere. Sie mussten weg. Verzeihe, Soy, vergiss es , Soy, ein andermal, Soy, und jetzt weg. Soy. Sie entschuldigten sich gegenseitig, für ihre Unachtsamkeit, ihre Geschwätzigkeit, ihre Ziellosigkeit, und ihre Ahnungslosigkeit. Mit jedem Schritt glaubten sie sich der Lösung näher. Dem was kommen würde. Und als zum erstmal, das Wort Morkan ein Gesicht bekam, wussten sie auch schon, das Welten gefallen waren, und Kelloms auf den Flüchtlingsschiffen waren.

Alles geriet durcheinander. Alles war anders. Sie flohen. Auf Kellomart.

Soy wusste, wie man allen anderen Bewohnern Bankeas entwischen konnte. Auch wenn sie sechs Arme hatten, auch wenn sie Papenka hiessen, auch wenn sie Kopien waren, aber vor allem wenn sie Kopien waren.

Einleitung (Part 46)