Einleitung (Part 27)

(Liebe LeserInnen, 

die aktuelle Download-Version mit allen Teilen von 1-27 findet sich hier: Ach, Bankea Version 1.06 . Angewachsen auf 106 Seiten, entwickelt es sich mittlerweile zu einer kleinen Weltraum-Oper, von der ich zum Teil selbst überrascht bin, welche Wege sie nimmt.

Und es gibt schon mehr als eine Frage, die noch offen ist und beantwortet werden muss.

Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Spaß damit. Lest es, kritisiert es, gebt es weiter, macht damit, was ihr wollt, und überrascht mich mit Anmerkungen. Danke.

Eine schönes,  erholsames Wochenende sei euch gegönnt.

Jan Tälling)

 

Morkans Palast. Morkans Schlafgemach.
„Gom, du hast auf mich gewartet? “ Morkan umarmte Gom, schob seine Hand in dessen Hemd, fühlte die Brust, kniff in die linke Brustwarze und lachte ein heiseres Lachen an Goms Hals.
„Es war einfach. Es war fast zu einfach. Lass uns trinken. Lass uns die Becher heben. Lass uns saufen, Gom. Lass uns saufen, ficken, saufen, ficken, ach, lass uns das tagelang tun. Ach, Gom..“ Er knabbert an Goms Hals . Biss ihn zärtlich. Leckte sein Ohr und noch sein Haar, während er leise weiter sprach : „Du bist so verdammt gefährlich, Gom …“
„Ich weiß..“
„Nein, das weißt du nicht. Ich fresse dich, Gom, ich werde dich fressen… “
„Ich freue mich darauf.“
„Nein, tue das nicht. Den ich werde dein Hirn auslöffeln wie einen reifen Seeigel und den Rest werfe ich den Vögeln zum Fraß vor. Ich werde dich ficken, Gom, aber zuerst solltest du mir sagen, was Zirmja hier wollte.“
„Zirmja?“
„Sprich mit mir, Gom, sie ist deine Schülerin. Riskiere deinen Kopf für sie, und ich weiß wo du stehst.“ Morkan hielt Goms Kopf in beiden Händen, zog ihn an sich, küsste seinen Mund. Sofort und so lange, saugte und hauchte, bis Gom die Zunge in sich eindringen liess, sein Kopf zurück fiel und er nur noch stöhnte. Morkan liess ab und fuhr knurrend fort.
„Du wirst fallen durch meine Hand. Du wirst sterben und ich selbst werde die Klinge führen. Es wird mir das Herz brechen, und ich werde das deinige rauben und zu meiner Beute legen. Aber es sei dir versichert, egal was immer du denkst: Du wirst sterben, wenn du dich gegen mich stellst! “
Gom versteifte sich, drängte Morten zurück und sah ihn lange an. In seinem Blick ruhte etwas Mitleidiges.
“ Warum du das tun, Morkan? Weil du mir nicht glaubst, das ich auf deiner Seite stehe? Weil andere nicht glauben, dass ich auf deiner Seite stehe? Warum zweifelst du an mir? Und an Zirmja?“
„Ich bin von Verrätern umgeben, Gom. Ich lasse nicht zu, dass sie in mein Schlafzimmer kommen!“
„Du hält Zirmja für eine Verräterin ? Weil sie offen gegen dich agiert hat? Sie ist ein Kind! Sie ist auf deiner Seite! Sie ist nur auf deiner Seite! Sie hat keine andere! Sie liebt dich, Morkan! Mache nicht den Fehler und verstosse die, die dich lieben, nur weil du ihre Liebe nicht verstehst.“
Gom suchte Morkans Augen „Das gilt übrigens auch für mich! “
Morkan wandte sich ab.“ Gom, wir haben es immer so gehalten, dass du bei manchen Dingen außen vor bliebst. Wir sprachen über einige Sachen bisher nicht und wir sollten es auch nicht in Zukunft tun. Deine Verbindung zu Zirmja ist im Rat nicht wohl gelitten, wenn ausgerechnet sie es ist, die mir die Stirn bietet. Aber noch mehr muss ich mich wundern, wird man sich wundern, wenn dann herauskommt, das mein Schlafzimmer ein Hort für meine politischen Gegner wird. Dafür muss ich kein Verständnis zeigen, Gom, dafür wird niemand Verständnis zeigen. “
Obwohl er kaum gestikulierte, bewegte sich Morkan mit großer Schritten. Seine Haltung wirkte kämpferisch, seine Miene jedoch zweifelnd, so als würde er den größten Kampf gerade mit sich selber führen.
Er sprach langsamer, lauernd und überlegt, als müsste er jedes Wort mit Bedacht wählen und bei Gefahr zurück nehmen.
„Dieses Imperium bindet unsere Kraft. Langfristig gibt uns das keine Stärke, sie wird uns stattdessen genommen und macht uns zu Opfer. Wir werden all das verlieren. Ich werde all das verlieren. Andere werden kommen und mir alles streitig machen. “
„Aber nicht Zirmja.“
„Zirmja nährt einen Widerstand. Sie gibt einer möglichen Welle ein Gesicht. Sie formiert sie. Vielleicht unwissentlich. Aber sie äußert etwas, das dem Tumben seinen Boden gibt. “
„Du bist ihre Familie!“
„Das ist ihr vielleicht nicht bewusst. “ schrie Morkan plötzlich. “ vielleicht musst du ihr das bewusst machen. Denn, wenn ich es mache, dann wird es möglicherweise das Letzte sein, dass ihr überhaupt bewusst sein wird. “
Schnaufend verließ Morkan sein Schlafgemach.
Auf dem Schiff der Mission
Ein Weltuntergang ist ein nicht zu unterschätzender Grad der Garstigkeit. Und Jeelbees Leben war im Grunde vorher schon die Hölle. Seit dem Untergang seiner Welt jedoch gab es eigentlich nichts mehr was man lebenswert nennen konnte.
Sein Kopf glich einer wirren Krautschüssel. Innen und außen. Und seine Seele, dieses verwundbare, kleine Ding, war gehäckselt. Und restlos zerstört.
Es gab keine Frauen mehr. Zu mindestens keine, die zu ihnen kompatibel waren. Es wurde Ihnen schonend beigebracht. Aber was daran konnte schonend beigebracht werden?
Und seit er auf diesem seltsamen Schiff war, plagten ihn in den den wenigen Minuten, in denen er Schlaf fand, nicht nur Alpträume, nein,seine Verdauung war vollkommen außer Tritt geraten. Sein Magen wurde riesengroß, zerriss sich fast, blähte sich mehr und mehr auf, und er eilte schließlich durch die Gänge, an den anderen Zellen vorbei, nur um diese Luft in einem stillen Eck loszuwerden. Es war ihm viel daran gelegen, Peinlichkeiten zu vermeiden, doch wo auf diesem Schiff war dieses möglich?
Jeelbee suchte eine angenehme Sprache zu gebrauchen, er vermied Flüche, und war damit vielleicht schon das konkrete Gegenteil von Shinquasz. Jeelbee bewegte sich auf der Bühne ausgesprochen exaltiert, in seinen Liedern himmelte er unbekannte, schöne Frauen an, versprach ihnen, sie auf ihrem Weg zu begleiten, wirkte von unten stark, hilfsbereit, extrovertiert und ausgestattet mit einer großen Schulter, klaren Aussagen und einem Leben, dass er nur der Einen, welcher auch immer, eigentlich jeder widmen wollte. Aber tatsächlich war das natürlich nicht so. Weder waren die Worte alle von ihm, noch konnte er diese Stärke bei einer persönlichen Begegnung aufrechterhalten.
Jeelbee empfand gegenüber dieser Zelle einen ähnlich großen Ekel wie gegenüber seiner eigenen, derzeitigen Körperlichkeit, von der soviel Anpassung verlangt wurde, wie er sie kaum ertragen konnte. Er hatte Hunger, er musste essen. Wenn er jedoch die Nahrung zu sich nahm, die schon mit unangenehmen Farben ausgestattet war, begann in ihm ein chemischer Prozess, der von ihm nicht zu beeinflussen war. Als ob jemand eine Rakete in ein Benzinfass geschmissen hätte. Ich wurde schlecht, sein Magen schmerzte, Schweiß trat aus allen Poren, bis seine Hemden und seine Jacken Flecken bekamen und dann wäre er am liebsten irgendwo versunken. Jeelbee ging es richtig schlecht. Manchmal. Und das war jetzt der Fall, als sie ihm diesen Frass eingeflösst hatten. Weil er allen schmeckte. Weil er der einzige war, der damit Probleme hatte. Und sich nicht meldete.
Sie hatten ihn ja gerettet, was sollte er ihnen sagen? Merci und Dankeschön für die Rettung, ganz toll die Geschichte mit dem Leben-lassen, aber euer Essen ist ja so was von widerlich.
Er wischte sich den Schweiß vom Gesicht. Seine Hände waren nass als hätte er sie in ein Bachbett getunkt. Jedes mal, wenn er sich durch die Haare fuhr, kam er mit dunklen Fingern und Spuren verbrannter Haare zurück. Teilweise waren es auch Hautfetzen. Keine wirklichen Verbrennungen. Eher so, wie nach einem zu langen Sonnenbad, wenn die Strahlen der Sonnen intensiv die Haut malträtiert hatten, und das was ehemals weiß war rot färbten. Er hatte noch keinen Spiegel gesehen, und die Stellen, an denen man in diesem Schiff Spiegel vermutet hätte, sahen aus, als hätte ein verblendeter Drogensüchtiger, die Ergebnisse einer Anti-Gewalt-Therapie gefeiert. Es gab keine Spiegel, die für Flüchtlinge erreichbar waren. Dahinter mochte sich ein tieferer Sinn verborgen haben. Jeelbee konnte ihn nicht ergründen. Er kam sich vor, als sei er in einen Sumpf geraten und müsste unwissend und abhängig sich dem Sog nach unten hingeben. Um sich wenigstens irgendetwas hinzu geben.
Wenn Jeelbee sang, dann flogen ihm die Herzen zu. Mulbee meinte, er hätte so etwas wie ein Aura. Das Ding, das Mulbee ganz, ganz schrecklich bei sich vermisste.
Wenn Jeelbee in die Toilettenräume trat, dann waren sie immer bevölkert von Käferähnlichen Wesen, die ihn gierig ansahen, mit ihren Fühlern raschelten, und schnarzende Geräusche machten. Sie gingen Jeelbee locker bis zum Knie, und trieben sich unter dem Waschbecken, neben dem Toilettensitz und auch beim Verwerter rum. Sie machten einen verschlagenen, räuberischen Eindruck, und waren wohl mit allen Wassern gewaschen. Seinen Gang beobachten sie ganz genau, sein Peinlichkeiten hatten sie bestimmt mit ihren Facettenaugen schon tausendmal erblickt, und garantiert wussten sie von seinem Magen, sicherlich ahnten sie etwas von der Panik, die ihn immer beschlich, wenn er sie erblickt. Sie waren garantiert sehr versiert darin, sein Leiden einzustufen, so viel Zeit wie sie in den Toilettenräume verbrachten. Ihr unbeteiligtes Verhalten, wenn er über sie drüber stieg, machte sie x-mal verdächtiger, als wenn sie ihm direkt das Messer an den Hals gehalten hätten. Er wusste nicht, auf was sie scharf waren. Vielleicht hofften sie, dass seine zerlumpte Gestalt in der Toilette verstarb, damit sie seine Leiche schänden konnten.
Sie aber senkten nur ihre kleinen Chitinköpfe, tuschelten wild vor sich hin, spähten zu ihm und schienen zu grinsen, obwohl man das bei ihnen genauso wenig sagen konnte wie bei Obenko. Der aber wirkte schon wegen seinem Fell zutraulicher und zugänglicher. Die kleinen Burschen hier bildeten einen abwehrenden Kreis, verhandelten mit einander, gestikulierten wie wild, schnarrten dann wütend miteinander, stiessen spuckende Zischlaute an, und wurden hin und wieder auch gegen Kameraden der eigenen Rasse handgreiflich. Mit ihren dünnen Chitinärmchen schmissen sie sich gegenseitig auf den Rücken, damit sie ganz furchtbar zappelten und nicht aufstehen konnten. Kurz – das Treiben war ihm mehr als unheimlich. Aber viel mehr ärgerte ihn, dass sie den Zustand, den er so gerne verheimlicht hätte, sehr wohl registrierten. Wahrscheinlich wussten sie ganz genau wie oft er am Tag auf die Toilette ging, wie laut seine Darmgeräusche war, und wie viele Liter er so durchschnittlich ausschwitzte.
Dieses Schiff brachte ihn an den Rand seiner eigenen Person. Dieses Schiff fraß ihn mit einem Genuss auf, der ihm Angst und Bange machte. Er ahnte nicht einmal, was noch von ihm übrig bleiben würde. Die Käfer bildeten eine Gasse, verbeugten sich übertriebener Höflichkeit und er spürte ihre Gier körperlich, als er zur Toilette schritt.

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Einleitung (Part 27)

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