Einleitung (Part 28)

(Liebe Leserinnen,

3.Oktober, Feiertag, Tag der deutschen Einheit. Im Grunde also mal wieder etwas mehr Zeit (Ich hoffe, das geht uns allen so), und da bleibt die Überlegung, ob ich das Pensum erhöhen kann, erhöhen will und heute etwas mehr schreiben werde.

Um einen Vergleich zu haben, hatte ich mich in der letzten Zeit mal dafür interessiert, wie viele geschriebene Wörter in welchem Zeitraum in etwa der Norm eines erfolgreichen Arbeitstages an einem Roman entsprechen. Der durchschnittliche Autor schreibt, soweit ich mich im Netz schlau gemacht habe – und ich nenne hier nur mal Nicholas Sparks als eine der Quellen – wohl ca. 2000 Wörter am Tag. Das ergibt ein Volumen von 5-6 Seiten. Mehr sind es sicherlich nicht. Es gibt ausgesprochen produktive Autoren, die es auf 10.000 Wörter bringen, aber das ist eher die Seltenheit. Diese 10.000 Wörter sind allerdings in der Regel gut vorbereitet. Das heißt eine Notiz liegt vor, es ist sauber geplottet, die Konflikte sind ausgearbeitet und der Autor weiß in welche Richtung es geht, kann also ungestüm darauf los schreiben. Diese beeindruckende Zahl von 10.000 Wörter sagt natürlich wenig über das Lektorat und dessen Arbeit aus.

Für mich selbst gibt es derzeit noch keinen Wert, nach dem ich mich richten kann. An normalen Wochentage, die ich mit ganz normalen Broterwerb zubringe, wenn mir also nur einige Stunden zum Schreiben bleiben, die ich von den anderen Themen abziehen muss, bin ich froh, wenn ich auf  500-600 Wörter komme. Also eine DIN 4 Seite zustande bringe. Manchmal wird es auch weniger.

An einem freien Tag, an dem ich auch die Muse habe, einen Gedanken länger zu verfolgen, können es durchaus 2500 Wörter sein, hin und wieder auch mehr, aber ich komme wahrscheinlich nicht über die 5000, denn dazu fehlt mir zur Zeit die Geduld und Muse. Diese Anzahl von 2000 und mehr Wörter wird allerdings nur dadurch erreicht, dass ich unterwegs mit dem Samsung Galaxy Notes 3 schreibe. 

Die Unterschiede im Stil sind jedoch auffallend. Ich vermute, man kann auch im Nachhinein feststellen, welcher Part auf dem Smartphone und welcher auf dem iMac geschrieben wurde. Bei beide Geräten spielt mir die Rechtschreibkorrektur ärgerliche Streiche. Beim Samsung eher exzessiv, beim iMac mittlerweile zurückhaltend. Daher ist der Part, der auf dem Samsung geschrieben wurde, fehlerbehafteter. Aber selbst wenn ich diese Problematik mal ausräumen kann, sind die Szenen auf dem Samsung ungleich komprimierter, kleiner, schmaler und werden mit kürzeren Sätzen ausgestattet. Bei sehr actionlastigen Szenen macht das Sinn, in anderen Momenten leidet nach meiner Meinung die Wortschmiedkunst etwas darunter. Oder anders ausgedrückt: Würde ich ein monatliches Periodikum mit einem Science Fiction Helden schreiben, dass dann am Kiosk in Heftchenform vertrieben wird, dann wäre das Samsung das Instrument meiner Wahl. Eigentlich mein erstes und wichtigstes Instrument. 

Aber den Part, den ich z.b. heute einstelle, hätte ich mit dem Samsung so nicht schreiben können. Von daher macht es wahrscheinlich die Mischung. 

In den nächsten drei Tagen werde ich vielleicht noch mal einige Stellen überarbeiten und damit die PDF-Version erweitern. Ich sage dann aber Bescheid. Bis dahin – alle Teile als PDF gibt es hier (Part 1- 28): Ach, Bankea! Version 1.07 (110 Seiten stark) . Bitte downloaden, kritisieren, weitergeben, usw. Vielen Dank.

Euch eine schönes Wochenende.

Jan Tälling)

Es war ein Martyrium, ein Leidensgang, eine Situation, die weder zum Ort, noch zu seinem Zustand passte.
Er hatte sich schon erkundigt, ob irgendjemand etwas über den Untergang des Käferplaneten bekannt war, aber da die Völker, die in dem Schiff untergebracht waren, weder technologisch noch vom Verständnis bereit waren, in Kommunikation mit anderen Wesen zu treten, blieb die Frage ungeklärt. Und ebenso wie bei vielen anderen ihre Anwesenheit ein Rätsel darstellte, aber leichter akzeptierbar war, weil gemeinsame Komponenten wie der aufrechte Gang, eine Art ähnliche Haut und die gemeinsamen Nenner wie zwei Augen, ein Mund und ein Nase vorhanden waren, so blieb bei den Käfern vieles sonst noch im Dunkeln. Doch sie schienen damit zu leben. Sie schienen es zu geniessen, und sie hatten sich wohl genau diesen Lebens-Bereich ausgesucht, der ihrer Welt am ähnlichsten war.
Jeelbee drehte sich um, sah mehrere hundert Facettenaugen mit unverhohlener Neugier auf sich gerichtet und schlug die Toilettentür zu.
Wer sich mit den Reisen im All beschäftigt, und auch dabei das Thema „Begegnung mit fremder Völker“ betrachtet, der beginnt die gemeinsamen Probleme an den Schnittstellen zu verstehen. Knotenbewohner waren vieles gewohnt, Planeten von den Randzonen gar nichts. Die unterschiedliche Erfahrung trennt, aber konfrontiert auch den Einzelnen mit Technologien für die das Verständnis erst wachsen muss. Was ich hier kompliziert einleite, das führt zu einer kleinen Betrachtung der Toiletten.
Es war das Erste, was Shinquasz freudig zur Kenntnis nahm, als er das Schiff betrat: Die Schwerkraft war ungleich niedriger als in Morkans Palast. Der Umgang und die Empfindung gegenüber Schwerkraft ist von Planet zu Planet ja different. Das All selbst hat die Schwerkraft quasi aufgehoben, und einige Wurzel-Philosophen, die immer dahin zurück wollen, also zur Wurzel, sind der Ansicht, dass die „künstliche Schwerkraft“, wie sie in jedem kleineren und größeren Schiff eingebaut ist, eine unnötige, belastende Erfindung ist. Sie begründen das damit, dass es immer Benachteiligte geben wird, wenn man an großen Kommunikationsplätzen, wo viele verschiedene Völker und Wesen aufeinandertreffen, eine künstliche Schwerkraft einsetzt und damit also zu den rassistischen Erfindungen gehört. Die Befürworter der künstlichen Schwerkraft dagegen sehen das relativ pragmatisch und pochen auf so etwas wie Hausrecht, und optimierter Nutzung und ähnlichem. Die Liberalen versuchen einen Konsens und gemeinsamen Nenner zu finden. Und das wiederum ist der schwierigste Part, aber war auf dem Schiff der Mission genau so der Fall.
Der gemeinsame Nenner ist der Mittelwert aus der schlimmsten und leichtesten Schwerkraft. Wenn man so will. Die einen brauchen es heftig, mit viel Bodenhaftung, die anderen würden gerne gewohnheitsmäßig schweben oder an der Decke entlanglaufen. Hat es alles schon gegeben, brauchen wir nicht darüber reden.
In der Mission, wie in allen Flüchtlingshilfen gibt es einen Mittelweg, der da hieß: Gemeinsamer Nenner. Nicht zu heftig, nicht zu leicht. Eben ein Mittelweg, damit hätten ja alle zufrieden sein können. Das war natürlich Augenwischerei und mitnichten der Fall. Der gemeinsame Nenner führte in der Regel erstmal zu einer gemeinsamen Übelkeit, die sich aber nach Tagen legt und danach ganz locker „Reisekrankheit“ genannt wurde. Da dieses Wort eine gewisse Tradition aufweist fiel es also auf fruchtbaren Boden und stellte bei keiner Bevölkerungsgruppe ein wirkliches Problem dar. Der gemeinsame Nenner war jedoch nicht nur ein Geschichte, die den einen leichtfüssig durch die Gänge eilen ließ und den anderen erschwert darin stolpern lassen konnte, sondern der gemeinsame Nenner bedurfte in den Missionsraumschiffen zum Beispiel auch eine Lösung bei den Toiletten.
Während in Morkans Palast dieses Thema durch die erhöhte Schwerkraft keine weitere Betrachtung benötigt, sah das auf den Missionsschiffen anders aus. Morkans Palast hatte sehr traditionelle, an Eimertechnologie erinnernde Stühle mit entsprechenden Abflüssen, in die alles reinfiel, was dort reingehört, weggespült wurde und dem Verwerter überantwortet wurde. Eine leicht verständliche Technologie, die mit einer gewissen Anpassungsfähigkeit hygienisch bestechend war.
Auf dem Missionschiff war die Fallgeschwindigkeit der Dinge, die einer Toilette überantwortet werden, etwas langsamer, daher benötigt die Toilette hier eine Lösung, die einfach und effizient schien. Sie benutzte den saugenden Unterdruck, der den Sitzenden an die Toilette fest saugt, verankerte, die Fläche zwischen ihm und der Toilette schmatzend schloss und damit eine Einheit bildete, die sowohl geruchstilgend war, wie auch dem Gast in der Verrichtung durch einen Zug unterstützte.
Die Mission war damit die einzelnen Toilettenzellen mit einem jeweils eigenen Schwerkraftgeneratoren umgangen und musste sich gleichermassen nicht auf die Technologien von Völkern einlassen, die mit dem Problem vielleicht gerade mal seit einer Generation vertraut waren. Es gab ja mannigfaltige Erfindungen diesbezüglich. Immerhin stellte sich diese Frage für fast alle Reisenden oftmals sehr früh, daher hätte man die Missionsschiffe mit entsprechenden Vorschlägen, egal wie sinnvoll sie waren, zukleistern können. Kurz, man war stolz. Die Toiletten funktionierten, alles hatte seine Ordnung, der Verwerter konnte anständig belastet und ausgenutzt werden.
Jeelbee hasste diese Toiletten. Was er nicht wußte, das war, dass die Käfer diese Technologie auch hassten, aber aus ganz anderen Gründen. Jeelbee war dieses Verfahren unbekannt, ungewohnt, und er hatte Angst, dass er – je dünner er wurde – dem Verwerter immer näher kam. Der Verwerter war ein weiterer technologischer Fortschritt, der sich so schnell, so lange und so wild verbreitete hat, dass seine Herkunft kaum noch zu ermitteln war. Man möchte sagen, dass es den Verwerter schon immer gab. Was natürlich nicht stimmt. War wirklich Unsinn.
Der Verwerter war ein kluges Abfallverwertungs- und Recyclingsystem, mit dessen Auswirkung jeder vertraut sein dürfte. Der Nutzwert eines Verwerters war nicht zu unterschätzen und gehört damit zur Allgemeinbildung. Aber wie mit allen Geräten, die der Allgemeinbildung überantwortet wurden, ist die Arbeitsweise des Verwerters ein großes Geheimnis, und kann vom Einzelnen nicht besonders gut erklärt werden. Umfragen hatten ergeben, dass nur eine niedrige Anzahl von 0,5 Prozent der kosmischen Bevölkerung überhaupt in der Lage war, die korrekte Funktionsweise eines Verwerters wieder zu geben.
Der Verwerter war in seiner Funktion eine soziale und moralisch hochwertige Maschine. Eine Meisterleistung, fürwahr. Er war in einem sehr komplexen Verfahren, von dem ich absichtlich keine Ahnung habe, in der Lage aus allen Abfällen, die täglich auf dem Schiff anfallen, verwertbare, gesunde Nahrung zu machen, die in der Regel allgemein gut bekömmlich war und auch noch nach Generation nicht wirklich zu Missbildungen und Degenerationen geführt hatte. Insofern stellte sich das Gerät selbst als integer und für den Dauergebrauch ausgelegt dar. Verwerterreklame war damals allgegenwärtig. Man merkt das sicherlich schon.
Allgemein bekannt war dass der Verwerter nichts Lebendiges annimmt. Dieses erschien verlässlich und war überprüft und wurde auch bei jeder Vermisstenmeldung als Beisatz angeführt. „Im Verwerter kann die vermisste Person nicht gelandet sein, da der Verwerter keine lebendigen Personen in das Recyclingverfahren übernimmt.“ Angenommen wurde, dass tote Personen auch nicht angenommen wurden, aber darüber möchte man in der breiten Bevölkerungsschicht nicht explizit nachdenken.
Worauf ich hinauswill und warum ich diese kurze Ausführung gemacht habe, wo wir doch die Situation Jeelbees genauer betrachten wollten, ist, dass ich sagen wollte, dass die Ängste von Jeelbee unbegründet waren: Ein Ansaugen eines ganzen Jeelbees konnte auf dieser Toilette nicht stattfinden.
Der Verwerter nimmt keine lebendigen Personen auf.
Jedoch war das Vertrauen Jeelbees in das Schiff und in den Arzt, Dr. Obenko , seit der Abwesenheit Shinquasz nachhaltig gestört. Dieses wirkte sich auch auf seinen zaghaften Versuch aus, den Toilettensitz nicht vollständig auszunutzen. Allerdings, wie bereits erwähnt, musste die Toilette – schon um geruchsneutral zu erscheinen (was sie nicht tat), das Ansaugen korrekt ausführen.
Daher bat eine weibliche Stimme in ca. 20 geläufigen Pidgin-Versionen der bekannten Sprachen im All ihn darum, auf der Toilette bitte richtig Platz zu nehmen, damit das ordnungsgemäße Ansaugen seines Hinterteils unproblematisch stattfinden konnten.
Das Raunen, Schnarren, und aneinanderreihen persönlich verbundener Chitinpanzer nahm im Vorraum lauthals zu. Sie beobachteten also sehr genau, was sich hinter seiner Tür tat und in welchem Stadium der Erleichterung befand.
Doch Jeelbee befand sich zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht in einem Stadium der Erleichterung. Im Gegenteil. Ihm stand der Schweiß auf der Stirn, seine Hände zitterten, und sein überhaupt verkrampfte er sich unmöglich, um mit Genuss und Begeisterung an das Thema zu gehen, auf das er sich ursprünglich einlassen wollte. Sein Magen rotierte natürlich nicht weniger, die Luftproduktion nahm dramatisch zu und wenn er ehrlich war, dann befürchtete er, dass er schneller als er je gedacht hatte, zu zerplatzen. Auch wenn dieses nicht zu seinen aktuellen Plänen gehörte. Er sass also in dem einzigen Raum, von dem er dachte, er würde einigermaßen den Gesetzen der Privatsphäre unterliegen und versuchte zu vergessen, das ein großes Volk vor seiner Türe lagerte, Kartenspiele in einer virtuellen Weise spielte und sich auch sonst mit Hänseleien die Zeit vertrieb.
Jeelbee platzierte sich in der Mitte der Toilette, die sich ihm gut gelaunt anpasste und versuchte dem Ansaugverfahren entgegen zu kommen. Die Toilette schmatzte ein bisschen genüsslich, was dazu führte, dass vor seiner Tür scheinbar die Gespräche verstummten. Aber er konnte sich auch täuschen, denn seine Konzentration war stark beeinträchtig, und seine Haltung fast schon hilflos. Wie er so dasaß. Auf einem weißen, wuchtigen Hocker, der sich ihm fast zärtlich, aber vehement seinem Hinterteil widmete, dieses umschloss und saugend festhielt.
Jeelbee hätte sich über eine Zeitung gefreut, über Lesestoff ganz allgemein. Zwar war er der Meinung, dass man auf Toiletten und ähnlichen Orten vorsichtig mit übertragenden Materialien sein sollte, aber grundsätzlich empfand er sich mittlerweile, wo er doch schon seit Tagen hier immer wieder reinkam, als einen harten Jungen, denn kaum etwas umschmeissen konnte.
Und wenn, er hatte ja Impfungen bekommen von Dr. Obenko.
Die Käferpopulation auf der Toilette hatte sich allerdings in den letzten Tagen vermehrt und er wußte im Grunde nicht so recht, ob es sich um eine tatsächliche Erhöhung der Population handelte, oder ob aus allen Ecken des Schiffes Verwandte und Anverwandte zu einem großen gemeinsamen, demokratischen Treffen innerhalb des Toilettendistriktes dieses Schiffes angereist waren. Dieses war ihm eines der größten Rätsel überhaupt.

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Einleitung (Part 28)

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