Einleitung (Part 31)

(Liebe LeserInnen,

um alle Fäden einmal zu berühren und den heutigen Tag entsprechend abzuschliessen, darf ein weiteres Update nicht fehlen, das noch einen Blick auf Bankea wirft, wo den Beteiligten langsam klar wird, worin der Sinn der Mission von Koerma, Johsz und Quas lag. Gleichzeitig wird Zirmja in einem Licht gesehen, das ihr nicht unbedingt gefallen dürfte. Oder vielleicht doch?  An einem Stück und in einem Rutsch, alles in einem PDF (126 Seiten): Ach, Bankea! Version 1.10 (alle Teile von 1-31).

Viel Spaß damit.

Jan Tälling)

Burkim flüsterte meiner Mutter ins Ohr „Du willst es sehen, oder?“
„Das Schiff? Ja, natürlich will ich das. Ganz sicher.“
„Es wird nicht mehr da sein. Soy wird es begraben haben.“
„Wie will er das tun?“
„Naja, du weißt wie die Kelloms den Wald bereichern. Also, so werden sie auch das Raumschiff verschwinden lassen.“
„Spurlos?“
„Spurlos. Ich hoffe es. Das ist das Ziel.“
Sie drehte sich um und lehnte sich an den Spültisch.
„Wird das reichen?“
„Das weiß ich nicht.“
„Nein, das wird nicht reichen.“Koerma stand in der Tür. „Das wird niemals reichen. Wir wissen nicht, was Morkan vor hat. Aber wenn es stimmt, was Soy erzählte, und wir wirklich nur Replikanten sind…“
„Replikanten?“ Fragte Papenka.
„Kopien. Dann sucht Morkan etwas. Etwas, von dem wir nicht wissen, wie es aussehen soll. Wir müssen uns darauf gefasst machen, das er vielleicht Bankea gesucht hat.“
Mein Vater schüttelte den Kopf. „Hier ist nichts, was von ihm von Interesse wäre.“
„Doch.“ Koerma löste sich von der Tür und deutet aus dem Fenster „ Doch, wenn ich mir das richtig überlege, dann ist hier viel. Alles, was es kaum noch irgendwo gibt. Diese Welt ist frisch. Sie ist geradezu jung. Ihr seid wenige. Und eigentlich gehört diese Welt den Kelloms. Aber diese scheinen ihren Platz nicht zu beanspruchen.“
Sie sah hinaus, wie das Licht sich den Weg durch die Blätter brach, die Feuchtigkeit verdampfte, und lauschte dem Klang der Vögel. Bankea hatte eine reiche Auswahl an wilden Vögeln. Mein Vater kannte viele, aber niemals wirklich alle. Keiner von uns kannte alle. Wir kannten nicht mal wirklich Bankea. Im Grunde waren wir viel zu zufrieden mit dem was wir hatten, als das wir uns auf Erkundungstouren machten und die Welt eroberten. Sie hatte recht. Bankea war ein junger Planet. Er hatte zur Ruhe gefunden, war fruchtbar und bedeckt, und wartete geradezu darauf, dass jemand sein Potential entdeckte. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass die Geschichte eine solche Wendung nehmen könnte. Noch waren wir dabei, uns die Wunder zu erklären, als sich bereits jemand aufmachte, uns die Wunder zu nehmen.

Morkans Palast.
„Zirmja! Warte.“
Der Ruf erklang hinter ihr, als sie durch die Flure ging, um ihr Quartier zu erreichen. Sie befand sich drei Stockwerke unterhalb der Aussichtsplattform in einem belebten Bereich, in dem sich auch viele Händler angesiedelt hatten und Reisende unterkamen. Sie war müde, die Ruhephase, die Ratsversammlung, Unterhaltungen mit Gom, Shinquasz und Morkan rotierten in ihrem Kopf, und alles, was sie in den letzten Stunden erfahren hatte, war noch nicht verarbeitet. Sie war aufgewühlt, durcheinander und brauchte ihren eigenen Bereich. Sie wollte niemand treffen, und war ungehalten über die Störung als sie sich umdrehte und ein Mitglied des Rates erblickt, dass auf sie zukam.
Vomgir sah aus wie ein Ball mit zwei Beinen. Seine Füße waren schmal, fast zart, sein Leibesumfang unheimlich, und seine Haare eine wilde, nicht geordnete Landschaft, die ihm in allen Richtungen abstand. Er trug immer ein Schwert bei sich, doch sie bezweifelte, dass er damit umgehen konnte. Seine Arme konnten kaum seinen Leib umschliessen, und die Distanz, die er benötigte, um sich nicht selbst zu verletzen, lag wohl kaum im Rahmen seinen Möglichkeiten. Vomgir watschelte auf sie zu, und seine Haare, grau und wirr, tanzten im Licht des einzelnen Lampen, wie Ähren in den ersten Sonnenstrahlen. Vomgir trug ein breites Lächeln, das ihn verschmitzt und gütig erscheinen liess. Zu verschmitzt und zu gütig. Seine Oberbekleidung, die er wie immer in leuchtenden Farben trug, war beschmutzt von der letzten Mahlzeit, doch auch das waren die Mitglieder des Rates von ihm gewohnt. Vomgir musste auch in diesem Teil des Palastes wohnen, viel zu oft schon hatte ihn Zirmja hier erblickt. Allerdings sprach er sie noch nie an. Er eilte ihr mit erhobenen Armen entgegen, als sei dieses ein Ritual, das er schon hundert mal wiederholt hatte, und sie die besten Freunde, die sie sich vorstellen konnte.
Sein Alter war schwer zu schätzen, denn die gespannte Haut verlieh ihm eine Jugendlichkeit, die nicht zu der Behäbigkeit passte, die er pflegte. Er hatte etwas Unterwürfiges an sich, dass ihr nicht geheuer war, weil es ihr den Eindruck vermittelte, er wolle es wie Freundlichkeit wirken lassen. Doch, merke, wurde ihr schon früh beigebracht, Unterwürfigkeit ist niemals Freundlichkeit. Es ist eine Abhängigkeit, derer sich dein Gegenüber bewusst ist. Eine Piratin mag solche Regeln nicht kennen, eine D’Onco schon. Und so sah sie ihn mit einer lächelnden Distanz an, grüßte ihn höflich, als die Ferne zwischen ihnen noch groß genug war, um eine Umarmung zu vermeiden, und stand ihm in einer gelassenen Verteidigungshaltung gegenüber, die er sehr wohl bemerkte, aber geflissentlich überging.
„Zirmja, Schöne, was freut es mich, dich hier zu treffen.“
Sie schmunzelte. „Die Freude ist ganz auf meiner Seite.“
„Ich habe dich im Rat gesehen. Und ich bewunderte immer noch dieses hohe Verantwortungsgefühl, dass dir zu eigen ist, sowie der frühe, wohlverdiente Ruf in den Rat. Es ist gut, dich dort zu wissen, und es ist schön zu sehen, dass du dir eine Meinung bilden kannst, die nicht unbedingt mit allen Mitgliedern des Rates konform gehen mag. Trotzdem, und dazu ist ja der Rat da, ist jemand wie du vonnöten. Eine Sicht der Dinge, die eventuell nicht ganz so populär ist. Ich begrüsse das. Ich begrüsse das sehr.“
„Vielen Dank für das Kompliment. Das freut mich, zumal Morkan nicht wirklich glücklich darüber schien.“
Vomgirs Gesicht verlor seine Fröhlichkeit, und er wog mit Sorgenfalten seinen Kopf von der einen auf die andere Seite. Er betrachtete sie mit größtem Bedauern und sein Ton bekam eine unangenehme Weinerlichkeit.
„Nein, Morkan, war wohl wirklich nicht glücklich darüber, meine Tochter. Das war sehr bedauerlich, obwohl du ja nichts falsches gesagt hast, und wahrscheinlich mehr Mitglieder des Rates vertrittst als dir bewusst ist.“
„So hättet ihr etwas sagen wollen.“
„Nichts, was du nicht schon gesagt hattest. Und das soviel besser, als ich es jemals konnte. Doch es ist wichtig, das es es gesagt wurde. Und noch wichtiger ist für dich, dass du nicht alleine da stehst.“
„Trotzdem war ich die Einzige, die sprach.“
„Trotzdem warst du die Einzige, die sprach. Wie wahr, wie wahr. Doch, wie soll ich sagen? Soviel Wahres, wie du sagtest, sollte tatsächlich mehr unterstützt werden. Und du solltest dir dieser Unterstützung gewahr werden.“
„Wie sollte das gehen, wenn alle schweigen?“ Sie wurde ungeduldig. Dieser Mann stand vor ihr, und kam nicht zum Punkt. Seine dicken Finger führten Spielchen auf, unterstrichen in kleinen, überschwänglichen Gesten seine Worte, doch er sprach im Kreis, als wolle er sie testen. Wusste er nicht, welche er Erziehung sie genossen hatte? Hatte er keinen Schimmer davon, dass er vor der Schülerin Goms stand, der in den Seelen und Augen seiner Widersacher schaute und darin lass wie in einem fetten Buch?
Sie seufzte kurz, die Müdigkeit tat ihr übrigens, und dieses Gewackel vor ihren Augen machte sie nervös und tat ihr nicht gut. Ungeduld überfiel sie und sie schnitt die Rede Vomgirs mit den Worten ab: „Kommt zum Punkt, edler Vomgir, gibt es etwas, das ich für euch tun sollte?“
„Oh, Zirmja d’Onco, beehrt mich mit eurem Besuch. Beehrt uns mit eurem Besuch. Schaut vorbei. Eine Stunde vor der nächsten Ruhephase wäre die richtige Zeit. Besucht mich in meinem Quartier.“
„Wer ist wir und wo ist euer Quartier?“
„Oh, wir sind besorgte Mitglieder des Rates, die gerne eine Unterredung mit einer Stimme der Vernunft hätten. Wir würden uns sehr freuen. Es wäre uns eine Ehre, die Tochter der D’Oncos bei uns empfangen zu dürfen. Und mein Quartier findet sich direkt neben jenem Ort, an dem Reisende den Liebreiz der Konkubinen unseres Palastes geniessen. Eine Tür weiter, meine Name ist zu finden. Sehr bescheiden. Eine Stunde vor der nächsten Ruhephase.“
Er verbeugte sich, bewegte sich rückwärts wie ein geschlagenes Tier und sah sie erwartungsvoll an.
Sie nickte, als er entschwand, drehte sich um und ging heim.
Sie wollten ihre Stimme und Morkans Kopf.
Wer hätte damit gerechnet.

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Einleitung (Part 31)

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