Einleitung (Part 35)

(Liebe LeserInnen,

an manchen Tagen sollte man sich davor hüten, einen Text zu schnell zu veröffentlichen. Falls heute jemand das Glück gehabt hatte Part 34 in der ersten, veröffentlichten Version zu lesen, so war er/sie damit konfrontiert, wie das Ding aussehen kann, wenn es im Schnellschrieb aus einer schlaflosen Nacht an die Öffentlichkeit gelangt. Mal ganz abgesehen davon, dass ich es schnell noch rausschiessen wollte, bevor ich Frühstücken ging. Also alles Made in Hektik. Das Ergebnis waren Zähen statt Zehen, und eine Speerspitze statt einer Schwertspitze. Von vergessenen Buchstaben mal ganz abgesehen. Sorry. So weit ich die Fehler entdecken konnte, habe ich sie berichtigt. Alles was ich übersehen habe, nehme ich gerne auch noch zurück.

Heute Abend hätte ich beinahe eine ähnliche Meisterleistung nachgeschoben, aber gerade noch zwei mal durchgelesen. Die Story ist zwar durchaus ein bisschen im Steampunk angelegt, und es macht mir auch nicht allzu viel aus, mit Wörtern zu jonglieren, die ihren Ursprung in bestimmten irdischen Kulturbereichen haben, aber es gibt Grenzen.

Diese Grenzen sind ganz persönlicher Natur. Ich würde es z.b. als unpassend empfinden, wenn ein Fluch „zum Teufel“ lautet, eine Rede mit einem gestöhnten „Himmel!“  anfängt. Ich denke, das geht dann ein klein wenig zu weit, und setzt eine irdische Religion voraus, die ich aber in der Geschichte nicht haben will. Die Sprache zur Unterteilung der Raumschiffe jedoch orientiert sich gerne an irdischen Begriffen. Da ist dann auch von Dampfern die Rede. Kleinere Raumschiffe nennen sich Boote. Eine Bestrafung kann „kielholen“ sein.  Genauso gibt es Schmetterlinge, Ameisen und Schlangen, sowie Würmer. Was ich aber vermeide, das sind Hunde und Katzen, Kühe und ähnliche Tiere. Gerne jedoch Fische.  Fragt mich nicht, warum ich das im Einzelfall so handhabe. Zum einen nehme ich mir einfach die Freiheit, wo es mir gefällt und vom Gefühl her stimmt. Zum Anderen will ich die Welten, in denen sich das alles abspielt, nicht zu fremdartig machen, sondern sehr schnell den Bezug für jeden aufbauen und finden lassen.

So sind die körperlichen Unterschiede der Besatzung von Morkans Palast zu Menschen eher gering, dagegen gibt es auf Bankea mindesten die sechs Arme pro Person.  Allerdings agieren die Wesen auf Bankea, ebenso wie die Rassen in Morkans Palast nur allzu menschlich.

Das alles könnte ein Kritikpunkt sein. Und es gehört zu den Themen, die ich für mich auch immer mal wieder überprüfe, ob sie noch stimmig sind. Und wenn ich dann denke, Jepp, das ist stimmig, dann läuft es weiter. 

Vieles möchte ich allerdings noch nicht aufdecken. So gibt es in der Biologie der auftretenden Wesen immer wieder Dinge, die sich nicht mit unseren Erfahrungen decken, auch lasse ich einige physikalische Gesetze bewusst links liegen, und würde bestimmt auch mächtig Ärger mit jenen Leuten bekommen, die in der Weltraumforschung besser Bescheid wissen, als ich. 

Wer gerne mal ein paar Fehler finden will, mich darauf aufmerksam machen möchte, dem sei die Lektüre von Teil 1- 35 empfohlen. Als PDF-Download hier: Ach, Bankea! Version 1.14  (138 Seiten, also für den nächsten Regentag geeignet)

Part 35 beschäftigt sich noch mal mit Zirmja D’Onco und Tenx Pi. 

Viel Spaß damit.

Jan Tälling)

 

Morkans Palast. Flughalle.

Die Sauberkeit und Effizienz des medizinischen Teams überraschte Zirmja, und machte auch Tenx staunen. Sie kamen fast lautlos, unhörbar, lösten die Menge auf und verfrachteten den Mann geschützt und geschwind in einer Art Glassarg. Das geschah so eingespielt, innerhalb weniger Momente und vermittelten den Eindruck größter Professionalität. Trotzdem wirkte die Situation in ihrer Schweigsamkeit zu eingespielt, und sehr darauf aus keine Unruhe aufkommen zu lassen.
Tenx fasste Zirmja feste am Arm und zog sie zurück. Er wirkte ernst, und hielt – vollkommen ungewohnt für Zirmja – den Mund, sagte gar nichts und bedeutete ihr mit Zeichen es ihm gleich zu tun. Als ginge von dem medizinischen Team eine Gefahr aus. Gleich einer fest gefügten Reihe standen einige Mitarbeiter des Teams vor dem Büro und bildeten mit ihren Körpern breitbeinig eine Mauer, mit der sie alle Männer und Frauen innerhalb des Raums vor den Blicken der Umstehenden abschirmten. Die Operationen, die dort stattfanden, waren nur noch zu Bruchteilen erkennbar.
Das medizinische Team bestand aus den Veteranen der verschiedensten Schlachten, die dort als Sanitäter solche Kriegszüge in der Regel begleiteten. Gewohnt in der ersten Reihe anwesend zu sein, die Front zu unterstützen und sich selbst in Deckung zu halten, waren sie sowohl ausgebildet in taktischen Missionen, wie auch in Nahkampftechniken, aber auch allen Operationen, die besser verdeckt von statten gingen.
In dem verglasten Büro-Kasten standen sie in hellen Anzügen, scheinbar vakuumverpackt, mit dicken Polstern und Helmen gekleidet, als wollten sie sich gleich in das Größte aller Universen stürzen. Zirmja sah ihnen fasziniert zu. Die Art und Weise wie sie die Dinge anpackten wirkte seltsamerweise vertrauenserweckend und beängstigend zu gleich. Sie schienen so sicher, in dem was sie taten, aber ihre Handlungen brachten alle auf Distanz, die nicht ihrem Kreis angehörten, und wirkten geheimnisvoller, als sie sicherlich sein sollten.
Sie schienen Spuren zu sammeln und gleichzeitig zu beseitigen. Gewaltige Strahler wurden aufgebaut um die Szenerie zu beleuchten, Kisten herangetragen in die alles verfrachtet wurde, was nur irgendwie tragbar war. Ein Teil der emsigen Mitarbeiter strömte gezielt aus, um die Umstehenden, die vermeintlichen Zeugen, jene die etwas gesehen haben könnten, zu befragen. Sie sammelten Originaltöne, synchronisierten sie sofort mit der Koordination, die über eine Vielzahl Drohnen die Halle und alle Zeugen beobachtete. Wie immer flogen die Drohnen wie eigenständige Insekten gleich einem gigantischen Schwarm farbenfroh und munter durch die komplette Halle. Ein Schauspiel, das – egal, ob es sich im All oder in den Räumlichkeiten eines Schiffes abspielte – immer von einer gefährlichen Schönheit war. Die Drohnen waren in ihrer Eigenständigkeit ein Triumph des Geistes, und eine Loslösung von der Befehlsgewalt. Sie wirkten viel freier als sie wohl waren. Aber so recht wußte dass der Betrachter nicht mehr.
Die Fragenden achteten gar nicht auf sie. Fast hätte nur noch Shinquasz gefehlt, um der Sammelleidenschaft höhere Weihen zu verleihen. Ein richtiger Bibliothekar war nicht vor Ort. Obwohl sicherlich von Nöten.
Die Halle war weiträumig. Es war nicht ungewöhnlich, dass an diesem Ort des Schiffes Platten zur Fortbewegung gebraucht wurden. Einer der wenigen Orte, an denen dieses gestattet war. Erstaunlicherweise erhob sich in den Augenblicken, in denen das Team tätig war, keine der Platten mehr. Sie lagen funktionslos auf dem Boden herum, oder wurden in den Taschen verstaut. Die Piloten schienen dennoch mit dieser Regel vertraut. Weswegen sie wohl ohne zu Murren reagierten. Nur Zirmja beobachtete den Vorgang zweifelnd.
Es wirkte alles, als würden solche Vorfälle jeden Tag passieren, aber Zirmja ahnte bereits, dass sich hinter der ruhelosen Geschäftigkeit auch Unsicherheit verbarg. Hier geschah etwas, dass neu war, dass nervös machte und in dieser Nervosität lauerte eine Bestie, die bereit war alles dafür zu tun unentdeckt zu bleiben.
Der Druck von Tenx Hand am ihrem Arm verstärkte sich wieder.
„Verflucht! “
„Komm mit! “ zischte er ihr ungeduldig ins Ohr.
Sie wollte ihn abschütteln, aber sein Griff war von einer Stärke, die sie ihm nicht zugetraut hätte.
„Was soll das? “
„Komm jetzt mit. Du kannst jetzt nichts machen. Wenn es jemand unter Kontrolle bringt, dann das medizinische Team. “
„Das sieht aber nicht so aus.…“
„Eben! Kommst du jetzt? “

Er zog sie an den Rand der Halle, an der die Fluchttore angebracht waren, falls die Halle irgendwann mal schlagartig evakuiert werden musste. Seine Schritte waren weit, groß, gezielt, und bedacht darauf möglichst schnell den Ausgang zu erreichen. Er sprach nicht mehr mit ihr, er zog sie hinter sich her wie ein kleines Mädchen. Ihre Haare wehten, ihr Blick glitt immer wieder nach hinten, je weiter sie sich entfernte. Sie hatte den Eindruck, als ob zwei der Teammitarbeiter ihren Abgang beobachteten, und überlegten, ob sie es verhindern sollten. Doch sie blieben einfach wie angewurzelt in der Mitte der Halle stehen, hinter ihnen zwei Beiboote, die wie gestrandeten wirkten, und die beweglichen Schatten, die aus dem Glasbüro zur Decke der Halle geworfen wurden.
Das Alles hatte etwas unwirkliches. Kaum Wahres. Kaum Richtiges. Sie konnte sich nicht daran erinnern, jemals eine vergleichbare Situation gesehen zu haben. Schnell versuchte sie mit Tenx mitzuhalten, der das Tor geöffnet hatte, stehen blieb, sie mit reinzog, und das Tor hinter ihnen wieder schloss.
Seine Wangen waren gerötet, kleine Schweißtropfen bildeten sich auf seiner Stirn und er lehnte sich in der Schleuse an die Wand. Mit einer Hand schloss er die Schleuse nach allen Seiten, achtete darauf, dass die Sichtfenster zu waren und setzte sich. Es war eine der üblichen Schleusen, die hinter den Fluchttoren angebracht waren, um Überdruck und Kontaminierungen auszugleichen. Sie hatte auf beiden Seiten, da es sich um eine integrierte Fluchtschleuse handelte, die im Normalfall keine Funktion hatte, keine einsehbaren Scheiben. In der Zeit in der solche Fluchtschleusen nicht genutzt wurden, verbargen sie sich hinter den üblichen architektonischen Fassaden, wie sie üblicherweise in den angrenzenden Räumlichkeiten zu finden waren. Kurz gesagt, ebenso wie die Fluchttreppen, konnten Fluchtschleusen für alles mögliche dienen. Und waren dementsprechend auch beliebt. Tenx durfte alle kennen, dachte Zirmja. Der schöne Tenx nutzte diese und andere Gelegenheiten wahrscheinlich nur zu gerne aus. Sie lehnte sich gegenüber an die Wand und beobachtete zweifelnd, wie er sich zu Boden gleiten liess.
„Wollen wir nicht raus?“
Er schüttelte müde den Kopf. „Diese Tür führt zu den Truppenquartieren. Die liegen direkt hinten dran. Da komme ich her. Dort ist ziemlich viel abgeriegelt. Hat es dich nicht gewundert, wie schnell das Team zur Stelle war?“
„Sie sind immer schnell.“
„Ja, aber du hattest den Alarm abschalten lassen, und das bedeutet normalerweise Entwarnung.“
„Wir hatten das Team rufen lassen.“
„Sie waren schneller als jeder Ruf.“
„Wieso waren sie also da?“
Tenx atmete stöhnend ein und aus. „Weil sie schon vor Ort waren. Unweit von dieser Tür“, er klopfte mit der Faust an die Tür, die nach außen in den Flur führte.“Hat es einen Piloten erwischt. Kein Gesicht, ein Drecksstall aus Blut und Haut, und Hände und Füße, als wäre er der Zögling von einigen Gasmonstern.“
„Ein Pilot?“
„Der Leiter der Flughalle und ein Pilot. Zufall? Sag selbst.“
„Du sprichst von einer Seuche. Das ist zu früh. Es gibt zwei Fälle, die gleich sind. Mehr nicht. Es können Vergiftungen sein. Sie können dieselben Speisen gegessen haben.“
„Wäre möglich.Weiter.“
„Wäre es eine Seuche, hätte uns das Team nicht gehen gelassen. Wir wären unter Quarantäne. Die komplette Flughalle wäre unter Quarantäne. Und die Truppenquartiere.“
„Genau. Damit wäre Morkans Palast handlungsunfähig. Die komplette Streitmacht müsste isoliert werden.“
„So einfach wäre es nicht. Es befinden sich genug Männer draußen. Auf den Planeten, bei den Gouverneuren. Ebenfalls.“
„Die man hierher ziehen müsste, damit von den Planeten weg. Was bedeutet, das dort die Vertreter Morkans mit den Ansprüchen der Sklaven und Arbeiter konfrontiert werden.“
„Worauf – verflucht – willst du hinaus, Tenx? Was geht dir da durch den Kopf?“
„Du bist doch ein Mitglied des Rates, Zirmja, was ist hier los? Was sagen die Seuchenregeln? Was schreiben sie vor in diesem Fall? Ab wann klassifizieren wir etwas als Seuche?“
„Wenn es Übertragungswege gibt, die nachvollziehbar sind. Wenn es Verbindungen gibt, von denen wir wissen. Außerdem, die Piloten müssen sich dekontaminieren, wenn sie von einem Flug zurückkommen. Auch das Boot wird dekontaminiert. Das ist Routine. Du weißt das, Tenx. Jeder, der jemals geflogen ist, weiß das. Praktisch können wir damit alle Seuchen fern halten. Es macht also wenig Sinn von einer Seuche zu reden, Panik zu verbreiten, wenn wir weder davon wissen, wo die Verbindungen liegen, noch wie sie sich verbreitet,und ob sie sich überhaupt verbreitet.“
„Verdammt!“
„Was ist los, Tenx? Schwierigkeiten mit der Wahrheit?“
„Hast du gesehen, wie das Team operiert? Hast du gesehen, was sie da draußen machen? Sie nehmen alles mit. Es bleibt nichts zurück. Ähnlich gingen sie bei den Piloten dort vor. Alles weg. Eine leere Stube. Ich war der Erste, der drin war.“
„Hast du ihn berührt?“
„Ja, ebenso wie du. Mit meinem Schwert. Vergiss nicht, du tatest es auch.“
Zirmja überlegte kurz. „Wenn du keinen Druckbehälter hast, dann sollten wir zu mir gehen. Ich habe einen. Wir sollten nicht nur das Schwert reinigen, sondern auch den Schaft. Das ist dir klar, oder?“ Sie hieb mit der flachen Hand gegen die Tür. „Mache sie auf, lass uns gehen.“

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