Einleitung (Part 38)

(Liebe LeserInnen,

sollte nun jemand, nach der Lektüre des 38sten Teils der Meinung sein, dass der Leiter des Med-Teams ganz bescheuerte Erklärungen zu einem Virus gibt, dann hat – wer immer das sagt – natürlich recht. Nach den irdischen Maßstäben. Im Weltraum, Galaxien, Universen entfernt, in einer Fantasy-entlehnten Steampunk-irgendwas Welt? Wer weiß. Alles möglich.

Zum Einen geniesse ich dieses Spielen mit den Elementen, den Ideen und dem Vermögen einfach mal so etwas zu erfinden, was es so nicht geben kann, nach der Definition nicht geben darf und natürlich, hoffentlich nie geben wird. Aber zum Anderen ist es natürlich böse und verführerisch, gefährlich und ein schwarzes Loch, wenn alles, was einem hier einen Halt und ein Fundament gibt, im nächsten Augenblick über den Haufen werfen kann. 

Wir werden sehen. Richtig Spaß macht es erst, wenn  alle Handlungstränge, so bösartig verfahren sind, dass es geradezu schwer wird den einzelnen Faden wieder aufzunehmen. Aber das ist natürlich auch das Ziel und die Herausforderung.

Alles zusammen, alles gepackt, alle 38 Teile zum Download, finden sich hier : Ach, Bankea! Version 1.17

Viel Spaß damit.

Jan Tälling)

Morkans Palast. Medizinisches Labor.

Das Med-Team war tief im inneren von Morkans Palast untergebracht. Fensterlos, und in der Regel hell erleuchtet, befand es sich nahe der Wirtschaftssystem, des Verwerters und der Zellen. In einem Bereich also, der eher wenig repräsentativ war, aber dennoch wichtige Funktionen erfüllte.

Das Licht war weitgehend abgeschaltet, der Raum des Leiters lag in einem diffusen Halbdunkel, in dem das Glimmen einiger Beobachtungsmonitore umso stärker auffiel. Zwei Silhouetten standen sich gegenüber, wirkten aber unentschlossen über den Stand ihrer Zusammenkunft.

Der Leiter des Med-Teams war ein klein wenig größer als der Offizier der Palastwache. Wirkte auch etwas kräftiger, abgebrühter und in der Stimme belustigt. Seine Erklärungen hätten vielleicht ernster sein können, seine Stimme schroffer, trotzdem war er überrascht, als sein Gegenüber

„Entschuldigung?“ sagte, und schwieg daher erstmal, bevor er fortfuhr.

„Naja, im Grunde ist es wohl noch ungewöhnlich, wenn die Ursache führt eine Krankheit organisch ist. “

„Das meinte ich nicht. Sie sagten etwas anderes, und das finde ich mehr als irritierend. Sie sagten, es handle sich um ein organisches, aber dennoch mechanisches Virus…“

„Faszinierend, nicht wahr?  Ich gehe davon aus, dass etwas vergleichbares bisher in den Systemen noch nicht bekannt ist…“

„Scheisse?“

„Nun, Kot. Ausscheidungen im weitesten Sinne. Vollkommen verrückt.“

„Und diese blähen die Extremitäten auf?“

„Das ist nach meiner Meinung eher eine allergische Reaktion und hat daher weniger etwas mit dem Virus zu tun. Also, es ist bedingt dadurch, versteht sich, aber so richtig verantwortlich möchte ich ihn nicht dafür machen…“

Der Offizier starrte den Leiter des Med-Teams fassungslos an. Er versuchte, zu fassen, was ihm da gesagt wurde, aber konnte es nicht greifen, nicht verstehen und  schüttelte schließlich entschlossen den Kopf. Er trat zwei Schritte weg von seinem Gegenüber. Sah in eine Richtung, schien nachzudenken und schüttelte wieder den Kopf.

„Ich kann damit nicht zu, Morkan, dass ist unmöglich. Das ist weniger als nichts. Sie behaupten ein Haufen Roboter aus Kot sind hier eingedrungen, haben zwei meiner Männer aus dem Flugbetrieb das Gesicht abgezogen, aber wir wissen nicht woher sie kamen, was das soll, wie sie sich übertragen haben, warum diese Mitarbeiter…. Usw. Usw. Kurz, wir wissen nichts. Und damit soll ich zu Morkan? Wollen Sie, verdammt noch mal, dass ich meinen Kopf verlieren?“

„Sie würden ihn behalten wenn sie ihm gar nichts sagen?“

„Ich brauche mehr als das. Vielmehr. Wie übertragen sich die Dinger?“

Nun lehnte sich der Leiter des Med-Teams zurück, und der Offizier bekam den Eindruck, als müsste er ausholen, doch tatsächlich war sehr schnell zu spüren, dass es um weniger ging. Einfach nur ein bisschen um die Dramatik. Der Leiter atmete durch und sagte dann, scheinbar tonlos, scheinbar gelassen, scheinbar wissend.

„Sie werden es mir nicht glauben: Auf jede nur denkbare Weise.“

„Das heißt?“

„Das heißt konkret: Wenn diese Dinger irgendwas von uns wollten, wenn sie uns erobern wollten, dann hätten sie es schon lange getan und wir würden jetzt nicht hier stehen und uns unterhalten. Und das meine ich sehr, sehr ernst.“

„Ich verstehe nicht.“

„Das ist klar, dass sie das nicht verstehen. Das überrascht mich in keiner Weise. Aber das liegt auch daran, dass sie in sehr hergebrachten Strukturen denken. Sie sind hier nicht flexibel, Offizier Benkal. Sie denken nicht weiter. Ich bin ein Mann der Wissenschaft, ich muss mich damit vertraut machen, dass es weitergeht, das es Dinge gibt, über die wir zwar noch nicht alles wissen, aber die heute schon Einfluss nehmen können. Es handelt sich nur nach eine sehr populären Definition um ein Virus, tatsächlich haben wir es mit neuen Kampfeinheiten, neuen Truppen, neuen Waffen, und neuen Ideen zu tun. Auf ganz eigentümlicher, alten Grundlagen. Sie verstehen? Nein, sie verstehen wahrscheinlich nichts. Und daher täten sie gut daran, wenn sie es gar nicht erst versuchen würden, Benkal. Trotzdem will ich es ihnen erklären.

Es ist ganz einfach. Diese Roboter. Diese Roboter aus Kot und Scheisse, die wir in den Toten gefunden haben, sind autark, jeder für sich also, voll funktions- und handlungsfähig. Ihr Verhallten als Einzelwesen ist tödlich. Ihr Verhalten im Schwarm ist eine Katastrophe. Der sie aber nicht ausweichen können. Selbst wenn sie es wollten.

Diese Roboter beherrschen eine Kampftechnik, der wir nichts entgegen zu setzen haben. Sie zerlegen den Wirt, den sie auf eine beliebige Weise einnehmen können, im Handumdrehen. Wir können uns das nicht vorstellen, doch mussten im Reagenzglas, unter dem Mikroskop etwas erleben, was in den kühnsten Träumen nicht denkbar war Eine Armada, aus künstlichen Miniaturwesen, die sich über ein viel größeres Wesen hermachte, ja praktisch einen Riesen allein durch die Anzahl ihrer Soldaten und Männer erledigte. Das ist verwirrend, weil all ihre herkömmlichen Waffen versagen. Im Grund haben wir hier einen Feind, der nicht mal ein Tausendstel einer ihrer Leute ausmacht, und noch dazu besteht er aus einem organischen Abfallmaterial. Ist also nicht erkennbar über Scanner, die synthetische Kunststoffe oder Metalle entdecken.

Ich bin mir nicht so ganz klar, ob sie die Dimension erfassen.“

„Nicht so ganz“

„Na, dann mal ganz kurz, Offizier Benkal. Wir sind erledigt.“

„Wie bitte?“

„Faktisch und beim Schach ist man erledigt, wenn eine Situation entsteht, in der man dem Gegner nichts mehr entgegen zu setzen hat. Das ist hier der Fall. Wir haben einen Gegner, winzig,aber massig in der Anzahl, und können ihm nichts, aber auch gar nichts entgegensetzen. Er wird uns überrennen. Das Eigentümlich ist: Er tut es nicht.  Das soll heißen, hier könnten einige hundert Fälle liegen. Tatsächlich liegen hier aber lediglich zwei. Die Frage ist für mich als leitender Mediziner: Warum ist das so?

Und sie als Offizier sollten sich auch genau das fragen: Warum ist das so? Wie kann es sein, dass ein Gegner, der geschickt alle unsere Schwächen ausnutzt, uns nicht überrennt.“

„Wenn ich sie richtig verstehe, dann haben wir es hier mit winzig kleinen Miniaturrobotern zu tun, die für unser Auge nicht sichtbar sind, organischen Ursprungs, weil aus Kot, und die uns auslöschen können, aber es nicht tun.“

„Genau. Sie haben es erfasst. Eine Antwort darauf?“

„Nein!“

Benkals Hände tasteten über den Tisch. Fühlte etwas, sah hinunter, auf seine Finger, spürte eine Art Kinderspielzeug, ein kleines Männchen, das unbestimmt auf dem Schreibtisch lag und drehte es in den Fingern.

„Erinnert mich an meinen Sohn. Ich sollte früher heimgehen.“ sagte der Leiter, zeigte Benkal sein flache Handinnenfläche, damit er es reinlegen konnte. Der Leiter nahm den Gegenstand und steckte ihn in eine Tasche.

„Ich bin ehrlich zu Ihnen, Benkal, ich habe wirklich kein Interesse gegen sie zu arbeiten. Und es mag sein, dass ich überheblich scheine, aber tatsächlich macht mir dieses Zeug viel mehr Angst, als es ihnen Angst machen könnte. Wir haben es mit einer Art selbständig denkenden Krankheitserreger zu tun, der noch dazu scheinbar Befehlen gehorcht. Und organisch ist. Er fungiert in einer Größe, in der wir seine Zusammensetzung im Grund nicht mal mehr Kot nennen können, aber durch die Vielzahl seines Auftretens scheint das die Quelle zu sein. Ich weiß nicht, wie ich es ihnen erklären soll – zum Einen sprengt es unser Wissen, zum anderen eröffnet es uns ein neues Universum der Möglichkeiten und schafft unser bisheriges Verständnis der Biologie komplett ab, stellt es auf den Kopf, verrührt es wieder und macht einen ungeniessbaren, unglaublichen Cocktail daraus, und ist damit das Geilste, was ich jemals sah, aber alles in allem, ganz am Schluss, ist es die Furchtbarste, schlimmste Waffe, die sich uns entgegen stellen konnte. Und ich habe keine Ahnung, woher sie kommt. Und all das, was ich ihnen nun versucht habe zu erklären, wird mir niemand glauben. Nicht mal sie tun das. Im Grund könnte ich mein medizinisches Fachgebiet an den Nagel hängen, und betteln gehen, denn sie halten mich gerade für einen Irren.“

„Nein,“Benkal schüttelte den Kopf. „Nein, das ist es nicht, aber ich habe anderes über Viren gelernt. Und auch über Kot, und Roboter. Nichts davon gehört in einen Satz, der so geformt ist, wie das was sie da von sich geben.“

„Genau, wir haben ein Problem.“

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Einleitung (Part 38)

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