Einleitung (Part 40)

(Liebe LeserInnen,

die Seuche scheint sich aufzuklären, oder auch nur ihre Herkunft, und eigentlich wäre es an der Zeit mal wieder nach Bankea zu schauen, um herauszubekommen, was dort passiert. Noch ist allerdings nicht geklärt, wie es weitergehen wird in dem Palast. Benkal hat eine Unterredung mit Shinquasz.

Wer alles als PDF lesen will, immerhin 160 Seiten, 427 KB, 55768 Wörter bzw. 354.662 Seiten, der sollte dieses Dokument downloaden: Ach, Bankea! Version 1.19

Und ja, falls ihr euch fragt, wieso das immer noch Einleitung heißt: Sorry, das ist wirklich noch die Einleitung. All das passiert, bevor die eigentliche Geschichte beginnt. Und die braucht Zeit. Sehr viel Zeit.

Ich wünsche euch viel Spaß.

Wer den Kram weitergeben will – natürlich, kein Ding, weitergeben. Nichts lieber als das. Downloaden, kopieren, speichern, im eigenen Blog verlinken undsoweiter. Ich würde mich freuen.

Jan Tälling)

 

Morkans Palast. Shinquasz Arbeitsräume.

Shinquasz schaukelte ein klein wenig auf dem Stuhl herum. Genug um Benkal endlich zu verwirren, zuwenig um runter zu fallen. Aber in diesem Zimmer, das so chaotisch, wie von einem Tornado zerwühlt und vermüllt aussah, machte dieses Verhalten einen vollkommen verrückten Eindruck. Shinquasz hatte sich eine Bühne eingerichtet, auf der er es sich mehr und mehr bequem machte. Er sass damit auf eine Art Thron, betonte seine Eigentümlichkeit, lebte eine abstoßende Energie aus und fixierte Benkal immer mal wieder mit dem Spiel seiner Pupillen.

Für Shinquasz waren die Randzonen weitgehend tatsächlich ein ausgesprochen nebulöses Gebiet. Es waren jene Planeten, die noch nicht die Kraft hatten sich an der Raumfahrt zu beteiligen, die dem Knoten daher noch nicht begegneten. Aber trotzdem gab es natürlich Freischärler, Ausgestossene, Reisende, Obdachlose, Schrottsammler und andere wilde Gestalten, die der Anarchie oder einer Romantik nachhingen, die ein Leben jenseits der Kartographie verlangte, und für die selbstverständlich genau diese Randzonen als Rückzugsort und Anziehungspunkt galten.

Dem gemeinen Bibliothekar begegneten dieses Gestalten selbstverständlich nicht auf dem geordneten, hochherrschaftlichen und uns bekannten Wegen. Dem gemeinen Bibliothekar blieben sie verborgen, entzogen sich ihm oder waren stark daran interessiert, ihre Erinnerungen nicht zu offenbaren.

Denn der gemeine Bibliothekar, ein jeder aus der selben Gattung wie Shinquasz und mit der selben flexiblen Berufsauffassung und der inneren Stimme, die mit allem, nur nicht mit Geld hadern konnte,  dieser Bibliothekar war der Feind.  Vor dem man nicht weit genug weglaufen konnte, weil man fürchten musste, dass er nichts lieber täte als Vergangenes wieder Lebendig zu machen und Lebendiges ein jedem zum Fraß vorzuwerfen.

Wie auch immer, für den Bibliothekar selbst waren sie natürlich die Leckerbissen. Die Gehirne und Herzen voll Stoff und Erinnerungen, die fast eigene Kategorien benötigten. Sie waren der Reiz eines ganzen Bibliothekaren-Lebens, der Höhepunkt der Laufbahn, das Schmuckstück eines jeden Archives und meist genau das, was man in den Folterkellern Morkans antraf. Leider. Bedauerlicherweise. Und oftmals hoffnungslos zerstört. Es war die bekannte Klage von Shinquasz, dass diese Wesen so zugerichtet wurden, dass man ihr undeutliches, unwissenschaftliches Wissen kein bisschen mehr auswerten konnte, außer man hatte sonst nichts zu tun und war eben Anhänger einer urigen Forensik.

Shinquasz war der Beste.

Hätten die Bibliothekare wählen können, so wäre er ihr Führer, ihre Quelle, ihre Inspiration geworden. Er wandelte durch die Gefilde Morkans, als wäre es sein Geburtshaus, als gäbe es ein Recht, eine Zukunft und ein endloses Leben. Nur er selbst und wahrscheinlich Morkan wusste, dass dem gar nicht so war. Nicht in der kleinsten Weise. Shinquasz war das Vorbild. Er wurde gerufen, wo man keine Ernte mehr vermutete. Er fand noch was, war gekränkt, aber lebte in dem Ruhm dieses Privilegs ja eigentlich ganz gut.

Shinquasz wurde von einer unheimlichen Unruhe befallen, und obwohl er versuchte, die Temperaturen innerhalb seiner Räumlichkeiten niedrig zu halten, wurde ihm warm. Er mochte die Verbindung von Hitze und körperlicher Anstrengung nicht. Er hasste es, wenn es unter seinem Federpelz zu tropfen begann, seine Augen tränten und die Konzentration nachliess. Denn die Konzentration brauchte er gerade mehr denn je. Ja, dachte er, da war etwas. Und je mehr er versuchte, es zu vertuschen und zu verdrängen, umso mehr drängte es sich ihm auf.

Die Vermischung, die Essenz und der Wust aus tausenderlei Erinnerungen der Feinde Morkans ergab ein unstetes, wackeliges und nicht fundiertes Bild der Randzonen, aber so sureal es war, und so schwer es blieb Traum und Realität zu unterscheiden, da war etwas, was ihm nun einfallen musste, als Benkal die Kombination aus bestimmten Wörtern erwähnte. Fern von diesem Virusquatsch, die dieser kleine Emporkömmling für bare Münze nahm, war eines tatsächlich durchaus stimmig. Und das in einer beängstigenden Art und Weise, der er nicht sofort nachgehen wollte.

Bei all diesen Weltengeschichten, die sich als Träume, Räusche, Pinkelpausen und Orgasmustheorien in seinen Archiven fanden (Gerade weil sie von zerstörten Hirnen immer nachgefüllt wurden) , in denen Fische plötzlich am Himmel fliegen, und Vögel kontinuierlich tauchten, in der fünfköpfige Drachen mit 22 Brüsten sich über weiche Klippen ins Meer stürzten und ähnlichen Kram, bei dem es einen vergehen konnte, -bei all diesen Weltgeschichten – , nahm er die Flugquallen, die über den Käferplaneten schwebten, einfach nicht ernst.

Der Käferplanet an sich, dieser Alptraum aus einer stinkenden, barbarischen Existenz, schien eine Geburt eines kranken, kaputten, hoffnungslos zerstörten Hirns, das sich ganz tief da hinein, oder davon weg sehnte. Auf jeden Fall war es für ihn unglaubwürdig und unbestätigt. Es gab nichts dergleichen, kein Bezugspunkt, den er annehmen konnte, keine ähnliche Evolution in dem bekannten Rahmen.

Wie konnte er an gallertartige Wesen glauben, die am Himmel wolkengleich schweben? Und die kleine Roboter fraßen?

Er hatte nicht mal gelacht. Er hatte es einfach nur vergessen.

Seine Augen sahen traurig auf Benkal.

„Es ist kein Virus. Definitiv nicht. Es ist eine Armee. Eine kleine, schlagkräftige Armee. Ich hatte vor langer Zeit, und ich weiß nicht mehr von wem, eine Erinnerung an Flugquallen gefunden. Ich hatte es verworfen, mich nicht mehr weiter darum gekümmert. Wer glaubt so etwas? Flugquallen. Diese Tiere schweben wolkengleich über einen Planeten, der nur und ausschließlich von Käfer bevölkert ist. Käfer. Tumbe Gesellen, die noch nicht mal fliegen können, aber sich abartig schnell vermehren. Verrückt. Haste nicht gesehen gibt es schon eine neue Generation. Hat mich überrascht. Hielt ich für einen Albtraum.“

‚Und was bitte hat das mit der Seuche zu tun?“

„Moment, lassen sie mich ausreden,Zinnsoldat der Palastwache. Diese Flugquallen ernährten sich von kleine, winzige Miniaturroboter, die sich in derAtmosphäre bewegten. Sie waren angeblich so groß wie Mikroben. Plankton der Luft. Wundersam vernetzt, einem geheimen Befehl folgenden. Erschaffen aus dem, was da war. Vollkommen Organisch. Regenerativ. Allein zum Zweck riesige Amöben zu ernähren, die irgendwie am Himmel schweben und die Sonnenstrahlen davon abhalten die beschmutzte Erde der Käfer zu berühren. Es hatte etwas poetisches darüber nachzudenken. Und Künstler mögen sich solch einen Müll vorstellen, aber bitte wo sollte es das geben? Kleine, winzige Roboter, geschaffen von einer Art höheren Intelligenz, die durch Abwesenheit glänzt, weil da nur niedere Lebewesen eine Art Wohlfühl-Oase bevölkern? Und diese kleinen mechanischen Wunder, die ich mir nicht mal vorstellen kann, deren Bilder nebulös sind, schwirren in Formationen durch die Luft? Schwarmweise. Wild. Ungesteuert. Vergleichbar mit kleinstlebewesen im Meer !“

Er hielt kurz innen und blickte Benkal direkt in die Augen.

„Hören Sie, Offizier. Ich bin Bibliothekar, ich brauche mehr Informationen . Wir reden hier über etwas das sich in der Randzone abspielt und dort war es keine Bedrohung, maximal ein Naturschauspiel.  Und sonst nichts. Kein Mord, kein Totschlag, auf einer Welt, die ich selbst als Seuche bezeichnen würde, so wie ich den Überträger der Nachricht,  als Seuche bezeichnen könnte. Denn dieser großartige Murks klebt wie ein widerliches Kaugummi in meinem Archiv.  Wird hart, wird fest, richtet es sich auf die nächsten tausend Jahre ein und lässt sich dort nicht mehr lösen. Toll, nicht wahr? Nicht wahr? Das ist toll. Sie brauchen nicht zu nicken. Tatsächlich brauchen sie gar nicht von sich zu geben. Nur erklären sie mir das. Versuchen sie es mal. Bevor eine Verdächtigung daraus wird. Bevor ich mich zerreisse vor Neugier, und ihr Hirn röste, mein kleiner Nachtwächter. Diese Roboter waren nicht mehr als einfache Nahrung, ohne Auftrag, leblos und regungslos wie die Reste einer durchvögelten Nacht. Nicht mehr. Nichts sonst. Ich verstehe nicht wie so etwas auf dieses Schiff gekommen sein soll. Wir bewegen uns in einem der zivilisiertesten Knoten, sind Äonen von diesen Schrottplaneten weg, die noch bis zu unserem Lebensende in der Entwicklung feststecken.  Wo bitte ist da der Zusammenhang, außer das meine Archive anfangen zu spucken, wenn mir jemand eine solche, wilde Geschichte erzählt. Doch zurück zu ihr. Zum Punkt, mein kleiner Gardeoffizier. Kommen wir zum Punkt.

Sie sprachen von zwei Toten. Zwei? Von wem sprechen sie? Wir müssen den Weg zurückverfolgen. “

„Es handelt sich um einen Piloten und den Leiter der Flughallen….“

„Pilot? Wie hiess der Pilot? Sagen Sie mir den Namen! Ich brauche einen Namen. Geben Sie mir einen Namen. Verflucht nochmal, lassen sie sich doch nicht alles aus ihre winzige Nase ziehen, Mann! Soldat! Kerl!“

„PaulbauI hieß der Pilot. “

„Verdammt“Shinquasz sprang auf, rannte durch sein Arbeitszimmer, hüpfte auf den Tisch, rannte darauf hin und her, sprang wieder herunter und stürmte mit wehenden Federn und fluchend durch die Wäschestapel.

„Verdammt! Verdammt! Verdammt! Dieser bescheuerte Arzt, dieser irre Doktor, dieser verrückte Spinner! Was war denn noch alles auf diesem verfluchten Schiff?  Dieser Höllendampfer, dieser Pissetanker, dieses Beiboot des Bösen.“

Benkal verfolgte ihn entsetzt. Bei diesem Vogel schien nun endgültig alles durchgebrannt. Er verstand nichts, was für ein durchgedrehtes Federvieh! Wie konnte man so ein unbeherrschtes, gnadenlos wirres Wesen nur in die Nähe des Rates lassen. Er straffte seine Haltung, vergewisserte sich seines Gurtes, der Waffen und der dazugehörigen Utensilien. Würde ihm das Vieh zu Nahe kommen, würde er es zu einem Aschehaufen in diesem Universum verabeiten. Der Verwerter würde bei der Spurenbeseitigung helfen. Gnadenlos.

Und immer noch schlug sich Shinquasz mit der kralle gegen den Kopf . Und dann mit dem Kopf gegen den Tisch. Und fluchte.

„Verfickte Scheisse!“

„Elender Mist!“

„Verdammter Dreck“

Er schimpfte sich in Rage, schrie die Decke an, jagte wie tollwütig umher.

„Ich „brüllte er spuckend Benkal an. „Ich war das! “

Er trat einen Wäschestapel, dann ein Tischbein und wollte schließlich auf Benkal losgehen, stoppte aber kurz vorher und wiederholte noch mal leise: „Ich, du blöder Zinnsoldat, war das. Oh, wärest du doch nicht zu mir gekommen! “

Er wirbelte herum, zuckte ein wenig und machte den Eindruck als suche er etwas.

„Ich muss dich umbringen, mein kleiner Zinnsoldat. Scheissescheissescheisse! „

Advertisements
Einleitung (Part 40)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s