Einleitung (Part 43)

(Liebe LeserInnen,

da es gestern, wegen der Buchmesse, keinen Teil gab, gibt es heute zur Nacht noch einen kleinen Nachschlag. Part 43 wendet sich wieder mal dem Schiff der Mission zu, und klärt darüber auf, was denn so passiert mit dem guten Jeelbee, auf den keiner hören wollte.

Für die, die gerne alles im Zusammenhang lesen, gibt es die gebündelte, fette PDF-Version zum Download. Ist mittlerweile so eine Art „Authors Cut“, weil sich nun – neben der reinen Fehlerkorrektur – teilweise auch intensivere Beschreibungen bestimmter Szenen finden. Das heißt, der Handlungsablauf ist auf jeden Fall noch gleich, allerdings unterscheidet sich die Formulierung hier und da von der Blog-Version. Und – wie immer – es gibt auch einige, peinliche Fehler, die mir wieder aufgefallen sind. Für jeden Fehler ein großes Sorry,  aber ich gebe zu: Egal, wie oft ich mir das durchlese, jedes Mal fühlt es sich wie das erste Mal an, und ich entdecke etwas Neues.

Lange Worte, hier ist sie, die PDF-Version, angewachsen auf 173 Seiten: Ach, Bankea! Version 1.22

Viel Spaß damit.

Jan Tälling)

Das Schiff der Mission

„Das ist eine Scheisse!“

Dr. Obenko sah mit verzweifelter Miene auf Jeelbees Körper. Seine todtraurigen Augen betrachteten den kleinen Kopf, die entsetzliche Lage, in der sich das alles befand, was noch vor kurzem in seinem Büro sass und die Hände, die nun so gar nicht mehr zu all dem passen wollten.

Der kleine Kopf wirkte als sei eine gigantische Fräse einfach so, ohne Rücksicht, über das Gesicht gefahren. Die Haut, aber auch die Nase und überhaupt alles, war quasi weggehobelt. Einfach verschwunden. Und nur der blanke, blutige Knochen seines Schädels war zu sehen, als ob ein Tier ein Werk vollendet hätte. Aber dieses in Windeseile, und sowieso in einer ausgesprochen beeindruckenden Geschwindigkeit.

Nichts mehr war zu sehen, von dem bekannten Sänger, dem Star auf seiner Welt, dem Mann, den man zum Mond geschickt hat, um die Kolonien aufzumuntern. Die ganze, komplette Schönheit seines Antlitzes war dahin. Stattdessen umgab ihn eine erschreckend große Blutlache, in der wohl Teilchen seiner Haut und des unterfütterten Fleisches schwammen.

„Das ist eine grosse Scheisse!“ bekräftigte Dr.Obenko sich selbst noch mal und drehte den Kopf vorsichtig mit dem Stift hin und her. Warum er das machte, das wusste er, nach dem er es getan hatte, selbst nicht so genau. Denn alles was er sah, wurde weder schöner, noch erklärbarer, noch neuer oder sonst irgendwie. Es war einfach nur furchtbar.

Jeelbees Hände und Füße sahen aus, als hätte sie jemand mit Wollust und Vergnügen übermässig aufgepumpt. Sie wirkten abstrus im Zusammenhang mit seinem Körper und vor allem im Vergleich zu seinem Kopf hatten sie natürlich gigantische Ausmaße. Jeelbee war komplett aus der Form geraten, und Dr. Obenko wusste beim besten Willen nicht, wie er das den „Fünf Silberlingen“ klarmachen sollte. Nicht nur, dass der Planet einfach so im All zu Staub aufgelöst wurde, damit der Gedanke an Fortpflanzung obsolet war, nun war die Karriere der Musikgruppe zusätzlich ein für allemal vorbei, denn sie hatten ihren Sänger verloren, der ohne Zweifel hochbegabt, aber auch schwer depressiv war.

Dr. Obenko fuhr sich über seine Lefzen, wischte etwas Speichel ab, der schon wieder zu tropfen begann und sah sich in seinem Gang um. Es war ein fürchterlicher Platz zum Sterben. Die Beleuchtung lag im Argen, spendete nur diffuses, flackerndes Licht, der Rost des Raumschiffes war überall zu sehen, die Rohrverkleidungen waren zum größten Teil entfernt, so dass die klimatischen Bedingungen zwischen einer schwülen Hitze und den Gefriergraden weit entfernter Welten, die nicht von einer Sonne begünstigt waren, schwankten und zudem war der Boden ebenso durchgetreten wie man vermutet hätte. Das hieß, zwischen all den Kondenslachen, die sich bildeten, sorgten die offenen Gitter für entsprechenden Durchlass. Im Prinzip war auch das Blut von Jeelbee schon auf dem Weg durch die unteren zwei Stockwerke.

Das war unbefriedigend. Und gehörte nicht zu den Dingen, die Dr. Obenko gefallen konnten. Er machte diesen Job seit vielen, vielen Monden und Ruhephasen. Er war die einsame Macht, die ewige Konstante, der, der das Ding am Laufen hielt, die Erfahrung und Durchsetzungskraft hatte. Mit einem weichen Herz und einer flauschigen Pfote, versteht sich. Aber was ihm gerade nicht gefiel, das war, dass alle Anzeichen auf etwas deuteten, das mehr und mehr außer Kontrolle geriet.

Er griff in seine rechte Jackentasche und holte einen komprimierten Plastiksack heraus. Klein genug, um gefaltet in einen Fingerhut zu passen, war er nun in der Lage auf die Größe Jeelbees auseinander gelegt zu werden, so dass er Jeelbee problemlos reinpacken konnte. Die Schmiererei bei all dem Blut war nicht angenehm, aber Dr. Obenko wußte sehr genau, wie man mit dem Blut der Toten umgehen musste, und vermied den Kontakt. Den Stift schmiss er mit einem bedauernden Blick mit in den Sack. Die Blutlache machte ihm jedoch am meisten Sorge. Es war kein Problem sie zu gefrieren, weg zu duschen oder auf anderem Weg entsorgen zu lassen. Aber dass diese Flüssigkeit einen oder zwei Stockwerke tiefer ebenso vorhanden war, das bereitet ihm konzeptionell keine richtige Freude. Er konnte den Kontakt vermeiden, so gut und so gerne, wie er wollte.  Die Ahnung, dass es damit nicht vorbei war, beschlich ihn sofort. Vor allem, als er sah, dass sich eine Horde Käfer relativ lässig am Ende des Ganges an die Wand lehnte, als ginge sie das alles nichts an.

Sie knusperten scheinbar unbeteiligt vor sich hin, und allein das Geräusch wirkte so konspirativ, dass es alles andere als vertrauenserweckend war. Dr. Obenko blickte zu ihnen, machte eine Armbewegung, als wollte er sie wegscheuen, aber es gab nur ein mehr oder weniger entrüstetes Aufrauschen ihrer starren Panzer, dann verfielen sie wieder in ihr unverständlichen Knuspern und Krächzen. Er verstand nur zu gut, warum Jeelbee das nicht geheuer war. Ihre Anzahl war unverständlich groß, ihre Flügel hatten komische leuchte Farben, aber hier und dort wirkten sie heruntergekommen, hatten Dellen, Kratzer und überhaupt machten sie den Eindruck einer ungehobelten Bande von Räubern und Wegelagerern, die zu feige waren, näher zu kommen.

Gut, das gefiel Dr. Obenko nun auch nicht. Aber er hatte einen Job zu tun, und riss einen Schlauch aus der Wand, suchte den passenden Knopf, und  sprühte das Schlachtfest wenigstens in diesem Gang weg. Das Blut verflüssigte sich, wurde dünner, bildete Wolken, wirkten rosa und verschwand in den Abflusskanälen, aber auch irgendwo im Gitter. Wer sich wundert, das Dr. Obenko so schnell einen Schlauch fand, darf sich gerne auf jedem Flüchtlingsschiff vergewissern: Diese Wasserschläuche sind Pflicht, finden sich alle paar Schritte und sind wahrscheinlich genau für solche Gelegenheiten implementiert. Tat ja auch seinen Zweck.

Die Käfer hatten das mit missmutigen Grummeln beobachtetet. Sie standen mit dem Rücken zu Dr. Obenko, tuschelten mit einander und warfen ihm Blicke zu, die einfach nichts Gutes verraten wollten. Er war nicht gerade beunruhigt, aber die Vorstellung jetzt durch sie durch zu müssen, gehörte nicht zu den Schönsten dieses Tages. Außerdem musste er den Sack mit Jeelbee hinter sich herziehen. Schultern wäre auch möglich gewesen, aber das eine, wie das andere wirkte seltsam. Er hätte ihn gerne gleich in den Verwerter gesteckt, aber er fürchtete, die „Fünf Silberlinge“ würden das missverstehen, und aus sentimentalen Gründen einen Blick auf die Leiche wünschen.

Also stand er auf, packte das Kopfende des Sackes mit einer festen Faust, und ging auf die Käfer zu.

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Einleitung (Part 43)

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