Einleitung (Part 44)

(Liebe LeserInnen,

heute morgen habe ich festgestellt, das mir in der Vergangenheit ein Teil der Synchronisierung einen Streich gespielt hat, und mir im PDF zwei Seiten Korrekturen verloren gingen. Ärgerlich. Ich synchronisiere einen großen Teil der Texte mit Dropbox, JotterpadX und Scrivener, und habe zusätzlich mit FolderSync im Hintergrund synchronisiert. Und letzteres war dann des Guten zuviel. Foldersync hat es irgendwie geschafft, Änderungen wieder rückgängig zu machen. Lag aber eher an meiner Einstellung als an dem Programm selbst.

Mittlerweile habe ich meine Arbeitsweise ein bisschen geändert. Ich komme ohne ein grobes Outlining, ohne einen groben Überblick nicht mehr zu Rande. Meine Handlungstränge  verzweigen sich, die Zahl der handelnden Personen nimmt dramatisch zu, und ich muss zum ersten mal überlegen, was ich mit den Charakteren mache. Das heißt : Ich brauche ein bisschen mehr Struktur.

Es ist nun der 44ste Teil, 182 Seiten sind beschrieben, knapp über 64.000 Wörter, und was bisher reine Improvisation war, das wird nun zum Handwerk mit Disziplin und einem Plan. 

Das heißt konkret: Ich lege mir am Tag eine grobe Struktur fest, die ich im Moleskine fixiere, in Evernote einspanne, und mit dem Smartphone verfeinere. Abends übertrage ich die Notizen in Scrivener auf eine Karteikarte, und versuche den Hauptteil davon in diesem Rahmen zu schreiben. Das gelingt mir mehr oder weniger, aber gibt mir die Chance mit einem Ziel zu arbeiten. Was das Schreiben enorm erleichtert. 

Ich hatte kürzlich in einem Blog von einer Autorin gelesen, die pro Tag ca.10.000 Wörter schreibt, in dem sie sich morgens einen Notizzettel verfasst, auf dem sie zusammenfasst, was sie schreiben möchte, grob schon mal alles festlegt, und dann stur diesem Plan folgt. Ich denke, das könnte funktionieren. Müssen ja nicht 10.000 Wörter sein, das ist ja ein bisschen heftig, aber das planvolle Vorgehen, das Plotten, kann schon sehr hilfreich sein.

In diesem Sinne gebe ich euch noch schnell das PDF zum Download mit allen Teilen und Erweiterungen: Ach, Bankea! Version 1.23

Und wünsche euch viel Spaß damit!

Jan Tälling)

 

Das Schiff der Mission.
Zuerst sah es so aus, als wollten sie den Platz frei machen, doch ihre Bewegungen waren einheitlich misstrauisch, bestenfalls zurückhaltenden und irgendwie viel zu langsam, als das sie ihm wirklich den Weg freimachen wollten. Die Absicht war für ihn nicht klar erkennbar. Dr.Obenko stellte sich auf das Schlimmste ein.
Die Ersten legten ihre Köpfe schief, und obwohl die Größten von ihnen ihm gerade mal bis zur Hüfte reichten, versuchten sie eine bedrohliche Miene auf zu setzen, und ihm damit Respekt einzuflössen. Irgendwie, dachte er, könnte ihnen das auch gelingen. Er wischte sich mit dem freien Ärmel übers Maul, schob den Kopf vor, wirkte bulliger, ging breitbeiniger, direkt auf sie zu und war auf alles gefasst. Er hatte Jeelbee gesehen, und der sah wirklich mies nach seinem Zusammentreffen mit diesen Gesellen aus. Er hatte das nicht ernst genommen, aber jetzt wo er Jeelbees Leiche hinter sich herzog, war er auf alles gefasst. Mochte kommen was wollte.
Er hatte nicht in Erinnerung, dass er so viele von Ihnen auf das Schiff geholt hatte. Das war ja unglaublich. Diese Menge hatte ein beunruhigendes Ausmaß angenommen. Irgendwie ging es ihm immer nur darum, eine bestimmte neue Population zu ermöglichen, aber das hier war fast die ganze Käferpopulation, die er in Erinnerung hatte. Gut, sie hatten keine Angst vor Körperkontakt, daher konnte er sie auf kleinstem Raum unterbringen, aber dieses Geraschel erreichte eine zermürbende Größenordnung und das Geknacke der Chitin-Panzer hatte einen solchen aggressiven Unterton, wie er eigentlich nicht hier her passte. Sie wirkten im Grunde wie eine Bande von Straßenräuber und er kam sich dabei wie die Beute vor. Er sah auf seinen Ärmel, an dem noch sein Speichel hing, ballte die Faust, fixierte unbestimmt einige von ihnen und zog Jeelbees Leiche fester. Er hörte das Rutschen des toten Körpers und wusste, das Blut würde, obwohl er versucht hatte alles wegzuwischen und zu beseitigen, eine leichte, rosa Spur hinterlassen. Er wusste auch, dass sie die vergorenen Körperflüssigkeiten ihrer Kameraden riechen mussten, die noch an Jeelbees Hosenbein hingen. Er hatte ja keine Ahnung, wie sie kommunizierten. Dieses Geschmatze und Geknirscht kam ihm nicht wie eine Kommunikation vor, eher wie eine fortdauernde Zustimmung, der sie sich gegenseitig versicherten.
So, als würden sie sich ständig die Hände reichen, schlimme Dinge planen und gerade überlegen wie wohl Dr. Obenko am ehesten als Leckerbissen munden würde.
Es waren nun nur noch Augenblicke, die ihn von den Käfern trennte. Und was er bisher nicht glaubte, das wurde nun klar erkennbar: Er konnte sie unterscheiden. So unheimlich ihm das vorkam. Die Kerlchen waren nicht nur ein Abbild ihrer selbst, sondern sie besassen sehr eigene Gesichter und Persönlichkeiten. Sie rieben sich die Chitin-Händchen und stemmten die Ärmchen in die Hüfte und hatten es wohl ganz klar erkennbar auf ihn oder Jeelbee abgesehen. Er sah kleine Fäuste, die hochgereckt wurden, eine Art Chorgesang, die sich eher wie gemeinsames Scharen anhörte, so wie lautes kicherndes Quietschen in dem einen oder anderen Eck, das einem kaputten Scharnier glich und darauf hindeutete, dass sie einen abgefeimten Plan oder etwas ähnliches ausheckten.
Sie wichen nicht, sie schlossen sich, und auch wenn er das grundsätzlich für eine ausgesprochen dumme Idee hielt, gab es von ihrer Seite wohl kein Zweifel an diesem Vorgehen. Bis er den ersten von ihnen beiseite kickte in dem er einfach weiterging. Er war überrascht. Es ging fast zu einfach. Die wogen ja überhaupt nichts. Das waren ja die Fliegengewichte der Natur, und so strebte er durch ein kleines Meer aus Käfer, das er wie ein Dampfwalze durchfuhr, beiseite hieb und am Kragen lüpfte und einfach hinweg kickte. Er hätte mit ihnen reden können, aber , hey, sagte er sich, das ist eine Leiche, die ich hier mit mir führe. Welches vernunftbegabte Wesen versucht einen Mann mit einer Leiche aufzuhalten?
Unablässig teilte er die Käfermenge, hieb sich durch, warf sie hinter sich, kickte sie zur Seite, liess sie einknicken, donnerte ihnen die Faust gegen den Panzer, hörte das Knacken, das Krachen und die komischen Töne, die klangen wie entweichende Luft aus einer Plastiktüte. Sehr eigenartig, dachte er und schmiss zwei auf einmal hinter sich.
Er hatte wirklich Angst vor ihnen gehabt, er spürte das Blitzen in ihren Augen, die wilde Aggression ihrer Sprache, das Trippeln derjenigen, die hinter ihm gelandet waren und nun zu einer besseren Position hinkten. Er hatte auch hier und etwas feuchtes an seinen Händen, dass roch wie modriges Marzipan, aber er kam voran. Und das obwohl die Menge dichter zu werden schien, als ob sie näher zusammenrückten.
Als er nach hinten sah, da bemerkte er, dass sie auf Jeelbees Sack saßen und versuchten, still und heimlich, komisch kichernd, sich darüber herzumachen. Schneidewerkzeuge dramatisch schärften und in den Sack stachen. Überall wo sie rein stachen, entwich eine unglaublich stinkende Luft, wie man sie nicht innerhalb so kurzer Zeit vermutet hätte. Jeelbee stank wie ein Butterfass, das in der Sonne zu Wein werden sollte, oder etwas ähnlichem. Dr. Obenko hätte sich gerne die Nase zugehalten, aber die Hand, die so etwas hätte machen können, warf weitere fünf Käfer nach hinten. Teils am Fuß, teils am Kragen. Er konnte sich nicht um Details kümmern, immerhin sah er bereits so etwas wie das Ende des Käfermeeres. Und das war Hoffnung.
Hatten sich diese Narren wirklich eingebildet, sie könnten ihn aufhalten? Er spürte die Verrohung geradezu, die eintrat, als der dem bestimmt fünfzigsten Käfer mit der flachen Hand ins Gesicht schlug, ihn hinter sich warf und etwas zerbrechen hörte. Es wurde immer einfacher, immer unproblematischer, immer leichter. Es war ihm so egal. Er klatschte sie an die Wand, hieb sie vor sich, hinter sich, in die Heizungsrohre an der Decke und schüttelte immer wieder wütend den Sack mit Jeelbee.
Als er bei den fünf Silberlingen ankam, sah der Sack aus wie Jeelbee selbst. Abgerieben, verbraucht, komplett blutig, und total abgerissen.
Mulbee, Tschilbee und Filbee standen an der Tür, doch Dr. Obenko wunderte sich fast, dass er ihre Namen kannte, und er fragte den zurück gebliebenen, der etwas im Hintergrund stand und sich bemühte eine ernstes Gesicht dazu zu machen: „Und wie ist dein Name!“
„Bengbee! Aber das ist ja entsetzlich!“ stieß dieser aus. Hielt die Hand vor den Mund und sagte dann erstmal nichts mehr.
Filbee riss sogleich am Sack und wollte ihn öffnen, doch Dr. Obenko, dessen Kleidung nach vergorenem Marzipan roch, und der besudelt war von Kopf bis Fuß, drängte ihn mit der freien Hand, die ebenso verklebt war, erstmal zurück.
„Zurück, Filbee, das willst du nicht sehen!“
„Aber doch will ich das sehen!“
„Nein, im Ernst, das denke ich nicht. Das ist Jeelbee!“
„Aber das ist ja entsetzlich!“ Stiess nun auch Filbee hervor. Wandte sich ab und schluchzte herzzerreißend.
Mulbee, der hinter ihm stand, hielt ihn, selbst wankend, reichte ihm ein Taschentuch und fiel in das allgemeine Wehklagen ein. Auch er wollte Jeelbee sehen.
„Ich will Jeelbee sehen!“
„Das willst du nicht,“ sagte Dr. Obenko mit zuckenden Schultern „Es ist wirklich kein schöner Anblick. Wirklich nicht. Eigentlich ist es das Unschönste, was man sich ansehen kann. Im Grunde gibt es es nur Alpträume. Und ja, es ist entsetzlich.“
„Wie sieht er aus?“ Fragte Mulbee.
„Er hat kein Gesicht mehr!“
„Er hat kein Gesicht mehr? Er hat kein Gesicht mehr? Um Himmels willen, das kann ja nicht sein. Das ist ja furchtbar. Es ist entsetzlich….“
„Ist es.“ Wiederholte Dr. Obenko mit einem gesenkten Kopf.
„Was werden sie mit ihm machen.?“
„Nun, es ist noch nicht raus, wann wir auf einen aufnahmewilligen Planeten treffen werden. Ich werde ihn hier nicht unterbringen können. Wir haben keine Kühlkammer, daher landet alles Tote im Verwerter. Man mag sich über die Ethik streiten, und wir wissen natürlich, dass viele Völker ein kleines Problem mit dem Verwerter haben, aber im Grunde ist es eine sehr nette Sache, die sie sicher gerne unterstützen. Ich könnte ihnen einige Prospekte überlassen.“
Dr. Obenko zuckte mit den Schultern.
„In den Verwerter? Sie meinen, dort, wo der Müll hinkommt…“
„Nun, eigentlich sind es Rohstoffe.“
„Dort wo der Müll hinkommt?“
„Naja, nach dem Prinzip der Energieerhaltung ist es mehr als vernünftig…ich meine, so sind wir autark. Ich brauche ihnen nicht zu sagen, was das Gegenteil von autark ist….“
Mulbee zerfiel in seiner Trauer, seine Augen rollten hin und her, füllten sich mit Wasser und er schnäuzte in seinen Ärmel.
„Er war der Schönste von uns! Wir können nicht mehr ohne ihn existieren.!“
Tschilbee pflichtete ihm sogleich bei „Ohne ihn geht nichts mehr!“
Filbee nickte nur, und Bengbee sah aus, als würde er gleich kotzen und Dr. Obenko betete, dass er das doch bitte nicht tun möchte.
„Die fünf Silberlinge werden ohne Jeelbee nicht mehr existieren können.“
„Und das heißt?“ fragte Dr. Obenko schnell.
„Es wird niemals vier Silberlinge geben..“
„Ich dachte…“
„Nein, sie sind ein guter Mann, Dr. Obenko. Aber wenn einer in den Verwerter kommt, dann werden alle dem Verwerter überantwortet. Das muss so sein, wir sind eine Gruppe, wir existieren nicht alleine. Diese Zeiten sind vorbei. Und ohne Jeelbee sind wir nichts. Wir gehen in den Verwerter.“
„Der Verwerter nimmt nichts Lebendiges..“
„Das mag ein Problem sein, wird uns aber nicht hindern, Dr. Obenko!“

Bankea
Papenka hob mich vom Boden hoch, wickelte mir ein Tuch zwischen die Hüften und hängte mich wie eine Reisetasche an ihre Seite. Ich hing etwas seltsam in der Luft, strampelte und gluckste ein bisschen, aber so nahe an ihrer Haut war das durchaus angenehm. Sie duftete nach allen feinen Blüten des Waldes, nach Honig und nach Früchten. Ihre Haut war weich wie samt, und hatte Töne, die mich anschmiegen und ein bisschen sabbern liessen. Ich mochte ihren Geruch, ich liebte ihn, ich schlief darin, ich atmete ihn. Ich verfing mich darin, und fiel in meine Träume. Ich weiß noch, dass sie mich anlächelte, dann war ich weg, und bekam überhaupt nicht mehr mit, wie sie Karree aufhoben und meinem Vater umbanden.
„Wir müssen zu den Kelloms!“ sagte meine Mutter entschlossen, und in genau diesem wunderbaren Ton genoss sie es, dass keiner ihr mehr Widerworte geben wollte. Mein Vater hatte sich das schon lange abgewöhnt. Für meinen Vater war klar, dass er sich diesem Entschluss unterordnen musste, denn so richtig wußte er weder etwas mit Johsz noch mit Quas anzufangen, an die knochige Gestalt von Koerma begann er sich jedoch gerade zu gewöhnen. Und seine Vorstellungskraft ging mit ihm bereits spazieren.
Koerma jedoch schien anderer Meinung als Papenka „Ich verstehe nicht….“
„Ernsthaft, Koerma, ich verstehe das alles noch viel weniger, aber was ich am seltsamsten finde, und damit gar nicht vereinbaren kann, dass sind die Kelloms. Ich kann dir ein ganzes Kochbuch mit Speisen geben, dass ich geführt habe, in denen ich die köstlichsten Mahlzeiten mit ihnen zubereitet habe, und nun sind es diejenigen, die uns zusammengeführt haben. Und alles in allem bedeutet das: Sie sind wohl intelligenter als wir alle zusammen. Was mich erschreckt. Und fasziniert, aber auf jeden Fall dazu bringt, sie suchen zu müssen.“
Quas hatte noch eine Tasse in der Hand, ein schmerzverzerrtes Gesicht und wirkte immer noch nicht so, als wollte er besonders viel reden, aber hob mit einem schiefen Grinsen an. „Ich möchte ja schon glauben, dass die Fellknäuel intelligenter sind als ihr, aber bisher habe ich noch keinen Grund gefunden ihnen mehr als uns zu zutrauen.“
Burkim hob drohend eine Faust und lachte „Ihr seid hier gestrandet, wir sind die Wilden, also hütet euch davor, frech zu werden. So wie ich das sehe, ist euer Schicksal sowieso schon besiegelt.“
Hier setzte Papenka wieder ein. „Das ist der Punkt. Darum geht es hier. Was passiert mit euch? Warum seid ihr nur Kopien? Und wird man euch holen? Wird Bankea interessant sein? Es gibt Gründe, die schon Koerma anführte, die dafür sprechen, das wir Besuch bekommen, egal ob wir das wollen, oder nicht. Sollten wir Besuch bekommen, dann will ich darauf vorbereitet sein, wie auf jeden Besuch. Das ist bei uns so üblich. Die Kelloms jedoch scheinen mehr zu wissen, mehr zu ahnen, und mehr zu kennen. Sie wusste sofort, wo ihr gelandet seid, wie man mit dem Schiff umgehen muss, und das ihr Kopien seid. Und das wusstet ihr nicht mal selbst. Was erschreckend ist, denn wir sind die Wilden, und ihr die Kopien“.
„Gut,“ Quas hob die Hände „ Gehen wir die kleinen Fellknäuel suchen. Ich halte nicht viel von der Idee, aber tun wir es.“ Er setzte die Tasse ab, Johsz nickte ihm zu, und Burkim ging mit Karree bereits zur Tür.
„Warum nehmt ihr die Kinder mit?“
„Vermutlich wird es länger gehen. Mit mir hat noch nie ein Kellom geredet. Es wird eine Weile dauern, bis es mit mir spricht, nehme ich an.“ meinte Papenka und reichte Quas, wie auch Johsz einen Sack mit getrockneten Früchten, Nüssen und gepökeltem Kellomfleisch.
„Fleisch?“ Fragte Johsz mit einem zweifelnden Blick nachdem er der Sack geöffnet hatte.
Papenka zuckte mit den Schultern, schlang ein weiteres Tuch um mich und grinste ihn an.
„Es wird ihnen nicht gefallen, aber sie werden es sowieso wissen, also was soll ich tun? Frische jagen?“
„Vielleicht solltest du damit ganz allgemein aufhören.“
„Das hat Zeit.“

Morkans Palast. Vor Zirmjas Kajüte.
Mit einer Hand hielt sie die Waffe in die Herzgegend der Männer, den Finger am Abzug, das Schwert in der anderen Hand. So gingen sie langsam raus, den Mann in der Mitte. Tenx entwaffnete einen der Männer, wog die Waffe in seiner Hand, entsicherte sie und schoss in die Decke.
„Verdammt, Tenx. Was soll das? „ Fuhr Zirmja ihn an.
„Sorry, aber ich musste wissen, ob die Waffe irgendwie auf ihn geprägt war. Wäre blöd so etwas erst im Ernstfall zu bemerken.“
„Die Männer tragen Schutzanzüge. Jegliche Prägung würde dadurch blockiert. Außerdem verzichtet das Med-Team auf so einen Blödsinn, das ist etwas für euch Offiziere. Sowieso ein komischer Kult.“
Sie stand fünf Mitglieder des Med-Teams gegenüber. Sie hoben die Hände, blieben unbeweglich, sagten kein Wort, aber liessen sich ohne Widerstand entwaffnen. Zirmja und Tenx nahmen ihnen alles ab, schob es sich in die Stiefel und Hosen und gingen langsam rückwärts in den Gang hinaus. Den Verletzten zogen sie hinter sich her.
„Ist er infiziert?“ Fragte einer der Männer schließlich.
Zirmja zuckte mit den Schultern. „Halten sie mich für infiziert?“
„Wir sollten sie lediglich in Quarantäne mitnehmen.“
„Ihre Patienten sind alle tot, oder?“
„Das waren sie schon, als wir sie ins Labor brachten. Das lag nicht an uns.“
„Das heißt zum Einen, sie haben keine Gegenmittel, wissen nicht, was das ist, können es nicht behandeln, und wollten uns trotzdem in Quarantäne bringen. Erstaunliche Methode.“
„Wenn sie infiziert sind, dann geht es nicht nur um ihr Leben..“
„..habe ich es nicht, dann werde ich mich garantiert in ihrer Quarantäne anstecken. Danke, verzichte. Passen sie auf, wir gehen folgendermassen vor. Wir nehmen ihn hier mit. Sie können versuchen uns zu folgen, aber dann schmieren wir seine Gliedmassen mit all seinem Blut an jeder Tür in diesem Gang bis nichts mehr von ihm übrig ist, und sie ihn irgendwann wieder zusammensetzen dürfen. Ist er infiziert, dann ist ab sofort dieser Gang die Hölle. Ist er es nicht, dann gut für den Gang, oder? Schlecht für ihn. Riskieren sie mal was.“
„Wir müssen sie töten..“
Tenx eilte herbei, hielt dem Sprechenden die Distanzwaffe an den Kopf, zog den Abzug und sagte leise: „Ihre Beteiligung daran können wir jetzt schon ausschliessen, wenn sie wollen. Treffen sie nun eine Entscheidung, und ihr Hirn hat ein großes Loch, dessen Inhalt irgendwo hinter ihnen an der Wand kleben wird.“
Der Mann schwieg.
Zirmja fuhr fort. „Gut, wir gehen. Sie warten. Sie warten so lange, bis man von ihnen verlangt, uns zu folgen. Man wird sie rufen. Gehorchen sie den Befehlen. Sehen wir sie jedoch, dann verliert er hier seinen Hand, seinen Arm, seine Nase, irgendein Ohr, oder sonst etwas, was uns gefällt. Stellen sie uns nicht auf die Probe.“
Langsam ging sie rückwärts. Der Gang war leer, keine Händler, keine Soldaten, keine Mägde, nur fernes Getuschel. Sie zog den Verletzten mit sich. Langsam Tenx hatte das Schwert eingesteckt, hob zwei der Pistolen hoch, richtete die Strahler beidhändig auf das Med-Team, versuchte zu grinsen, wirkte aber nur verschwitzt, zweifelnd.
Die Männer, die langsam kleiner wurden, standen abwartend da. Im Grunde, das wußte Zirmja, waren sie wie die Tiere, die sie aus ihrer Jugend kannte. Sie würden ihnen folgen, so lange sie konnten, sie würden an ihnen dran bleiben. Dieses war kein Planet. Dieses war ein Raumschiff. Mit Scannern überall. Es war ziemlich unmöglich, hier unentdeckt zu bleiben. Sie kamen an eine Stelle, an der sich der Gang mit einem anderen kreuzte. Sie sah die Fluchttüren zu den Treppenhäusern, drängte nach rechts, achtete darauf das Tenx den Weg erkannte, und riss eine Fluchttür auf. Stiess den Mann hinein. Innen hielt sie ihm die das Schwert über die Brust, zog eine Linie, die den Schutzanzug aufriss, und sagte leise: „Gehe nach unten,so schnell wie möglich. Zur Flugzeughalle. So schnell wie möglich, drehe dich nicht um. Laufe einfach weiter. Wir folgen dir langsam. Wir kommen, du hast aber eine Chance. Jetzt!Gehe!“
Der Mann rannte los. Er hastete über die Treppen, er sprang über die Stufen, er taumelte am Geländer, rutschte entlang, fing sich wieder, rannte weiter, hinterliess Blutspuren und war nicht aufzuhalten.
„Nach oben!“ zischte sie Tenx an, steckte die Waffen in den hinteren Hosenbund, und spurtete die Treppen hoch.
„Nach oben?“
„Ja, lass uns deine Konkubinen besuchen!“

Morkans Palast.Shinquasz Arbeitsräume.
Benkal sprang blitzschnell hoch, nach hinten, und stiess an die Wand. Er wäre beinahe über die Wäschehaufen gestolpert und versuchte wütenden seinen Fuss daraus zu befreien. Shinquasz kam langsam näher, seine Augen fixierten Benkal, lagen in tiefen Höllen und starrten ihn hypnotisch an. Eine seiner Krallen, die er fast wertlos über den Boden schleifen liess, näherte sich in spitzen kreisenden Bewegungen, als wollten sie die Luft zerschneiden.
„Sind sie irre, verdammt?“ schrie Benkal ihn an.
„Mitnichten, mein kleiner Zinssoldat, es ist lediglich an der Zeit, hier sauber zu machen. Und ihr stört mich mittlerweile gewaltig. Wie ihr da steht, bibbernd vor Angst. Ich bin nur ein kleiner Bibliothekar, aber ich werde ihnen ihr mieses kleines Soldatenherz rausschneiden, und dann mal schauen, ob das kleine Ding immer noch bummert, wenn es dann in meinen Armen liegt. Mein kleiner Gardeoffizier!“
Benkal griff hinter sich, suchte seine Messer, dass er versteckt im hinteren Bund trug, fasste es fester, atmete durch, und zog es im Bruchteil von Irgendwas heraus, liess es scheinbar schwerelos durch die Luft sausen, gleich einem Blitz oder einer unwirklichen Erscheinung, zerteilte es die Stille und raste fast ohne Widerstand durch das Handgelenk des Bibliothekars.
Geradezu leise fiel die Kralle in einen Haufen stinkender Handtücher, Hosen und Hemden, die zwischen ihnen lagen. Die Augen des Bibliothekars schienen die Größe eines Planeten zu bekommen, sein Mund öffnete sich erstickend, seine Laute waren leise, verkratzt, kaum hörbar, als ob sie sich einholten, bevor sie nach außen drangen, aber sein Blut pulste Benkal wie eine Fontäne entgegen. Unstet, heftig, ausdauernd. Und plötzlich schrie der Bibliothekar. Er schrie wie etwas, das noch nie gelebt hatte, und gerade schon starb. Er schrie, wie Gläser platzten, Ozeane zusammenbrechen, Vulkane sich übergeben, Kinder ertränkt werden. Sein Schrei durchdrang das Leben bis in die hintersten Winkel, und fast tat es Benkal leid, doch er sah, wie die andere Kralle ihn suchte. Ihn versuchte zu greifen. Ihn durch das Zimmer hetzen wollten, ihn in der Luft erwühlen wollte, die Luft schneiden mochte, und seine Tage zu beenden wünschte. Er gab ihr einen Tritt, dem Bibliothekar, der immer noch und kontinuierlich schrie, einen weiteren und ging zur Tür, öffnete diese und trat hinaus.
„Verdammter Vogel!“

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Einleitung (Part 44)

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