Einleitung Part 48

(Liebe LeserInnen,

von allen Blogs, die ich ich über die Woche zum Thema Literatur lese, fühle ich mich von einem besonders bereichert. Was Marcus Johanus macht ist mir zwar unheimlich, weil er mit jedem Beitrag einen Finger in genau jene Wunden legt, die ich selbst bei mir finde, aber gleichzeitig habe ich das Gefühl ein hilfreicher Lektor sitzt neben mir und begleitet mich beim Schreiben. Das ist alles in allem faszinierend, angenehm und lobenswert. 

Ich vernetze mich hier nicht, ich werde auch eher selten auf Links hinweisen, und ich will auch außerhalb dieses Blogs eher weniger in Erscheinung treten, aber hin und wieder, ganz selten, kann es sein, dass ich einen Link, den ich als wertvoll und hilfreich betrachte, streue.

Und das, was Marcus da macht, das hat Qualitäten, die ich mir von so manchem Kurs erhoffe. Damit gibt er etwas weiter, für das ich geneigt wäre auch Zeit und Geld zu zahlen. Damit bin ich zum Dank verpflichtet, und das Einzige was ich nun tun kann, das ist, hier den Link zu ihm weitergeben und euch ans Herz legen. Der Mann ist gut. Lest. Sein Blog findet sich hier: http://marcusjohanus.wordpress.com 

Und auch, wenn ich mich in vielen Punkten konträr zu seinen Ratschlägen verhalte, und ihr hier nun 203 Seiten runterladen könnt, in denen ihr einen Berg findet, der da heißt „seht-her-genauso-macht-man-es-nicht“, ist es dennoch so, dass mir spätestens bei der Überarbeitung jeder Ratschlag von ihm im Nacken sitzt und mich piesackt, bis ich alles wohlgeformt und zur Hälfte weggeschmissen habe. 

So gesehen ist das PDF als ein rohes Stück Holz zu betrachten, und mit Werkzeug, wie jenes, das mir Marcus reicht, könnte es etwas werden, dass man sich dann irgendwann gerne ins Regal stellt.

Das Stück Holz zum Runterladen findet sich hier: Ach,Bankea! Version 1.28 (203 Seiten)

Einen schönen Samstag euch allen. Im Knoten. Und daheim.

Jan Tälling)

 

Beiboot RK5.01 von der Mission. Irgendwo im Knoten.

Das hatte weder etwas mit Fliegen, noch mit Fahren zu tun. Das war Fallen. Aber im Nichts, im Schwarz, im All, zwischen all den Drohnen ist Fallen eine sehr relative Sache. So lange es keine Anziehungskraft gab, war Fallen maximal Treiben. Und so trieben Tschilbee, Bengbee, Mulbee und Filbee irgendwie – sie verstanden ja selbst nicht wie – durch das Treiben im Knoten. Die Drohnen umschwirrten sie bereits wie Leuchtfische und schienen sehr aufgeregt, flatterten am Fenster herum, wechselten die Farben, bildeten Formation, und umsausten ihr Äußeres. Es war ein wildes, gar nicht mal unangenehmes Farbspektakel, für das sie sich gerade die Nase platt drückten und  erinnerte sie das alles sehr, sehr arg an die Feuerwerke ihrer Welt.

Fulbee kam sich vor wie in einem Traum voller Wunder.

Bengbee fühlte sich gar nicht wohl.

Mulbee begann seine Gedanken zu sortieren.

Tschilbee suchte in den Gesichtern seiner Kameraden so etwas wie greifbare Intelligenz, aber sie schauten doch sehr dümmlich aus und tauchten dabei immer tiefer in den Knoten.

Der Verkehr nahm offensichtlich zu, und ganze Städte, mit Leuchtreklamen, unendlich vielen Fenstern, tanzenden Wesen dahinter, Röhrengänge und ähnliches trieben lautlos und scheinbar selbstvergessen an ihnen vorbei.

Bengbee fand die Schwerkraft in dem Boot absolut ekelhaft. Sie war wohl nicht einzustellen und verhinderte ein ordentliches Stehen und Gehen. Er kraulte wie ein dilettantischer Taucher an den Instrumenten und Armaturen vorbei.

„Wir könnten in so etwas rein krachen.“ meinte er mit einer Drehung, die er unfreiwillig machte, zu Fulbee.

Der schüttelte den Kopf und wurde dabei sofort leichenblass, als es ihn dabei vom Fenster wegtrieb. Mühsam versuchte er wieder zurück zu kommen.

„Glaube nicht. Die haben bestimmt. Schilde, Magnetismus,Traktorenstrahlen, Telekinese und alles, was man so braucht…“

„Telekinese?“

„Naja, um sich abzustoßen. Ich glaube nicht, dass wir in etwas rein krachen.“

„Hm.“ Bengbee war alles andere als überzeugt, legte sich auf den Rücken, aber war sie nicht mal sicher, ob das jetzt unten oder oben war. Nur weil er die Decke des Schiffes sah, musste das ja nicht oben sein. Ihm war so schlecht.

Mulbee betrachtete mit einem trockenen Mund die Knöpfe vor ihm, die Touchfelder, die kleinen Kurbeln, deren Bedeutung er nicht verstand, die alten Schieberegler, die so fehl am Platze wirkte und versuchte eine Struktur und Logik zu erkennen. Er war sichtlich überfordert. Seine Stimme klang so wie Schmirgelpapier aussieht. Von der Wüste gepökelt und vom Wind verblassen. Er war schrecklich rauh und leise: „Wenn die uns also alle abstossen, dann kommen wir auch nicht zu denen rein. Das heißt, wir sind hier gefangen?“

„Ach was, ach was. Wie ich sagte, ich denke, die haben Traktorenstrahlen und sowas.“

„Haben sie? Und wie wollen wir Kontakt zu ihnen aufnehmen, damit sie diese“ Er machte Anführungszeichen in der Luft „Traktorenstrahlen“ Endzeichen „einsetzen?“

„Funkgerät, Sprechgerät, Kommunikator?“

„Ist mir egal, wie du das nennst. Wo ist das hier?“

Fulbee schwebte zu ihm. Zischend gab er ein „Das kann ja nicht so schwer sein.“ von sich, und glitt neben Mulbee, dessen Verzweiflung sich bereits in einer ganzen Menge glänzender Schweißperlen auf seiner Stirn und unter seiner Nase äußerten.

Bengbee kämpfte derweil in einer Position, die sich anfühlte wie auf einer durchlässigen Wolke, mit dem Würgereiz und der Ahnung, dass Dr.Obenko bestimmt schon der Geifer aus dem Maul fiel. Er liess den Arm hängen, der dann irgendwie selbstbestimmt ein eigentümliche Position einnahm. Er schloss die Augen, und spürte wie der Druck zunahm, die Speiseröhre sich füllte, der Geschmack im Rachen eklig und beengend wurde und riss die Augen wieder auf. Er stöhnte leise.

Fulbee wirkte mäßig interessiert.

„Das schon ausprobiert?“

„Nein.“

„Oder dieses?“

„Nein.“

„Das vielleicht?“

„Nein.“

„Das sieht doch nicht schlecht aus.“

„Nein, nein, nein, ich habe noch gar nichts davon ausprobiert. Und ich werde den Teufel tun. Vielleicht sprengen wir damit die Frontscheibe raus. Erhöhen unsere Geschwindigkeit auf das Tausendfache. Verstrahlen die Umgebung. Oder ziehen mit einem eigenen Traktorstrahl unsere Umgebung an.“

„Naja, da wird es bestimmt eine zweite Abfrage geben.“

„Die ich dann wie erkenne? Fulbee, so geht das nicht. Ich kann nicht einfach einen Knopf drücken. Wenn sich die Schwerkraft erhöht, dann kleben wir am Boden. Wenn ich irgendwelche Schilde einschalte, dann kommt niemand an uns ran. Wenn ich die Ladeklappen, Schleusen oder Bodentanks öffne, dann war es vielleicht meine letzte Handlung. Du bist ja wohl komplett bescheuert.“

„Und was war das vorhin mit dem Strahler in der Flughalle?“

„Das wahrscheinlich Dümmste, was wir tun konnten. Steigerungen sind aber möglich!“

Bengbee meldet sich zaghaft: „Schwerkraft wäre aber nicht schlecht.“

Es dauerte eine ganze Weile, in der das Treiben im Knoten sich in der Langweile der Wiederholungen verlief, und sie hatten alle mehr oder weniger bequeme Positionen eingenommen. Sie wusste nicht recht worauf, aber sie warteten. Sie waren sich  einig, dass es nicht sein konnte, dass sie ewig unbeachtet in einem solchen Verkehr herum irren würde. Irgendwas musste ja mal passieren.

Und tatsächlich, plötzlich sprang etwas an, das rot leuchtete. Alles in eine gefährliche Aura verwandelte, dann flackerte und es erst einmal bei diesem Flackern beliess. Es leuchtet aufgeregt den unteren Rand des Fensters aus und warf einen Lichtschatten auf die Armaturen und Touchflächen, die wohl für den versierten Piloten des Schiffes bestimmt waren.

„Geht uns der Treibstoff aus?“ fragte Bengbee.

„Vielleicht ein Countdown.“ antwortet Fulbee

„Ja, das ist besser.“ ächzte Bengbee und drehte den Kopf von seinen Mitmusikern weg.

Dann erklang  eine Stimme aus dem Nichts. Und sie fühlten sie an ihren Ohren, direkt neben sich, obwohl sie keine Lautsprecher finden konnten, und die Quelle wohl neben ihnen schwebte. Es war faszinierend, erschreckend, und eine ausgesprochen wohlbekannte Stimme.

„Hier Dr.Obenko! Das haben sie gut gemacht! Ganz toll! Ich sollte sie von Morkans Leuten zu Staub zerkrümeln lassen. Meine Flughalle sieht aus wie Schrotthaufen, und nicht mal mein Traktorstrahl geht…“

„Ich wusste, es gibt Traktorstrahlen.“flüsterte Fulbee Mulbee zu.

„Seien sie ruhig, Fulbee, der funktioniert nicht mehr. Sie sind auf sich selbst gestellt. Meinetwegen könnten sie da draußen zu einem Denkmal ihrer selbst werden.“

Aber ich habe Morkans Leute gebeten, sie aufzunehmen.“

Eine zweite Stimme schaltete sich ein: „Aber wir wollen sie nicht, Dr.Obenko. Wir haben hier ein Quarantäne-Problem. Wir werden sie nicht an Bord nehmen.“

„Seien sie bitte nicht so stur. Ich möchte nur, das sie dass sie mein Boot kurz aufnehmen. Lassen sie sie nicht raus. Die würden sowieso nichts verstehen. Das sind Randzonenflüchtlinge im Kulturschock. Wir wollen das nicht noch zu einem Thema machen. Behalten sie sie einfach im Schiff.“

„Doktor, wir können sie auch abschiessen, dann haben wir beide keine Problem mehr.“

„Nein, ich habe nur zwei Beiboote. Und eines hängt gerade in einer offnen Flughalle am seidenen Faden. Ich kann den Schaden nicht abschätzen. Mein Traktorstrahl ist hinüber, nichts geht mehr. Ich kann beim besten Willen nicht noch ein Boot verlieren. Wie stellen sie sich das vor?“

„Gut, wir holen sie rein. Jeder Schaden, der uns dadurch entsteht, trägt die Mission. Das ist ihnen klar, oder? Wir lassen sie nicht raus. Uns ist es egal, ob ihnen die Luft, die Nahrung oder das Abwasser ausgeht. Wir nehmen keinen Abfall ab, nichts kommt in unseren Verwerter, und wenn die Typen nicht binnen zwei Ruhephasen wieder bei ihnen auf dem Schiff sind, dann schmeissen wir den Schrotthaufen raus und benutzen ihn zur Schießübung. Auch klar, oder? Wir sind nicht die Mission hier.“

„Ich danke ihnen.“

„Mal im Ernst, Dr. Obenko, wie ihr Dank auszusehen hat, darüber reden wir noch. Wir schalten uns raus.“

„Fulbee?“

„Doktor?“

„Mir ist vollkommen unklar, warum ich so einen Umstand für eine Rasse mache, die wahrscheinlich sowieso mit Ihnen ihr Ende gefunden hat, aber sie haben es gehört. Sie werden vom Palast aufgenommen. Verhalten sie sich ruhig. Bleiben sie im Boot. Machen sie keine Anstalten zu irgendwas. Ich hoffe nur, wir können noch irgendwas mit ihrem Genmaterial anfangen. Denken sie daran, dass es nur noch darum geht. Egal, wie das nun im Palast ausgeht. Das wir von ihnen letztendlich benötigen, dass passt in ein Reagenzglas, Mann. Vorbei. Ich bin raus.!“

Das Licht ging aus. Es trat eine Ruhe ein. Das Schiff erzitterte, als wäre es gerammt worden,und Bengbee murmelte leise:

„Sterben.Nur noch sterben.“

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Einleitung Part 48

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