Einleitung Part 49

(Liebe LeserInnen, 

so schnell wollte ich die letzten Silberlinge nicht ihrem Schicksal überlassen, deswegen hier noch mal ein Teil, der ganz Ihnen gewidmet ist, und sie nun mit einer völlig neuen Situation konfrontiert: Morkans Palast.

Mögen die Spiele beginnen.  Alles, das und wie es überhaupt dazu kam, findet ihr zusammengefasst auf 207 Seiten im neuesten PDF: Ach, Bankea! Version 1.29 (Alle Teile von 1-49)

Habt Spaß daran.

Einen schönen Samstagabend, Sonntagmorgen und alles was zählt.

Jan Tälling)

Morkans Palast.
Aber dann, dann geschah alles ganz sanft und zurückhaltend. Wie auf den Armen eines großen Riesen wurde das Beiboot behutsam in die Flughalle von Morkans Palast gezogen. Wie auf einem Kissen wurden sie inmitten der Halle abgesetzt, und sofort hörten sie die Stimme des Wachhabenden wieder.
„Willkommen in Morkans Palast. Bitte denken sie an unsere Abmachung mit Dr.Obenko. Wir sind uns bewusst, dass sie sich als Flüchtlinge von wo auch immer verstehen, aber wir gewähren ihnen kein Asyl, wollen sie nicht aufnehmen und halten sie unter Quarantäne. Daher bitten wir sie nicht ihr Schiff nicht zu verlassen, sondern stellen dieses als Bedingung während ihrem Verbleib in unserem Palast. Sie dürfen unter keinen Umständen dieses Schiff verlassen, sich irgendwo innerhalb des Palastes oder gar in der Flughalle bewegen. Haben sie das verstanden? Bitte bestätigen sie das.“
„Ja, das haben wir verstanden.“
„Vielen Dank. Wir sind gebeten worden, den Schaden an dem Schiff der Mission, den sie verursacht haben, zu beheben. Wir gehen davon aus, dass die Arbeiten mindestens zwei Ruhe- und zwei Aktivphasen überdauern. Eventuell etwas länger. Während dieser Zeit werden sie hier in der Flughalle bleiben. Danach werden sie Dr. Obenko übergeben. Wie es dann weiter geht entscheidet alleine er.
Wir stehen ihnen nicht zur Versorgung zur Verfügung, noch nehmen wir von ihnen Versorgungsmaterialen an. Das ist klar, oder?“
„Klar!“
„Danke. Wir brechen jetzt den Funkkontakt zu ihnen ab, und möchten weder von ihnen und noch von alle, die sonst noch auf dem Schiff sind, gestört werden.“
„Verstanden!“
„Das ist nicht nötig. Sie werden sich sowieso wie gewünscht verhalten, sonst schmeissen wir sie wieder raus. Und fragen sie mich nicht, wo sie dann landen.“
Die Stimme brach ab. Die Schwerkraft war wieder da, aber ungleich heftiger als gewohnt. Sie zerrte an ihnen wie ein Sumpf, der plötzlich über sie geschwappt war, drückte auf den Brustkorb und zog sie zu Boden.
„Was ist denn das?“ fragte Bengbee entsetzt.
„Schwerkraft! Du wolltest doch welche?“ Entgegnete Fulbee trocken.
„Aber das ist ja unglaublich, wollen die uns zerquetschen? Man kann ja fast nicht atmen, und klebt wie irre am Boden. Ich komme mir vor, als wäre ich dreimal so schwer und nahe am Tode.“
„Gewöhne dich daran, ich kann mir nicht vorstellen, dass es besser wird.“
„Hölle, Hölle, Hölle!“
Die Zeit verging nicht. Sie tröpfelte. Und sie saßen Jahre in einem verrotteten Boot, stützten die Köpfe, lehnten sich aneinander und sahen bulligen Männern zu, die Schläuche vorbei trugen, auf komischen Platten flogen, Kisten schoben und Roboter traten. Sie sahen kleine Boote reinfahren und raus schiessen. Sie sahen manchmal eine Spiegelung des Knotens in einer großen Glasscheibe. Sie konnten den Wachhabenden erkennen. Sie gähnten. Und starrten weiter aus dem Fenster.
Die Zeit verging nicht. Sie tröpfelte. Und sie saßen Jahren in einem verrotteten Boot, stützten die Köpfe, und Mulbee schüttelte ihn entschlossen, als wollte er sich von den wiederholenden Gedanken befreien.
„Das ist ja furchtbar. Wie lange schauen wir denen schon zu?“
„Nicht lange. Einige Augenblicke. Gerade mal.“
„Hilfe! Lasst uns etwas spielen.“
„Wir haben nichts hier zum Spielen….“
„Interview?“
„Gut, Interview!“
Zu Beginn ihrer Karriere übten sie sich beständig darin, was sie auf typische Interviewfragen antworten konnten. Sie wollten vorbereitet sein, wenn die Karriere richtig losging. Und so übten sie, wann immer sie konnten, bis es eines Tages zu einem Spiel wurde, das sie nicht mehr missen wollten.
„Sagen Sie mal, Herr Bengbee, wann fing das eigentlich an?“
„Oh, ich kann mich noch ganz genau daran erinnern. Es war im Jahr des schwankenden Kalbes, als mein Vater zum Puddingholen die Familie verliess und nicht mehr zurück kam. Ich war davon so sehr beeindruckt, dass auch ich mich auf die Wanderschaft machte, und eines Tages kam ich in ein gar seltsames Dorf, in dem das Konzert der drei Silberlinge angekündigt war. Ich war sofort interessiert, der Name versprach ja immer hin viel, hatte ich doch noch nie drei Silberlinge besessen…“
„Buh!“ riefen die Mulbee und Tschilbee, die die Fans spielten, die sogleich zustimmen oder buhen mussten.
„Was ist denn?“ Bengbee wirkte – wie immer – verstört.
„Viel zu materialistisch. Zu wenig idealistisch. Das muss mehr ans Herz gehen.“
„Aber bitte, ich bin arm. Quasi Halbwaise und auf Wanderschaft…“
„Aber du denkst nur an Geld. Silberlinge.“
„Ja, aber ihr heißt doch so, an was soll ich denn sonst denken?“
„Das geht mal gar nicht.“
„Schsch.“Fulbee legte den Finger an die Lippen.
„Was?“
Fulbee trat näher an das Fenster. „Ruhephase! Sie gehen!“
„Ja, und? Das heisst doch nur, dass es jetzt noch langweiliger wird. Ich kann darauf verzichten.“
„Wir könnten raus…“
„Und uns pulverisieren lassen. Ja. Klar. So hatte ich mir das auch vorgestellt.“ Bengbee zog sich hoch und schaute nun auch mit hängenden Schultern aus dem Fenster. Er glaubt, dass sich irgendein Eisriese mit gewaltigen Pranken auf ihn stützte. Sein Körper wollte nur noch liegen, flach und ausgebreitet. Es begann schon nach kurzer Zeit zu schmerzen. Und keiner sollte nun fragen, was zu schmerzen begann, denn das ist einfach. Alles. Wie in einer Zentrifuge, an deren Wand man stundenlang festhängt. Wie eine Fliege am Honig.
Fulbee gab ihm ein Zeichen.
Bengbee zuckte mit den superschweren Schultern, die er nicht mehr haben wollte. „Verstehe nicht!“
„Es sind nur noch zwei!“
„Ja, dann sage das doch! Zwei sind zwei zuviel! Ich gehe da nicht raus.“
„Bengbee, mal im Ernst, was glaubst was Dr.Obenko mit uns macht?“
„Keine Ahnung,“
„Er schabt dir den Speichel ab und legt ihn in eine Petrischale, verdammt. Das reicht.“
„Wozu? Was?“
„Um deinen verdammten Genschatz aufzubewahren. Um mehr geht es jetzt nicht mehr. Wir müssen hier raus. Wie geht es hier raus? Welcher Knopf?“
Mulbee maulte von hinten. „Frage doch nicht immer die Bedeutung der Knöpfe ab. Woher sollen wir denn das wissen?“
Fulbee schien schwer gealtert, als er sich zur Tür schleppte, mit der Hand am Rahmen entlang fuhr. Und schließlich etwas zu fassen bekam. „Was steht da?“
„Meiner Meinung nach heißt das RGKOLFINEJFINS“
„Ah, Notausstieg!“ Fulbee drehte den Hebel in alles Richtungen.
„Hä? Höre doch auf damit.“
Es zischte wie aus einem heißen Wasserkessel, der all seine Flüssigkeit von sich stiess. Und wie bei dem heißen Wasserkessel löste sich nun auch Dampf von allen Stellen der Tür, die langsam zurück und dann zur Seite glitt. Die Flughalle lag vor ihnen.
„Das war fast zu einfach.“
Verwaist schienen die Positionslichter. In einigen Booten war wohl noch Leben, manche schwankten rhythmisch und beträchtlich, aber die Fenster waren abgeblendet und offenbarten nichts.
„Raus!“ zischte Fulbee
„Wie?“
„Raus!Rausrausrausraus!“
„Die haben Drohnen.“
„Und Kameras, und Mikrofone, und Schusswaffen und alles mögliche, aber jetzt rausrausrausraus.“
„Fulbee..“
„RAUS!“
Bengbee sprang auf das Flugfeld, sah sich um, blickte hoch zu Fulbee, der wieder komische Zeichen machte.
„Was?“
„Renne weg, zur Wand.“
Bengbee bewegte sich, langsam, träge und murmelte leise. „Rennen, haha, nimmt mir mal jemand den Rucksack voll Felsbrocken ab? Rennen! Was für ein Blödsinn!“

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