Zettelkasten: Die Jagd

Auf eine konkrete Frage würde ich eine konkrete Antwort geben. Ganz konkret würde ich sagen, dass ich das Z-Horse schon mein komplettes Leben lang jage.

Das hört sich nicht sonderlich gesund an, aber das ist mir egal. Das Z-Horse erschien mir schon in meinen Träumen, als ich noch nicht einmal wußte, dass es das gibt.

Tatsächlich sind wir ja erst vor drei Jahren auf diesem System gelandet. Die meisten Spezies, die sich hier in den Wäldern rumtreiben, haben noch keinen Namen. Es sind soviele, dass uns erstmal auch gar nicht genug Namen einfallen. Wir stehn dem ganzen Zeug ja noch verwirrt gegenüber. Da hatte mich keiner darauf vorbereitet. Man stelle sich vor: Aus dem Unterholz krabbelt lebendiges Moos mit Reißzähnen hervor. Hier kannst du nur draufhalten. Mit allem was du hast. Das frißt dich sonst auf. Nein, nein, ich weiß, dass das nicht korrekt ist. Ich bin mir darüber bewußt. Aber es ist sonst keiner in meiner Situation, also kann sich auch niemand ein Urteil erlauben. Irgendwo verbiete ich mir das auch. Dieses dumme Gerede. Diese Flora und Fauna ist uns vollkommen über. Das ist eine ganz andere Situation als auf der Erde. Wir sind hier in der Minderzahl. Ausrottung ist erstmal kein Thema. Konkret geht es darum, dass wir hier überleben.

Natürlich hinterlassen wir Spuren. Keine Rede. Aber auch das würde ich lediglich als evolutionär bezeichnen. Hier gibt es unglaubliche Tiere, die fast eine Terrorherrschaft über den ganzen Planeten gezogen haben. Ihre Fußstapfen sind so groß wie Eigenheime. Dagegen wirken wir wie Ameisen. Leuchtende Ameisen. Das noch dazu. Unsere Anzüge sind illuminiert, das glaubt man nicht.

Doch zurück zum Z-Horse. Das klingt jetzt komisch. Ich weiß das. Aber ich sah es schon als Kind in meinen Träumen. Es hat etwas von der Grinsekatze in Alice im Wunderland. Reißzähne, kuschliges Fell und darüber solche Camouflage-Streifen, die es im Dickicht der lila Bäume unsichtbar machen.

Nein, nein, es ist nicht nett. Es ist ein Alptraum. Es scheisst quasi Säure. Wir finden die Spur immer nur, wenn wir die Zerstörung in Augenschein nehmen. Der halbe Planet basiert auf einer Kalk-Guano-Mischung, die durchlöchert ist wie ein Schweizer Käse, aber wegen ihrer Fruchtbarkeit bei uns sehr geschätzt ist. Ihre Topfplanze lebt wahrscheinlich davon, ohne dass sie es wissen. Wir wissen nicht, wieviele Stoffe von dort schon bei uns Einzug gehalten haben. Ich weiß nicht ob das gut ist. Ist nicht mein Thema.

Das Z-Horse wiehert, als ob man ihm die Eier abdrehen würde. Der Schrei halt über den kompletten Wald. Wir können es also über die Spur seines Kotes und über den Schrei orten. Andere Mittel versagen momentan noch. Das macht die Jagd sehr anspruchsvoll. Wir gehen also in Gruppen, haben die Anzüge an und durchstreifen das Gebiet im Abstand von zwei Metern zwischen den Männern. Ähnlich wie wir vermisste Trooper suchen würden. Das kommt häufig vor. Die Jagd auf das Z-Horse organisieren wir eher in der Freizeit. Wir haben dafür eine App, und sind in den social Communities gut organisiert.

Ich weiß nicht, wieviele Z-Horses es dort gibt. Das ist mir eigentlich egal, im Grunde denke ich nicht, dass wir denen wirklich einen Schaden zufügen könnten, der zum Beispiel größer wäre als ein Metoriteneinschlag. Und von letzterem sind sie kontinuierlich bedroht.

Wenn man Z-Horses näher kommt, dann passiert mental etwas, das wir noch nicht aufgeschlüsselt haben. Die Jagd ist sehr anspruchsvoll und wir können nur mit gut geschulten Troopern dort rausgehen. Andere packen das nicht. Man wird glatt verrückt, ohne dass man das mitbekommt. Irgendwas passiert da. Was ganz seltsames. Kommen wir dem Z-Horse näher, dann zerknallt so eine Art Acid in unserem Kopf. Es muß ein Schutzmechanismus sein. Wir hören die Stimmen von Frauen und Kinder. Alles sehr vertraut, alles sehr nah. Das geht jedem von uns so. Das ist unheimlich. Man muß enorm gut dagegen koordiniert sein. Das muß man sich abtrainieren, dass man darauf hört. Wir können da keine Rücksicht nehmen. Man muß sich das wirklich so vorstellen, dass der messerscharfe Farn einem ins Gesicht klatscht und Klänge im Ohr und Herzen hat, die wirken, als würde die eigene Familie vergewaltigt. Keine Ahnung, wie das Vieh das macht. Aber der Punkt ist, dass wir zu diesem Zeitpunkt dem Tier schon sehr nahe sind. Und das ist ein gutes Zeichen.

Wenn du hörst, wie es in dir wütet, wie deine Familie nach dir schreit, wie dein Kind unter Schmerzen brüllt, dann kannst du das Z-Horse mit einem einfachen Blattschuss erledigen.

Feine Sache, das.

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