Zettelkasten: Technopusse

„Du bist schleimig…“
„Nahjäh, das kimmt jetzt auf den Standpunkt an, oder?“
„Nein, nein, also das, im Ernst, du bist schleimig.“
Mumika, die Vierte aus der Ahnenreihe der Technopuse, sah irritiert an sich runter.
„Das ist Öl…“
„Das war mal Öl, ich würde sagen, dass jetzt so eine Art Schmiere oder Käse.“
„Käse?“
„Wie nennt man das, wenn es klumpt und stinkt?“
„Ih,nein, du bist gemein.“

Ich hob abwehrend die Hände. „War nicht so gemeint.“
Das Leben der Technopuse entzog sich der wissenschaftlichen Deutung, als etwas passierte, das wir so nicht vorgesehen hatten. Darum saßen wir nun im Wartezimmer. Darum gab es Mumika, die Vierte. Darum war alles ein wenig komplizierter und nicht so eindeutig.

Mumika hatte einen Tentakel verloren, alls die Flut von Nova Orleans ihren Cajun-Clan in die Zypressen Sümpfe ziehen wollte. Sie griff in die Baggerarme eines Muschelernters, verfing sich darin und verlor unter einem üblen Geknirsche einen Tentakel. Tatsächlich sollten Technopuse davon nicht allzuviel mitbekommen. Vorsorglich konnte die interne Vernetzung solche Schäden abfangen und Reaktionen, die darauf folgen konnten, durch geschickte Filterung abdämmen. Wie auch immer, nichts davon funktionierte, und der Metallpanzer, der sie umgab hatte im Laufe der Jahre auch einen großen Teil seiner Wirkung verloren. Umweltschmutz, Umweltgifte, das verdammte Brackwasser um Nova Orleans und die Cajuns, die meinten, sie müßten immer mal wieder auf Technopuse schiessen, oder ihnen Dynamitstangen hinterherschmeissen, taten ihr übriges.

Technopuse waren friedliebend, aber gesellschaftlich nicht anerkannt. Sie wirkten im persönlichen Gespräch gebildet, aber es kam eben selten zu solchen Gesprächen.
Mumika war trächtig und ich hatte keine Ahnung, wie es dazu kommen konnte. Irgendwas war irgendwann in der Hafenbrühe von Nova Orleans passiert. Wir kannten uns da nicht mehr aus. Technopuse waren schließlich keine Aliens. Wir hatten sie erschaffen, so wie autonome Staubsauger, bestellende Gefrierschränke und ähnliche Gadgets, die uns das süße Leben leichter machten. Wir dachten, wenn wir sie im Hafen lassen, dann können sie die Bojen pflegen, die Muscheln in die Netze schmeissen, und all diese Dinge tun, die man so unter Wasser macht.

Nova Orleans hatte eine reichhaltige Fischindustrie und die Bewohner wenig Zeit und Lust, sich mit der Brühe, die um ihre Häuser schwappte zu beschäftigten. Und weil wir so ein bequemer Haufen waren, überliessen wir diese riesigen Tintenfische auf Metallbasis sich selbst.

Vor ungefähr zehn Jahren fanden wir sie nicht mehr. Wir suchten sie, aber fanden sie nicht mehr. Spuren, ja, aber keinen einizigen Technopus. Vor fünf Jahren schickten sie am helllichten Tag einen Abgesandten auf die Nova Bourbon Street. Und das war abgefahren. Es war Mumikas Vater. Ein sehr gebildeter Mann, der uns in einer schrecklich blumigen Sprache um Rechte und Unabhängigkeit bat. Wir hatten sie seit fünf Jahren nicht mehr gesehen. Was solls, sie konnten ihre Unabhängigkeit haben, wenn sie dort blieben wo sie waren. Sie versprachen die Muscheln wieder in die Netze zu schmeissen und damit waren wir uns einig.

Nicht alle. Aber die meisten. Was wir nicht wussten, und uns völlig unbekannt war, dass war die Tatsache, dass sie sich beeindruckend schnell vermehrten. Als ob sie sich kopierten. Wir sprachen vor fünf Jahren mit Mumikas Vater, ohne zu wissen, dass er schon der Dritte einer verbesserten Ahnenreihe war. Faszinierend.

Mumikas restlichen Tentakel flatterten ein bisschen, und ich deutete auf Angst und Unruhe. Ich sah sie an, fächelte mir ein bißchen Luft zu und harrte der Dinge, die da kommen sollten.

„Das wird dir nicht gefallen, Junge, willst du wirklich dabei sein?“
„Es ist eine Gelegenheit.“
„Nicht, wenn du jetzt schon meinst, das ich schleimig bin.“

Das Licht der Werkstatt leuchtet kurz auf. Mumika erhob sich stöhnend, tippte mir auf die Schulter und zog mich sanft mit sich.

(erinnert mich daran, dass ich das fortsetze, wenn ich mal Zeit habe)

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