Im Poncho

Inhaltsverzeichnis

Das Poncho liegt in einer Parallelstraße zur Bourbon Street. Ist nicht ganz so überlaufen, und die Musik erinnert mich an meine Jungend. Die Preise sind einigermaßen vernünftig, und unter der Theke ist genug Platz für Spezialitäten.

Karl hatte sich an der Bar festgekrallt und sprach mit einer superdünnen, blonden Frau. Sie sah ihn geradezu todesmutig an. Ich schob ihm regelmäßig einen neuen Krug mit einem Cocktail zu, den er entgegen nahm, ohne mich anzusehen. Er sprach auf die Blonde ein, als wollte er ihr ein Buch diktieren.

Ich wartete auf Ciona. Ciona kann mich nicht ausstehen, aber sie mag das Essen, das ich ihr ausgebe. So brauchen wir einander. Oder ich bilde mir das nur ein. Sie sieht aus wie ein Meerschweinchen, dass in einen Shredder geraten ist. Kein Haar an ihr hat diesselbe Länge wie das daneben liegende. Ich mag ihre Haare. Überall. Ich mag diese dottergelbe Farbe. Ich hasse diese Niedlichkeit, mit der sie ihre Stimme färben kann. Aber Ciona ist eines dieser Mädchen, das ich selbst dann begehren würde, wenn ich wüßte, dass sie mir ein Messer in die Brust rammen will.

John Grizzly kam rein. Und niemand von uns weiß, wie er wirklich heißt. Er steuerte quer durchs Poncho auf mich zu, grinste mich mit diesen Vielfraßhauern an und küsste mich auf den Mund. Es gab Zeiten, da hätte ich mich durch diesen Bart wühlen können, doch ich wandte mich ab und blickte mein Spiegelbild hinter der Bar an. Eingerahmt von mindesten drei Sorten Algenschnaps. Ich habe wahrscheinlich die grünsten Augen im ganzen Poncho.

„Was ist?“ Fragte John mit rollenden Augen „Magst du mein Eau de Tollet nicht?“
Ich schnaufte, wischte mir den Schweiß von der Stirn und trank einen tiefen Schluck aus dem Krug. Sie nennen das Gebräu Long Island Ice Tea, und wir lachen immer noch schallend über den Witz. Außer Algenschnaps und Zucksirup war da wahrscheinlich nichts drin. Die braune Farbe bekommen sie durch irgendeine Tablette gemischt, die sie am Schluss reinschmeissen. Ich habe das gesehen. Das was von der Party halt so übrigbleibt.
„Wollen wir nach hinten gehen?“ John deutete auf die Tür zu den Toiletten, lachte breit und machte komische Bewegungen in seiner Uniform. Irgendein Tanzstil von einem Volk, das er wahrscheinlich ausgerottet hatte.

„Zwei von deinen Jungs haben mich gestern besucht. Irgendwelche Frischlinge.“
„Oh, ich weiß, du stehst auf sowas.“
„Nein, nein, hör zu, John, ich mag das nicht, wenn die Burschen vor meiner Tür auftauchen.“
Er wurde ernst. Sein Hintern spannte sich, seine Füße verankerten sich im Boden und sein ganzer Körper wollte nur noch aus Sehnen und Muskeln bestehen. Das war es, was einen umhauen konnte. Mit oder ohne Uniform.
„Pass auf, John, die Jungs wollten, dass ich meine Fenster verhänge. Ich hätte sie beinahe von meiner Veranda gepustet. Was soll der Scheiß?“
„Keine Ahnung, was habe ich damit zu tun?“
„Ich weiß nicht, welchen Rang du bekleidest, John, es ist mir in der Regel auch schnuppe. Seit wann hängt ihr mit den Priestern ab? Was wollen diese Kinder in Nova Orleans?“
„Dasselbe wie ich, oder?“
„Nein, John, die waren bestimmt noch nie in der Bourbon Street. Und sicherlich gehören sie einem Verein an, der die Jungfrauen heilig spricht. Die geiseln sich um es ihnen gleich zu tun. Wieso kommen die in meinen Vorgarten? Ich dachte, es gäbe ein Agreement.“
„Ich weiß nicht, Jan, was hier los ist. Ich bin nicht hergekommen um über Politik zu reden. Mich interessiert was anderes. Ich habe auch keine Lust mir sowas anzuhören. Es dürfte dir klar sein, dass all das hier nur ein kurzer Aufenthalt ist. Irgendwann ziehen die alten Säcke, wie ich, weiter, dann kommen die Jungen, die Regeln ändern sich und dann bist du nur noch ein Relikt, Jan, ein verdammtes Relikt.“
„Arschloch!“
„Nein, im Ernst, Jan, mich interessiert das hier einen Kehricht. Ich bin schon lange da, aber werde nicht mehr allzu lange bleiben. Noch viel Zeit dir meinen Arsch hinzuhalten, aber das wars dann auch. Typen wie du mag ich total, aber um das Land auf ein vernünftiges Niveau zu bringen, stört ihr nur.“
„Nochmal Arschloch.“
„Aber gerne, für dich immer“ Er schmiss dem Barkeeper einern Credit hin, deutete auf mich und ging grinsend nach hinten.

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