Trooper im Garten

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Gestern Abend standen die Trooper vor meiner Gartentür. In voller Montur und die Stiefel lehmbespritzt. Hinter ihnen schwebte ihre Karre in dem üblichen Nebel aus dampfenden Wasser und flirrendem Antigrav-Zittern. Es war ein Bild wie aus einem schlechten Thriller. Sie hielten ihre Waffen fest an ihren Körper gedrückt, und waren drauf und dran, mein Grundstück zu betreten. Das Licht der Dämmerung, die ersten Laternen, die vibrierenden ansprangen,und das leise Rufen des örtlichen Heiligen taten ihr übriges.

Ich bin mißtrauisch. Trooper in meinem Vorgarten hatten nichts Gutes zu bedeuten. Die Burschen waren dafür ausgebildet, das Unglück in dein Haus und unter deine Freunde zu bringen. Seit sich die Staaten aufgelöst hatten und alles unter den Fittichen der Union war, half nicht mal mehr Trinken. Die Konsolidierung der Gesetze führte zu einem riesigen Chaos und überforderten Richtern. Wir wußten alle, das ging noch Generationen so weiter. Bis dahin verwandelte sich alle jene Dinge, die man mal Demokratie genannt hatte, in einen anarchistischen Schleimbeutel. Es gab keine Telefonbücher mehr, aber ein funktionierendes Gesetzbuch zu finden war beinahe genauso unmöglich. Ich vertraute niemanden mehr, schon gar nicht jemanden, der im Namen der Union meinen Garten betrat. Eine Herde Zombies hätte ich eher eingeladen.

Sie waren zu zweit. Einer trug die unvermeidliche Heimkamera. Weil sie sich selber nicht mehr über den Weg trauten. Und der Bodycount unvermittelt in die Höhe geschossen war, als man den Burschen freie Hand gab.

Ich stürmte raus, obwohl das wohl das Blödeste war, was man tun konnte. Ich hatte keine Nerven darüber nachzudenken. Im Wohnzimmer lagen noch die Pillen und Burschen von der letzten Party, und mein üblicher Algenschnaps entsprang natürlich den Manufakturen ohne Konzession. Wo sollte man das Zeug auch sonst kaufen.

Ich rannte barfuß raus, hatte auch keine Zeit mir ein Shirt anzuziehen und hielt die Hose mit einer Hand fest. Von den Flecken reden wir jetzt mal nicht, die Burschen hatten sich ja nicht vorher angekündigt.

„Monsieur Tälling?“ Ich hasste das, wenn kleine irische Bürschlein, mit einer Haut wie weißes Marmor so taten, als könnten sie den hiesigen Slang in- und auswendig. Der Cajunslang gehörte zu Nova Orleans wie der verdammte Algentabak, und der Knabe hatte so helle Augen, als hätte er noch nicht mal eine Bar in der Bourbon Street besucht.

Ich reagierte nicht, hob nur abwehrend die Hand und schüttelte den Kopf.

„Sie sind nicht Monsieur Tälling?“ Er trat näher an mich heran, schleppte den ganzen Matsch von der Straße über meine schwarzen Platten und sein Schatten folgte ihm mit dem offenen Mund eines kleinen Ghettojungen.

„Kommen Sie nicht näher, Trooper. Bleiben sie, wo sie sind, sagen sie ihr Sprüchlein, und dann gehen sie bitte wieder.“ Ich kraulte mir meine Brusthaare und beobachtete ihn.

Man hätte ihn hübsch nennen können, aber dafür war die Uniform dann doch zu häßlich.

Der Schweiß rann zwischen meinen Fingern. Das ist hier so. Entweder du schwitzt dir die Seele aus dem Leib, oder es regnet. Nass bist du immer.

„Wir wollten sie bitten, ihre Fenster zu verhängen, Monsieur.“
„Was?“
„Ihre Fenster. Ob sie sie bitte verhängen könnten.“
„Warum sollte ich das tun? Ich verstehe nicht.“
„Damit man ihrem unzüchtigen Treiben nicht gewahr wird.“
„Was?“ Ich muss sie angestarrt haben, als wären sie gerade vom Baum gefallen. Sie wollten näher kommen. Ich hob wieder die Hände, schüttelte den Kopf und sagte nichts.

„Monsieur?“
„Nicht näher kommen.“
„Ihre Fenster..“
„Was zum Teufel ist mit meinen Fenstern?“
„Sie sollen sie verhängen.“
„Was habt ihr mit meinen Fenstern zu tun? Ich dachte, ihr treibt euch in den Sümpfen rum und jagt die letzten Fischer…“
„Es gibt Gesetze. Man kann durch ihre Fenster alles sehen. Das ist nicht gut. Die Jungs kommen und gehen bei ihnen ein und aus.“
„Moment, Moment, damit ich das richtig verstehe. Ihr stapft in meinen Garten, bringt den ganzen Dreck mit rein..“
„Das tut uns leid.“
„..nein,nein, das ist gelogen. Verdammte Kacke. Ihr lügt. Das tut euch nicht leid. Ihr kommt nach Nova Orleans und wollt mir beweisen, dass ihr das könnt. Reinkommen. Diese gequirlte Scheisse reden, und mir erklären, ich müßte was? Meine Fenster verhängen? Ist es jetzt soweit? Welcher Priester schickt euch? Wo kommt ihr her, Kinder?“
„Monsieur, das ist kein Grund..“
„Doch, das ist es. Das hier. Das alles hier. Dieses hier. Da, wo ihr steht. Verfluchte Scheiße“ Ich drehte mich um, schrie ins Haus. „Bringt mir eine Waffe, bringt mir irgendwas.“ Doch zurück zu den Troopern: „Das hier ist meins. Das ist mein Grundstück. Ich kann hier machen was ich will. Ich kann mir vor euch einen runterholen. Ihr könnt mich mal. Ihr habt einen Mist in Nova Orleans zu suchen. Ich werde diesen Rest Menschlichkeit verteidigen bis ihr mich vor allen Leuten durchsiebt habt.“ Ich lies die Hose los, sie fiel zu Boden, sah ihre Augen, griff nach hinten und schnappte mir die alte Büchse. Zwei Schuss. Mehr gibt sie in der Regel nicht her. Danach wäre sie mir wohl um die Ohren geflogen. Ich zielte. Klickte ein bißchen und begann zu zählen. Nackt wie ich war.
„Runter von meinem Grundstück, ihr Arschlöcher. Es wird jeder bezeugen, dass ich aus Notwehr gehandelt habe. Wenn ich euch jemals wieder in Nova Orleans sehe, dann reiße ich euch die Gedärme aus dem Leib.“
„Wir haben sie im Auge, Monsieur Tälling!“
„Das weiß ich! Die ganze verdammte Union macht es euch sicherlich nach. Runter!“
Sie gingen.
Jesus. Gottseidank.
Ich wollte nicht sterben, wenn die Hose um meine Knöchel gewickelt ist.

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