Auf dem Weg zur Gemeinde der letzten Distanz (2)

Inhaltsverzeichnis

Der Pilot sah aus, als entstammte er dem Techtelmechtel seiner Mutter mit einem Fischer. Er hatte Haare, wo keine sein sollten, und ich würde es Fell nennen.
Als er mich erblickte, klopft er sich auf die Schenkel.
„Wenn sie dich sehen, dann werden sie dich hassen. Was für Augen! Ich würde dir raten Kontaktlinsen zu tragen.“ gluckste er.
„Leck mich!“ entgegnet ich und liess mich in den Fensterplatz plumpsen. Sein Fell – oder das seiner Katze – hatte sich darauf schon mal runderneuert.

„Hey, du siehst aus wie ein Waschbär,“ grinste Karl, der hinter mir einstieg.
„Yeah!“ nickte der Pilot bedächtig.“Und du wie ein Nazi“
„Und was machst du, wenn ich einer bin?“
„Ich bin der Pilot, und du wachst in den Sümpfen auf. Kriegt keiner mit.“
Karl lacht auf. „Alles klar, ich werde vorsichtig sein.“
„Tue das.“ Der Pilot bleckte die Zähne. „Ich bin Paulana.“
„Klingt wie eine Biermarke.“
„Reden wir nicht über meine Mutter.“

Er winkte ab, Karl schnallte sich neben mir an, sah kurz über mir hinweg auf die Startbahn und lehnte sich zurück. Mit unglaublichen Gerumpel und Getöse jagten wir über die Bahn dahin, und ich könnte schwören, das wir Teile verloren. Aber in den Rauchschwaden war nichts zu erkennen.

Ich wurde von einer übergroßen Faust in den Sitz gedrückt, mein Körper dehnte sich aus, und eine bescheuerte Massage trieb mir die Gesichtshaut von der Nase weg. Die Zähne taten weh, und ich hätte sie alle einzeln ausgerissen. Was mich irgendwie erregte.
„Boah.“stöhnte ich.
Wenn du wirklich jemand brauchst, der dir deine letzten Minuten versüsst, dann empfehle ich dir Karl. Immer wenn ich glaube, dass mir mein Skalp davonfliegt, und meine Seele ihre Heimstatt sucht, dann kichert der Bursche, als würde ihm jemand die Lunge kitzeln.
„Verdammt, Karl!“

Ich konnte meinen Kopf nicht zu ihm wenden, aber ich kannte den Anblick. Seine Augen traten vor wie Froschaugen, seine Zähne waren hart aufeinander gepresst und aus seinem Hals traten Muskeln wie Stahlseile hervor. Er wehrte sich. Etwas, was ich schon lange nicht mehr tat. Sollte mich das Ding doch zu einem Pfannkuchen wandeln.

Vor einem Flug mit einem Minitaxi immer auf die Toilette gehen. Erste Regel. Gott sei dank. Meine Blase war gepresst wie ein Blatt Papier.
Ich hasste das so.

Advertisements
Auf dem Weg zur Gemeinde der letzten Distanz (2)

2 Gedanken zu “Auf dem Weg zur Gemeinde der letzten Distanz (2)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s