Gehe heim zu deinem Gott!

Inhaltsverzeichnis

Karl packte ihn blitzschnell mit beiden Händen. Die eine Hand im Nacken, die andre bog ihm ihm den Arm auf den Rücken. John sank nach vorne.

Er stöhnte.

Ich konnte nicht mehr feststellen, von wem all das Blut war. Johns Bart troff rot, die Äderchen in seinen Augen waren geplatzt und alles an ihm glänzte, als die Tränen aus ihm hervor brachen.

„Jan!“
„Nein, John, kehre heim zu deinem Gott.“ Die Waffe deutete ihm mitten in sein Gesicht. Mein Arm war ausgestreckt. Hielt sie ihm entgegen. Drückte sie in eine zähe Luft wie gegen eine Wand.
Und als ob ich eine Fernsteuerung in der Hand hielt, veränderte sich die Welt. John fing an zu weinen. Er schluchzte. Alles wich aus ihm, verliess seinen Körper. Alle Sehnen, alle Muskeln verloren ihre Kraft. Der Mann brach vor meinen Augen zusammen.

„Letzte Worte, John?“
„Jan!“ Er spuckte Blut aus, gluckste, stöhnte, hing in den Händen Karls.

In meinem ganzen miesen Leben hatte ich wirklich alles üble gemacht. Und immer wenn eine Waffe dabei war, überkam mich diese verführerische Gefühl.
Eine Waffe verändert deine Haltung. Dein Denken. Die Situation. Die Verhältnisse. Die Macht. Und den Triumph. Ich hatte unbändige Lust, ihm den Lauf in den Hals zu schieben.

„Sie werden den Schuß hören, sie werden dich lynchen.“
„Dann bist du schon lange tot, John!“
„Du hast keine Chance.“
„Wenn man hierher kommt, dann hat man wohl mit allem abgeschlossen, oder?“

Ich kam näher. „ Wenn du in deine Privathölle fährst, dann denke daran: Du hast damit angefangen!“

Er schwieg.

Also machte ich weiter.

„ Ich wollte den Leuten nur erzählen, in welcher Stellung du deine Freizeit so verbringst. Nichts weiter, John. Du hast dieses Ding auf mich gerichtet. Kein Spaß, John. Das lässt mir keinen Spielraum. Entweder ich mache ein Ende, oder du wirst es tun. Überlege mal die Alternativen. Denke nach, John. Jetzt. Sofort!“

„Ich wollte euch Angst machen!“
„Denke nach, John.“
„Verdammt, Jan, was willst du?“
„Ich will wissen, was du vorhast. Du und die anderen Pfaffen! Erkläre es mir. Ich verstehe es nämlich nicht. Ich weiß nicht, seit wann ihr Nova Orleans im Visier habt, seit wann die Trooper auf eurer Seite sind, und seit wann ihr uns unterwandet. Und verdammt, nur du, John, oder gibt es da noch mehr? Macht ihr Orgien? Hier? Vielleicht auch hier? Verflixt, daran habe ich noch nicht gedacht.“

„Was redest du für einen verdammten Blödsinn? Ist das Paranoia? Oute mich doch. Ich habe dir deinen Schwanz gelutscht. Gut. Haue es raus. Zerstöre mein Leben…“
„Das werde ich tun. Keine Sorge.“
„…aber was soll dieser Verschwörungsblödsinn? So wichtig bist du nicht. Du bist nur dieser blöde Sack, der meint er wäre ein Autor.“
„Beleidige den Mann mit der Waffe. Gute Strategie, John!“

Und ab diesem Moment ging alles schief. Ich hörte eine Tür, wirbelte herum, hielt die Waffe nun in eine neue Richtung und sah in die Sonne, die durch das offene Kirchenportal schien. Ich konnte nichts erkennen, aber Karl schrie „Los, Jan, los! Knall ihn ab!“
Und ich schoss. Ich sah den kurzen blauen Blitz, klemmte die Augen zusammen, und eine Silhouette im Sonnenlicht sank zusammen. Ihr Schrei. Eine Frau.
„Jan!“
Karl. Es war wieder Karl. Verdammt.

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