Mistgabeln!

Inhaltsverzeichnis

So hatte ich sie mir immer vorgestellt. Die Bewohner solcher Gemeinden. Rechtschaffend, sauber, ordentlich. Und mit Mistgabeln bewaffnet.
Und genauso sah bisher mein persönlicher Alptraum aus. Ich drückte die Waffe an die Stirn von John, bis nur noch der Knochen noch zwischen ihr und seinem Ende stand.
„Euer Priester?“ fragte ich die Umstehenden.

Kurz zuvor hatte John rumgesschrieen wie am Spieß. Er hatte uns alles geheißen, was ihm einfiel. Karl war wirklich geneigt, ihm das Rückgrat zu zerbrechen.

Er hatte geheult. Getreten und geschrieen. Das meiste war nicht verständlich, aber laut genug, um mich dazu zu bringen, mich wieder umzudrehen.

Er tobte, er spuckte mich an, er versuchte an mich ran zu kommen. Karl riss ihn kraftvoll zurück. Aber es war als wären alle Dämme gebrochen.
„Hör auf, toter Mann!“ herrschte Karl ihn an.
„Ihr seid verrückt, ihr habt sie umgebracht, ihr blöden Säufer. Ihr habt ja keine Ahnung, ihr Schweine. Ihr kommt hier nicht raus. Niemals.“
Ich begriff nicht. Mein Gedanken krochen in einer anderen Zeit vor sich hin. Ich hörte nur noch ihn. Und nichts störte mich so sehr. Ich versuchte zu verstehen. Aber alles was ich sah, war dieser Verrückte vor mir, und den Schuß und meine Hand. Und mit dieser zog ich wieder den Abzug zurück. Ich wußte, er würde still sein. In dieser Kirche. Jetzt.
Karl sagte nur: „Nein.“ Er deutete hinter den Altar. Auf eine Tür. „Raus. Jetzt, Jan !“

Mistgabeln also. Wir standen nun hinter der Kirche. Und alle um uns rum. Alte, Junge, Frauen und Kinder, und Männer mit Werkzeug, dessen Bedeutung mit nicht klar war. Aber vor allem Mitstgabeln.Sie hatten wohl den Schuss gehört. Anders war es nicht zu erklären. Wir waren aus der Kirche getreten, und standen plötzlich vor ihnen. Sie sagten erstmal nichts, traten einen Schritt zurück, um die Situation in Augenschein zu nehmen. Wir verharrten wie vor einem Rudel Löwen. Sie sahen wie die ideale Großfamilie aus, die ich mir als Kind immer gewünscht hatte. Männer, die dünner, drahtiger und kräftiger als ich waren, hielten mir ihr derbes Werkzeug entgegen, als könnten sie damit das Böse auf Abstand halten. Frauen, so ungeschminkt, und sonnengebräunt, wie sie ich seit einer Generation nicht mehr in Nova Orleans gesehen hatte. Blaue strahlende Augen und ein Teint, der mir von gesundem Essen und einem Leben ohne der Brühe erzählte, die aus unseren Wasserhähnen kam.
„Euer Priester?“ wiederholte ich mich, und drückte ihm die Waffe mit einer solchen Gewalt gegen den Schädel, das sein Kopf zur Seite knickte.
Sie waren, ohne das ich sie zählte – dazu hatte ich keine Nerven – schlicht in der Überzahl.
„Ja,“ sagte einer, der ein halbes Leben jünger als ich war, und genau jene Muskeln hatte, die ich nur von Bildern kannte. Und natürlich blond. Und natürlich mit leuchtenden Augen.
„Tretet zurück. Tretet zurück.“
Ihr verdammter Halbkreis um uns herum bewegte sich nicht. Und ich hatte keine Ahnung, ob ich gläubige Menschen mit irgendetwas einschüchtern konnte.
„Warum?“ fragte der junge Mann.
„Wie ist dein Name?“
„Paul. Paul Markovich“.
Ich blinzelte ihn an, als würde mich die Sonne blinzeln. Aber ich rang um Zeit. Und Ruhe. Um diese Sekunden, die ein Duell ausmachten.
„Schicke die Kinder weg, Paul Markovich.“
Er war mir zu ruhig. Er war mir zu gelassen. Wir hatten nichts mehr unter Kontrolle. Wir standen mit einem blutenden, zerfetzten Pastor vor seiner Gemeinde. Auf einer Wiese, auf die die Sonne knallte und hielten ihm die Waffe an die Schläfe. Es gab Zombiesituationen, die von oben besser aussahen.

Advertisements
Mistgabeln!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s