Geisterstadt

Inhaltsverzeichnis

 

Die Ähnlichkeiten zwischen den Gemeinden beginnen mit den reinen Äußerlichkeiten. Um einen Ort zum Leben zu finden, musste zuerst fester Boden gesucht werden. War dieser nicht vorhanden, so musste man ihn aufschütten. Die erste Generation jeder Gemeinde wurde durch die rausgeschmissenen Fanatiker und ewigen Nörglern zurecht gemischt. Menschen, die sich in der Gesellschaftsform in der sie waren, als Minderheit und unterdrückt betrachteten. Sie nahmen es auf sich, in einem unwirtlichen Wald gegen die Elemente zu kämpfen. Sie wurden von Fliegen oder Riesenalligatoren aufgeressen. Unbekannte Krankheiten rafften sie dahin, oder seltsame Pflanzen fanden Gefallen an ihrem Fleisch. Die erste Generation kam, schuftete sich halb tot und machte das Land urbar. Die Vehemenz mit der das geschah war bewunderswert. Die Leistung an sich trotzte einem direkt Respekt ab. Was sich hier fand, war nicht dazu geschaffen, den Menschen eine Heimat zu geben. Trotzdem ereichten sie ihr Ziel. Irgendwie entstanden diese Lichtungen, die sich wie Tumore nach allen Seiten erweiterten. Darauf bauten sie Häuser, Wege, Vorgärten und im Zentrum, immer auf einer Anhöhe, immer verbunden mit einem wachsenden Friedhof, stand die Kirche. Das war bei der Gemeinde der letzten Distanz so. Das war hier so.

Wir landeten. Mit einem Krachen und Scheppern. Etwas abseits der Kirche. Aus irgendeinem Grund schien das Minitaxi zu glühen. Der Geruch gruseliger Elektronik schwebte über allem. Wir rissen die Tür auf. Und ich hätte am liebsten den Boden geküsst, obwohl wir nicht mal eine 20 Minuten unterwegs gewesen war. Das Ding war langsamer geflogen, als ich normalerweise schlendere.

Karl sprang ins Gras, trat zweimal auf den Boden, als wollte er testen, ob er sich unter ihm bewegt und kratzte sich am Kopf. „Jan, was wollen wir hier?“
„Paulana, die Gemeinde ist wirklich unbewohnt?“ Ich drehte mich um. Paulana betrachte sein Minitaxi kopfschüttelnd.
„Ja, klar, sagte ich doch.“
„Ok, holen wir John.“ Ich stieg wieder in das Gefährt. Der Geruch schien eher stärker zu werden als abzunehmen . Er hatte etwas bedrohliches. Mein Vertrauen in diese Technik wurde nicht besser. „Woher kommt der Geruch?“
„Ich muss ins Dorf“, entgegnete Paulana und stapfte davon.
„Hey, was ist los?
Er zuckte die Schulter, vergrub die Hände in den Taschen seiner Hose und stapfte auf einem überwachsenen Pfad in die Richtung der ersten Häuser.
„Was soll das?“
Karl spuckte aus, trat in den Gang und riss das Tape von Johns Gelenken.
„Scheisse!“ hörte ich Paulana brüllen „Scheissescheissescheisse!“

Advertisements
Geisterstadt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s