Im Sturm!

Inhaltsverzeichnis
„Ja, gib sie ihm“ Karl lehnte sich in seinem Sessel zurück.
„Was? Nein, verdammt, ich gebe ihm nicht die Waffe!“
„Okay,“ Karl setzte sich wieder aufrecht, sah mich an und stellte die Flasche neben sich „okay, nimm deine fünf Sinne und versuche dir das zu erklären. Wir sitzen 40 Meilen von einem Ort entfernt, wo du eine Frau angeschossen und einen Priester entführt hast. Wir sitzen hier fest in einem Sturm. Mit einem Piloten, der das verdammte Minitaxi nicht reparieren kann, weil er ein kleines Äffchen ist, das kein Werkzeug dabei hat. Du wolltest den Priester erschiessen, hast es aber nicht getan, und sitzt nun mit einem sterbenden Mann in einem Haus voller Leichen.“
„Wir wissen doch gar nicht, ob er stirbt.“
„Wir schlagen ihm den Kopf ab, setzen ihn auf den Schaukel zu den Anderen und in drei Monaten gibt es keinen Unterschied mehr.“
„Du würdest den Unterschied sehen.“
„Ja, das würde ich.“
„Warum?“
„Jeder Trooper sieht den Unterschied.“
„Was soll das heißen?“
„Das ich ein Trooper war natürlich.“

John wollte etwas sagen, aber Paulana zuckte mit den Fingern, den Arm immer noch zu mir ausgestreckt.
„Gib mir die Waffe!“
„Nein, vergiss es.“ Ich verstand es nicht, hier stimmte etwas nicht. Er war ein Trooper? In meinem müden Hirn knirschte Zahnrad an Zahnrad und spürte die Worte, verstand ihren Sinn noch nicht, doch redete einfach weiter: „Du warst ein Trooper?“
„Ja.“
„Du warst ein …das geht doch gar nicht, die Union lässt doch niemanden aus dem Treueeid?“
„Stimmt.“
„Wie kannst du also ein Trooper gewesen sein?“
„Ist eine andere Geschichte.“
„Du heißt nicht Karl?“
„Doch jetzt schon!“
„Verdammt, Mann, ich …“
„Du hast auch mit diesem Priester gefickt. Vergiss es, wir haben andere Probleme.“

Der Sturm wurde stärker. Rüttelte an Türen und Fenster, auf der Veranda fielen Dinge um, kegelten andere Dinge über die Dielen, raschelten Gitter, Blätter platschten an die Scheiben und der Regen wirkte wie eine einzige Welle. Und wir waren in dem U-Boot, das an den Klippen zu zerschellen drohte.
„Sind wir sicher?“
„Ja, Kunstoff-Holzgemisch mit Memory-Effekt, dehnt sich, splittert nicht, stahlhart und geht zurück in seine Form. Die Fenster sind aus einem ähnlichen Zeug. Die Gemeinden würden sonst nicht mehr existieren. Es sieht außen historisch aus, wir haben hier auch keinen Strom, aber die können hier keine Keller bauen, der Grundwasserspiegel ist zu hoch, also müssen sie sich ein klein wenig auf die Zivilisation einlassen.“
John rollte sich zusammen, zeigte uns den Rücken und gluckste :“Ihr habt Sorgen. Erschiesst mich doch einfach, dann seid ihr alle Sorgen los. Ist doch egal. Auf kurz oder lang seid ihr sowieso Geschichte.“

„Wir fesseln ihn.“ entschied Paulana
„Du sagst, dass er stirbt.“
„Trotzdem. Ist mir zu gefährlich. Der ist irre, ich kann nicht auf ihn aufpassen. Ich will schlafen. Wir fesseln ihn.“ Paulana stand auf, ging in die Küche, schnappte sich Tape, dass er unter der Spüle fand, eine Wäscheleine aus dem Waschraum und kam zurück zu einem schreienden John.
„Du blödes Arschloch, wer bist du eigentlich, du dummes Tier? Was habe ich den mit dir zu tun? Du bist doch bloss das Hündchen von diesen Idioten. Willst du für diese blöden Säufer sterben?“
„Halts Maul, Priester, ich weiß, du würdest mich umbringen. Dir würde es nichts ausmachen. Wir können nicht ewig zuschauen wie du krepierst. Und irgendwann ist es sowieso egal.“
„Was soll das heißen, du Kreatur? Du kommst doch nur raus, wenn ich noch lebe. Du hast doch keine Chance, deine Karre ist voll mit meinem Blut.“
„Ich bin nicht blöde, Priester. Also halt still, und gib endlich Ruhe, sonst lege ich dir die Leine um den Hals, und verzichte auf die Waffe. So gehts auch.“ Und damit wickelte er emsig wie ein Eichhörnchen die Wäscheleine um John, verknotete sie auf dessen Rücken und klatschte in die Hände.
„ Siehe es einfach als Bondage.“

Ich stand auf, und suchte das Schlafzimmer. Es gab scheinbar zwei. Ich vermutet, das eines das Gästezimmer war. Und ich ging einfach mal davon aus, dass es daher weniger benutzt war. Es machte vielleicht wenig Unterschied, weil ich mehr Dreck mit mir rumtrug, als das Bett sowieso schon beinhalten konnte, aber ich hatte Sorge hier wieder auf Köpfe und Skelette zu treffen. Ich setzte mich aufs Bett. Es war zu dunkel. Ich sah nur wenig. Meine Hosen waren nicht angefüllt mit Militärutensilien. Keine Lampe. Nicht sonst, nur diese kleine Waffe drückte sich an mich. Ich zog sie heraus, und legte sie unter das Kopfkissen. War möglicherweise nicht der beste Platz, aber eine Angewohnheit aus meiner Jugend.

Paulana hatte die beiden Sessel zusammengeschoben. Ich ging davon aus, dass Karl das andere Schlafzimmer nehmen würde. Also tastete ich das Bett ab, hob alle Decken und spazierte , während ich mich auszog durch das Zimmer, um alle Ecken und Kanten mit den Händen einmal berührt zu haben. Ich stieß an einen kleinen Tisch, an einen Korb und einer Art Kommode mit drei großen Schubladen, in denen sich weitere Decken und Bettwäsche befanden. Auf ihr stand eine Schüssel aus Metall.

Ich legte mich nackt auf die Matratze, breitete die Arme aus, streckte die Beine und hoffte, nicht mehr zu schwitzen. Der Sturm hatte etwas Kühle gebracht und die Schwüle verjagt. Trotzdem war es in dem Haus noch unangenehm warm.

Ich dämmerte, schlief beinahe ein, fühlte mich schwer und geschlagen. Unfähig zu Frieden, zu schwach für Krieg, und verfasste in Gedanken wütende Reden zu meiner Verteidigung.

Die Tür ging auf, und ich griff blitzartig unter mein Kissen.
Ich wäre zu langsam gewesen. Karl stand schon an meinem Bett, setzte sich mit dem Rücken zu mir und zog sich das Shirt über den Kopf.
„Ich penne bei dir.“
Ich hörte wie seine Hose fiel, sein Gürtel auf die Holzdielen schlug und das Knarzen des Bettes, als er sich zu mir legte, in meinen Arm kroch, und seine Lippen meinen Hals und meine Brust absuchten.
„Ich schwitze mir hier die Seele aus dem Leib.“
„Halts Maul, Jan!“

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