Die Bruderschaft des neuen Pfades!

„Gut. Ich weiß Bescheid. Hatte es verdrängt. Es war nicht gut. Die Zusammenhänge erschliessen sich mir auch nicht. Ich hätte es gerne vergessen.“
Wenn dein Gegenüber ruhiger wird, als du es gerade bist, dann ist das nicht immer ein gutes Zeichen. Es sind die kleine Dinge, die bei einem Spiel den Ausschlag geben. Und schon frühzeitig kann man daran erkenne, wie die Punkte wandern, sich Konten erhöhen und ein Sieg oder Verlust sich von der Seite oder von vorne oder von irgendwoher nähert. Karl spürte ich nur, Paulana beachtete ich nicht, und Johns Augen versuchten in mich einzudringen. Und gleichzeitig gewann er eine Kontrolle über seine Stimme, die mir nicht behagte. Er wurde ruhiger.

„Sie waren bei dir, Jan? Wieviele?“

„Zwei, sie trafen mich vor dem Poncho. Ich hatte schon etwas getrunken. Es war spät. Ich saß an einem der Tische, die vor dem Poncho stehen. Ich saß da, weil es innen zu heiß war. Und ich auf etwas Kühle hoffte.
Sie kannten meinen Namen. Ich habe jedoch keine Ahnung, wie sie hießen. Sie setzten sich zu mir. Und wollten mit mir reden. Sie sprachen mich auf meine Bücher an. Fans. Scheinbar.“

Er kicherte unverschämt. Als hätte ich einen dreckigen Witz gemacht, allein – mir war die Pointe noch nicht so ganz klar. So wartete ich bis er wieder ansetzte. Und mich so auffordern wollte, weiter zu erzählen.
„Und, Jan, sie waren jung und gutaussehend? „
„Sie sahen nicht nach Nova Orleans aus. Sie waren eigentlich wie aus dem Ei gepellt. Aus einem Ei. Verführerisch jung, gut genährt. Irgendeinein tolles Fitnessprogramm. Es war ihnen anzusehen. Nichts an ihnen sah nach körperlicher Arbeit aus. Ich vermisste etwas. Vielleicht ist es eine gewisse Verdorbenheit, auf die ich dann doch Wert lege. Ich war skeptisch. Trotzdem dachte ich, es sei ein Angebot.“
„Ein Angebot!“ Sein Lachen wurde lauter.
„Ein Angebot. Ja, ich hoffte darauf. War es auch. Sie kannten meine Kolumne, meine Bücher und zwei drei Sachen, auf dich ich nicht so stolz bin.
Sie flirteten mit mir, ziemlich obsessiv. Ich war drauf und dran, eine Menge Geld für Drinks auszugeben. Aber sie lehnten ab. Sie bräuchten das nicht. Ihr Englisch war nicht von dieser Welt, um es mal so zu sagen.
Meine Mutter wäre über einen solchen Schwiegersohn froh gewesen. Beide sahen ungefähr so aus, wie man sich mal kalifornische Surfjungs vorgestellt hat. Direkt vom Strand in Santa Barbara nach Nova Orleans gespült. Sie waren das, was ich von einem guten Porno erwarte..“
Karl beobachtete mich.
„Sie waren beide blond, aber der Eine, wahrscheinlich der Ältere, hatte eine indische Tättowierung auf dem Handgelenk. Dieser sitzende Elefant mit all den Blumen. Ihr kennt das. Ich sah es mir genauer an, nahm seine Hand und zog sie zu mir her. Schöne Arbeit. Vielfarbig, sehr detailliert. Grund genug um plump zu flirten. Ob es davon noch mehr gäbe, fragte ich ihn. Ich kann schleimig sein, wie eine alte Seeschnecke. Wie auch immer es die Situation erfordert bin ich bereit jedes Gift einzusetzen. Mein Körper führt Krieg gegen mich, und was immer ich umsonst bekomme, das nehme ich mir.
Zu meinem Erstaunen ging er auf alles ein. Zog seine Hand nicht weg. Und als ich darüber strich, liess er auch das geschehen.“
Ich senkte den Kopf. Sah die Dielen, die Füsse von mir, den Staub und Dreck an Johns Beinen und dachte kurz nach.
„Seien wir ehrlich. Die Jungs kommen nicht zu mir. Ich komme zu den Jungs. Meistens geht es um Geld. Manchmal nur um ein Essen. Es passiert nichts von alleine. Wenn dann sowas geschieht, dann wohnt dem ein Zauber innen, dem ich erliege. Ich bin da recht einfach. Und mein Hirn schaltet sich aus, vor allem, wenn ich die richtige Dosis in mir habe. Ich habe keine Hemmungen, wenn man sagt, dass das, was ich mache, gut ist. Oder wenn man mir zu verstehen gibt, was für ein cleveres Kerlchen ich bin. Und ob ich hier in der Gegend wohne. Mein Arbeitszimmer zeigen könnte. Scheiße, Mann in meinem Alter, ist allein schon Jugend verbunden mit purer Erotik. Jeder Körper um die Zwanzig strahlt genau das aus, was ich mir zusammen phantasiere. Ich mag keine Probleme, ich mag diese Unschuld. Ich mag diese Haut. Ich, scheiss darauf, es ist nur …einfach mein Fehler…“

Johns Kichern war nicht das, was ich hören wollte. Zu ertragen bereit war. Ich biss die Zähne zusammen.

„Das Licht war nicht besonders gut, und alles was ich sah, das waren nur die Details, die die richtigen Saiten zum Klingen brachten. Ihr kennt das. Gesundheit, klare, weiße Zähne, blaue Augen, ohne diese gelbe oder grüne Farbe darin. Irgendwann, wenn man alles schon gesehen hat, dann ist es das, was dich verrückt macht.
Fassen konnte ich das nicht ganz, als ich ihnen meine Arme um die Schultern legte, und den Sugardaddy spielte. Keines der Bilder gefällt einem, wenn die Geilheit abgeklungen ist, aber es fühlte sich so verdammt gut an. Sie neben mir zu haben, durch die Straßen zu meinem kleinen Haus zu gehen. Scheißdrauf, ich hätte die Burschen auch auf der Straße …egal. Wir kamen bei mir an. Und mein blödes Hirn drehte ab. Ich sabberte quasi bevor ich über die Stufen trat. In mir lief dieser Film ab. Konstellationen und Stellungen, die ich noch nicht erlebt hatte. Bilder einfach, die mich fluteten. Ich war ziemlich durch den Wind. Der jüngere von ihnen, also der ohne die Tättowierung, schwieg und lächelte nur. Das jedoch wie ein bekiffter Engel. Er sah so harmlos aus, dass einem Angst und Bange werden konnte.
Bin ich daheim, dann benehme ich mich wie ein Idiot. Ich öffne Türen, reiche alles raus, geben den Jungs was zu essen, was zu trinken. Ich denke, ich muss das tun, sie sollen doch was davon haben…
Ich weiß auch nicht. Ich war so besoffen, dass ich wie ein dressierter Affe in der Unterhose hinter ihnen her schlich. Ich war daheim. Ich dachte, was jetzt passiert, das geht weder Himmel noch Hölle etwas an. Hier darf ich Drache, Löwe, Bär und Eichhörnchen sein. Ich hatte vor, sie durch das Schlafzimmer, den Flur und die Küche zu ficken. Ich wollte ihre Zehen lutschen und jeden Zentimeter dieser Körper küssen.
Und dann sassen sie in meiner Küche, auf den einzigen beiden Stühlen, die ich habe, und fragten mich, ob ich mir jetzt gut vorkomme. Und nicht ein bißchen blöd oder so. Ob ich wirklich denken würde, dass es ihnen um meinen Schwanz gehen. Sie sassen da, in voller Montur, und ich stand vor ihnen, stank nach Alkohol, grunzte blöde und hatte schon wieder eine Schnapsflasche in der Hand.“

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