Das ist ihr Revier!

Inhaltsverzeichnis

„Nein!“

Karl schüttelte den Kopf. „Nein, das werden wir nicht machen. Wir werden das Dorf nicht abbrennen. Nicht bevor wir nicht wissen, was hier los war.“
Ich stand auf. Ging ein paar Schritte, stoppte und drehte mich um. Die Blicke ruhten immer noch auf mir. Besonders Paulana schien besorgt. John hatte den Kopf gesenkt. Nur Karl wich der Konfrontation nicht aus. Er wirkte zwar entschlossen, aber hatte dennoch einen Ausdruck, der mir zeigt, dass ihm durchaus bewusst war, wie schwer mir das alles fiel.
„Jan, es geht mir wie dir. Ich verstehe die Zusammenhänge noch nicht. Das hier war nicht nur die Bruderschaft des neuen Pfades. Sie war wahrscheinlich ein Teil davon, aber das Bild ist noch nicht komplett. Und all meine Vermutungen hinsichtlich der Trooper müssen nicht der Wahrheit entsprechen.“
„Trooper!“ Stieß Paulana hervor. Er hatte den Platz gewechselt, aber ich achtete nicht auf ihn.
„Ja, Trooper.“ bestätigte Karl. „Aber es kann auch ganz anders gewesen sein.“
„Nein, nein, Trooper!“ zischte Paulana, und senkte seine Stimme merklich. „Hier, draußen. Auf dem Weg!“

Er war zum Fenster gegangen, spähte durch die Blätter, und bedeutete uns per Fingerzeig leise zu sein.
„Sie haben uns nicht gesehen.“

„Warum sollten sie uns nicht sehen? Was habe ich gegen Trooper?“ stieß John aus.
„Denke nicht daran, John, du würdest es nicht überleben.“ Die Waffe lag wieder in meiner Hand, drückte ihm die Mündung gegen die Stirn. „Also ganz ruhig.“
„Ah, schon wieder? Ihr habt nicht die Eier dazu!“
„John!“

Karl stellte sich neben Paulana.
„Sie gehen zum Minitaxi. Ist der Notruf an?“
„Welcher Notruf?“

„Verdammt, Paulana, der Notruf. Das Ding, dass sich bei Schäden einschaltet. Ist es an?“
„Nein, natürlich nicht.“
„Du kriegst doch gar keine Zulassung ohne Notruf. Was soll das?“
„Mann, ich bin meine Zulassung aber auch in Nullkommanix wieder los, wenn sie mich orten können oder meine Flugrouten kennen. Das Ding ist aus. Ich kann es jederzeit einschalten, aber es ist aus.“
„Warum sind hier Trooper?“
„Was weiß denn ich? Weil sie nie weg waren? Dass solltest du doch wissen.“

John rührte sich plötzlich, brachte sich in eine neue Position.
„Ich drücke ab, John!“
„Verflucht…“

Während Paulana unverändert hinaus sah, duckte sich Karl, kam in dieser Haltung langsam zu mir, setzte sich neben John.
„Kannst du laufen?“
„Einen Scheiss kann ich …“
„Drücke ab, Jan, er ist nur Ballast!“
„Ok. Ok. Wir versuchen es. Verdammter Nazi. Ich werde dir in deinen kahlen Schädel pissen, wenn das hier vorbei ist.“
„Du sollstest dich gut mit uns stellen, John, wenn du das Ende von all dem noch erleben willst.“

Wir vermieden jedes weitere Wort für einen Moment. Lauschten, hörten nichts von außen und auch Paulana schien die Ruhe selbst. Karl runzelte seine Stirn, richtete sich nur an mich, und versuchte mit seinen Händen seine Worte zu unterstreichen.
„SIe sind auf dem Weg zum Minitaxi. Das Teil wurde vom Sturm umgeworfen. Der Eingang ist damit versperrt. Man kann es wieder aufrichten, aber das könnte länger dauern, wenn sie keine ExosAnzüge nutzen. Das machen Trooper hier selten. Das weißt du, es ist zu heiß. Der Sturm ist auf unserer Seite. Keine Spuren von uns auf dem Weg, oder sonstwo. Da draußen sieht es aus, als wäre ein großer Rechen über alles gefahren. Aber es sind Trooper. Und sie sind zu sechst. Sie werden sich also aufteilen und alle Häuser durchkämen. Das heißt, es ist eine Frage der Zeit.
Sie sind gut bewaffnet. Soweit ich das erkennen konnte, zwei Frauen und vier Männer. Unterm Strich haben wir keine Chance. Wir dürfen ihnen nicht begegnen. Das ist nicht Nova Orleans. Das hier ist ihr Revier. Sie dürfen hier alles machen. Und ich weiß noch nicht, warum sie da sind.“
Er holte kurz Luft, überlegte, sprach langsam und betont weiter.
„Es kann sein, das seine verdammte Gemeinde sie auf uns gehetzt hat. Das wäre übel. Es kann sein, dass das Minitaxi doch einen Notruf hat. Das wäre okay, aber dann dürfen sie ihn“ – er deutete auf John – „nicht finden. Denn das wiederum wäre übel. Es ist auch möglich, dass sie nie verschwunden sind. Warum auch immer, und wir sind dummerweise einfach nur in ihrem Dorf gelandet, ohne es zu wissen. Und dann, ist es nur übel.“
„Es dampft also?“
„Es stinkt!“
Seine Stimme änderte die Frequenz, war nur noch an mich gerichtet. Wurde leiser, flüsterte fast unhörbar, so daß ich seinen Mund beobachten mußte. „Vielleicht spielt auch jemand falsch.“

Dieses gigantische Fragezeichen. Es war wohl in meinen Augen.
Und so kam es ohne ein Laut über seine Lippen.
„Paulana.“

John lächelte uns an.

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