Unten!

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Der Keller war eine clevere Idee. Ich konnte mich nicht sonderlich für Architektur begeistern. Es gibt Themen, bei denen ich genetisch gesehen, so schlecht bin, dass sich das Aufstehen für mich nicht lohnen würde. Ich liebe Gemälde, hasse Mathematik. Ich schreibe im besoffenen Zustand besser, als so mancher nüchtern. Ich singe den Blues, wie ein vergessenes Kind aus dem Baumwollfeld, das gerade Vater und Mutter verloren hat. Aber erzähle mir etwas von der Physik, versuche mich für Chemie zu begeistern oder bringe mich in Berührung mit irgendetwas, dass mit Handel, Wirtschaft und Geldverkehr zu tun hat. Es interessiert mich einen Dreck und ich verstehe es nicht.

Architektur ist die Kunst Häuser zu bauen, die ich mir nicht leisten kann. Ich lebe und lebte in Häusern, die Verrückte zusammengeklopft haben, als sie dem Wahn verfielen, sie könnten so etwas. Ich bin beeindruckt von Gärten und Parks. Ich möchte vor großen Glasscheiben sitzen und auf den gleichmäßigen Kies starren. Allein, ich kann mir das nicht leisten. Ich bewundere sowas. Die Reinheit, die Kühle, den edlen Verzicht durch große Räumlichkeiten.

Architektur war für mich etwas, das in tollen Magazinen stattfand, die ich bei Ärzten oder auf fremden Toiletten las. Der Keller unter Sonyas Haus war das Maximum an Architektur, das ich gerade bewundern konnte. Alle Häuser der Gemeinde standen quasi auf Stelzen. Der Abstand zwischen Boden und Haus reichte um darunter zu kriechen. Bestimmt versammelten sich wilde Tiere unter den Häusern.

Wir schmissen John fast die Treppe runter. Er krachte an die Plastikwand, und blieb dort für einen viel zu langen Moment regungslos legen. Um ihn bildete sich eine Lache. Und ich wollte nicht über den Ursprung der Flüssigkeit nachdenken.

Karl hatte Unrecht. Natürlich konnte man Keller in dieser Gegend anlegen. Es sprach nichts dagegen, auch wenn es uns nicht sofort einfiel. Und es war total einfach. Wir konnten immerhin unsere Stationen auf dem Meeresgrund betreiben. warum sollten wir also keine Keller im Sumpfgebiet einrichten? Sonya lachte, und das leuchtete sogar mir ein. Der Witz daran war nur, dass das Ding nichts anderes als eine große Plastikschale im Erdboden war. Tupperware für Menschen. Entsprechend zu verstecken, damit es nötigenfalls auch als Schutzbunker dienen konnte. Warum Karl nicht darauf gekommen war – keine Ahnung.

Er hatte sein Messer auf den Tisch gelegt. Und seine Arme verschränkt. Sonya lehnte am Küchenschrank, hielt ein Glas Limonade in der Hand und Paulana starrte aus dem Fenster. Hielt uns auf dem Laufenden, über das, was er im Garten sah. Das war nicht viel. Eigentlich gar nichts. Die Trooper liessen sich Zeit. Die wir uns dann nahmen.

Ich stand in einem Nebel aus Gerüchen, die mir selbst fremd waren, aber wiegte mich in dem kuriosen Gefühl der Normalität. Sonya strahlte alles aus, nach dem ich mich in diesem Moment sehnte. Es gibt Augenblicke, in denen man seinen Gegenüber mit einer Macht liebt, die zu Dummheiten zwingt.
Sonya war genau das Pensum unbestimmter Sicherheit, nach dem ich mich nun sehnte.

„John Grizzly? Warum er?“ fragte sie.

„Ich weiß es nicht.“ Und ich merkte, dass es wie immer die einfachen Fragen waren, auf die ich keine Antwort kannte „Es ist eine lange Geschichte voller Lügen, und ich habe keine Ahnung, warum du hier bist. Und wem ich trauen kann.“

„Jan.“ Sie sah an mir vorbei. „Ich bin hier, weil Nova Orleans untergehen wird. Und weil ich verliebt war.“ Die Kunstpause machte mir mehr zu schaffen als ihr. „Nicht in dich, Jan.“

„Trooper!“ Paulana duckte sich blitzschnell hinter dem Vorgang.

Nur Karl liess sich viel zu langsam vom Stuhl gleiten, während Sonya in die Knie ging „Nicht hier, oder?“

Ich befand mich auf Karls Höhe. „Keller?“

Paulana deutete uns zu warten: „Langsam, sie sind vorne im Haus.“

Der Griff zum Messer geschah automatisch. Karl duckte sich, sprang durch die offene Luke in den Keller. Ich folgte ihm. Sonya schloss sich langsam an. Paulana war schon hinter uns zu sehen.

Ein Blitz raste über uns hinweg, schlug in irgend etwas ein. Küchenschrank ? Geschirr splittert. Metall flog durch die Gegend. Paulana sprang an uns vorbei. Es war wie ein Blitzlicht. Und alle Gesichter waren für einen viel zu kurzen Moment erhellt, zeigten starke Konturen, erschraken im Schwarz und weiß.
Er schmiss die Luke hinter sich zu.
„Verdammt!“

Der Geruch des Feuers begleitete uns, als wir die Plastiktreppe hinabstiegen. John war aufgewacht, riss Augen und Mund gleichzeitig auf.

Er wollte schreien.

Ich zog die Waffe, richte sie auf die Luke, war aber auch bereit John endlich zum Schweigen zu bringen.

Wenn nötig.

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