Tritt hinter mich, Jan!

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„Warum der Schuss? Verdammt, warum haben sie geschossen? Haben sie dich gesehen?“ Ich flüsterte. Und fühlte mich selbst nicht wohl dabei. Ich hatte das Gefühl, der Sturm brach genau jetzt los. Jetzt, in diesem Moment. Sie mussten uns gesehen haben. Das musste der Grund sein.

Wir hatten die Luke geschlossen, sahen hinauf und wieder uns an. Paulana sagte nichts. Er biss auf seine Lippen, sah nach oben, beobachtete die Luke und schwieg.

Eine Art Notbeleuchtung erhellte den Keller in einem warmen, gelben, aber sehr zurückhaltendem Licht. Eine dumpfer Schatten hatte sich über uns gesenkt, der die Wände wie Nikotin färbte und unsere Gesicher faltig und seltsam erscheinen liess. Wie die ersten Siedler hatten wir uns um das Licht versammelt und wagten nicht den Kreis zu verlassen. Tasächlich sahen wir alle nur gespannt auf die Luke. Und versuchten heraus zu bekommen, was über uns geschah.

John hatte nicht geschrieen. Wir harrten also aus. Zählten, warteten und lauschten.Wenn sie uns gesehen hatten, dann würden sie uns in dieser verdammten Wanne finden. Dachte ich. Eine einfache Falle. Die übelste, in die wir reingeraten konnten. Plastikwände. Plastikboden. Und alles so hart, dass es keinen Ausweg gab. Ich war überzeugt, es war ein Fehler. Keine Chance. Wir lauschten. Es war nur ein Schuss. Genug um eine komplette Küche in Sekunden zu pulverisieren. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, wie es über uns aussah. Aber Sonya legte den Finger auf ihre Lippen und formte ein „Psst!“

Ich vemutete, alles was sich in ihrer Küche befand war nun zu Streichhölzern gewandelt, in Scherben über den Boden geflutet und zu Staub zerfallen. Nichts besseres konnte uns geschehen. Wenn es eine Chance gab, dann war es die, dass dieser Sauerstall alles verdeckte. Sonya formte Wolken in die Luft, die auf dem Boden zerfielen. Ich nickte und vermied jeden Laut.

Wir lauschten.

Nicht einmal die Papageien gaben einen Ton von sich. Sonst verlässliche Boten jeglichen Unheils. Es war einfach nur ruhig. Zweitausend Fragen für Sonya, dreitausend für John. Vor dem stand gerade Karl und drohte ihm – ohne mit einem Muskel zu zucken – eine einfachen Faustschlag an. Johns Pupillen irrlichtertenden hin und her, doch ergaben sich der Situation. Es war viel zu ruhig. Der Wald hatte sich versteckt.

Sonyas Arme senkten sich. Ihre Hände glitten durch die Luf an ihrem Körper hinab. Kamen in der Höhe des Gürtels zur Ruhe. Bewegten sich auf die silbernen, metallischen Hüllen an den Seiten zu. Griffen sie und zogen sie heraus. Zwei Röhren, mit jeweils einem Knopf, auf den sie je einen Finger legte, aber nicht drückte. Sie hielt die Röhren, die knapp aus ihren Fäusten ragten kurz vor sich, dann senkte sie sie und wirkte entspannt. Ihre Muskeln schienen zu erschlaffen und ihr Kopf fiel auf ihre Brust, als wollte sie einschlafen. Im Stehen.

Würde ich sagen, dieses geschah in Sekunden, dann würde ich dem nicht gerecht. Tatsächlich flossen die Bewegung wie in einer strengen Lehre fast augenblicklich ab, beschäftigten mich für einen Moment und verwunderten mich wesentlich länger. Sonya wartete. Sie spannte sich an, wurde wacher, und wartete immer noch.

Ich deutete auf die Röhren in ihren Händen. „Was ist das?“ Ich hatte so etwas noch nie gesehen. Ihre Haltung war nicht zu deuten, aber dennoch schien alles tausendmal geübt. Ich dachte tatsächlich an Nunchakus, aber sie führte sie nicht zusammen,und eine Verbindung war nicht zu sehen.
„Peitschen!“ entgegnete sie ohne eine sichtbare Bewegung ihrer Lippen. „Laser!“

Ich hatte doch davon gehört.

„Tritt hinter mich, Jan!“

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