Shootout!

Kapitel Sechsunddreißig

(PDF inklusive Kapitel FÜNFUNDDREISSIG: Version 0.1.1 – Fünfunddreissig Kapitel )

 

Und sie kamen wieder. Karl warf sich auf den Boden, ich schoss. Und die ersten Regentropfen fielen. Paulana drückte sich fester an die Hauswand. Sein Blick war verärgert. Geradezu böse. Nicht gerade das, auf was ich mich ich mich verlassen wollte.

Aber ich schoss weiter. Hielt einfach drauf. War so meine Art. Wie gesagt: Ich ziele nicht besonders. Ich richte den größtmöglichen Schaden an und gut ist es. Meistens.

Karl lag flach auf dem Boden im Wohnzimmer. Ich fragte mich, mich mit was er da schoss. Denn er schoss. Und das ausgesprochen zurückhaltend. Zielsicher. Wie ein Sniper. In einer Art und Weise, von der ich meilenweit entfernt war. Und wie ich die Welt über ihn versengte und verbrannte, fiel es mir ein. Der Trooper. Jener hinter mir. Der unter den Peitschen Sonyas gefallen war. Ich hatte nicht auf seine Waffe geachtet. Weil er keine mehr hatte. Karl hatte sie entsichert und beschoss die hereinstürzenden Trooper. Sie waren zu dritt. Nicht besser. Nicht cleverer, aber irgendwie geschützter als wir. Keine Ahnung, wie sie es schafften, sich im Raum zu verteilen, Möbel vor sich zu schieben und eine Position zu finden, die es uns ziemlich schwer machte.

Ich konnte nichts hören. Keine Schreie. Keine Schüsse. Einfach nichts. Trotzdem sah ich, wie das Holz splittert, die Strahlen kreuz und quer gingen, die Schüsse mittlerweile über uns hinweg flogen, und Paulana sich tiefer duckte. Es war nur ein kleiner Ausschnitt, den ich erkennen konnte. Zuwenig um besser zu helfen. Ich schubste Paulana vor mich her. Deutete ihn an, jetzt endlich rein zu gehen. Nun. Jetzt. Auf jeden Fall. Rein. Er blieb stehen. Verdammtes Hin und Her. Ich arbeitete mich vor. Schob ihn hinter mich. Und hielt vorsichtig meine Kopf in die Tür.

So macht man das, wenn man lebensmüde ist. Aber ich war weder kampferprobt, noch sonderlich fit in diesen Dingen. Und verliess mich ausschliesslich auf Karl. Mein Anker. Meine Rettung. Mein Fels. Ich sagte das schon. Und ich betete, dass Sonya bei John blieb. Sie würde jeden Schaden an jeder Stelle in ein Massaker verwandeln. So was überlebt man kein zweites Mal.

Karl robbte zurück in die Küche. Ich kam langsam hinter ihm in die Position, von der ich annahm, dass sie einen toten Winkel für die Trooper darstellte. War meine Hoffnung. Eine Sicherheit hatte ich jedoch nicht. Sobald Karl zurück in der Küche war, sprang er auf und stellte sich neben die Durchgangstür.

Wir beide verharrten nun in einer Position, die wir für günstig hielten, denn unsere Waffen überkreuzten  nun ihr Schussfeld. Das schien mir cleverer als den Kopf vorzustrecken und eher zur Zielscheibe zu werden. Die Trooper verwendeten eine Taktik, die ich nur von Mäusen kannte. Sie verharrten. Ich nahm an geräuschlos, denn Karl deutete vielsagend auf seine Ohren, zuckte mit den Achseln und machte ein Zeichen für drei. Naja, das wußte ich auch schon und wackelte ein bisschen mit dem Kopf. Um auch etwas zur Unterhaltung beizutragen.

Karl hob seine Waffe, die sich von meiner schon dadurch unterschied, dass sie um einiges größer war, einen Tarnanstrich hatte und nur mit zwei Händen bedient werden konnte. Außerdem konnte er an verschiedenen Knöpfen rumfummeln, die dazu führten, dass er bei dem tonlosen Wort drei ein Loch in das Haus brannte, dass aussah als würden wir mit Kanonenkugeln schiessen. Ich beobachtete den Ladevorgang des Gerätes und sah, wie er blitzschnell vortrat, den Sessel anvisierte und ihn zu Zahnstochern zerlegte. Inklusive der jungen Frau, die ihn erschrocken ansah, und in einem Moment, den ich zu deutlich wahrnahm, zu etwas zerfiel, dass kaum etwas übrig liess von dem, was sie mal war. Ich konnte mich nicht regen bis Karl wieder hinter seinem Türrahmen stand, die Ladeanzeige ansah und sich wie in Zeitlupe in das Schussfeld bewegte um den zweiten Trooper ebenfalls in einen bösen Fleck aus Fleisch und Blut zu verwandeln. Ich kotzte, sah weg, hielt den Arm in den Raum und schoss auf irgendwas. Ich sah nicht hin.  Wenn dort noch Leben war, dann nicht von jener Sorte, die ich erkennen konnte. Mein Blick auf Karl zeigte mir, wie er abermals die Lichter auf dem Ding anstarrte, es durch die Tür hielt und in einem Modus, der mir neu war, etwas streute, dass die Luft versenkte, den Rauch erhöhte und jegliche Bewegung ersterben liess. Der Boden unter mir war glitschig, die Luft stank nach Fleisch und Blut und verbrannten Material jeder Sorte. Ich erbrach mich abermals und hielt mich am Türrahmen, oder an Paulana, der gerade neben mir stand. Keine Ahnung. Ich dachte nur daran, dass wir 4 Trooper umgebracht hatten, und es zwei noch geben mussten, die uns das Fell abziehen würden, wenn sie uns nur fanden. Und sie würden uns finden. Ich würge alles aus mir raus. Und setzte mich daneben.

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Shootout!

Zurück! (und Außerhalb des Kampfgetümmels bleibt die Welt wie immer)

(PDF mit allen Kapiteln: Version 0.1.1 – Fünfunddreissig Kapitel )

KAPITEL VIER­UND­DREISSIG

Außerhalb des Kampfgetümmels bleibt die Welt wie immer

Außerhalb des Kampfgetümmels bleibt die Welt wie immer. So friedlich und absurd, so unbeeindruckt, wie sie eben nur sein konnte. Ich wollte Paulana nicht loslassen, aber er setzte mich im Garten auf einem Holzquader ab und war drauf und dran, wieder rein zu gehen. Was immer er auch von Sonya oder John wollte.

Ich hatte noch nicht einmal ausprobiert, ob meine Stimmbändern nicht funktionieren. Dass mein Gehör versagte, ließ darauf schließen, dass ich auch nicht sprechen konnte. Aber war dem wirklich so?

Karl durchkreuzte den Garten mit wildem Schritt. Er schien sich keine Sorge über verbleibende Trooper zu machen. Sah so die Taktik der Burschen aus? Gingen sie so vor? Sturmangriff. Rein. Und dann weg? Weit weg?

Als ob mir Wachs in die Ohren geträufelt worden wäre. Ich nahm keine Schritte war, keine Papageien, keine knickenden Blätter. Nichts. Nur ganz dumpf klangen vereinzelt Geräusche auf mich ein, die weit weg und nicht zu orten waren.

Karl öffnete die Küchentüre des Hauses, das wir vorhin verlassen hatten und trat vorsichtig ein. Ich sah, wie er, fast schon tastend, langsam hinein ging und dabei versuchte möglichst wenige Dinge zu berühren oder zu bewegen. Im Innern befand sich ein Holzboden. Oder ein gut gemachtes Imitat mit ähnlichen Eigenschaften. Jeder seiner Schritte würde knarren, vermutete ich. Nicht gut.

Ich stützte mich auf den Quader mit einer Hand. Hievte mich wieder in eine stehende Position. Eine scheinheilige Sache, dieses Gleichgewicht, dachte ich noch, während ich es mit zusammengebissenen Zähnen suchte. Das ging gerade eben noch besser, aber veränderte sich nun schlagartig.

Alles, was ich aus der Medizin wusste, ratterte mir durch den Kopf. Und nichts davon klang irgendwie gut. Schlaganfall. Schock. Es gibt eine Art Hörsturz, die im Ohr das Gleichgewichtsorgan in Mitleidenschaft zieht. Danach verwandelt sich die ganze Welt in ein Schiff und man darf kontinuierlich kotzen. Verschwindet wieder. Reißt aber den Boden unter den Füßen weg. Ich beließ die Hand auf dem Quader und fluchte tonlos. Die Augen suchen in solchen Momenten den festen Punkt, aber kämpfen ziemlich erfolglos mit ihm. Ich konzentrierte mich auf den Quader, schaute ein bisschen höher, dann weiter und war wieder im Garten. Nichts schien mehr echt. Alles wie ein Spiel. Also zog ich auch wieder die Waffe. Und hielt sie auf die Küchenfenster gerichtet.

Und das war der Weg. Hin zu den Küchenfenstern. Ich musste Karls Augen erweitern, dort sein, wo er nicht hinsehen konnte.

KAPITEL FÜNFUNDDREISSIG

Zurück !

Ich wankte auf die Küchenfenster zu. Es war schwierig. Erforderte den letzten Rest meiner Konzentration. Ich konnte Karl nicht mitteilen, was ich vor hatte. Die Lautstärke meiner Stimme war schwer abzuschätzen. Wenn sie überhaupt noch vorhanden war.

Ich glich einem alten Trunkenbold. Mein Gang durch den Garten wurde zu einem Hangeln, weniger zu einem eigenständigen Gehen.

Mein Blick blieb starr und eingeschränkt. Jedes Ausweichen erschien mir wie ein Kraftakt. Ich war überrascht, wie sehr sich Teile von mir unabhängig bemühten den Normalzustand zu erreichen. Ohne das ich irgendwie bewusst darin eingreifen musst.

Ich war der besoffene Bär, der auf das Küchenfenster zu stolperte. Um mich geschahen Dinge, die mich als einen Spielball auf Wellen tanzen liessen. Meine Überlegung galt den Troopern. Am Küchenfenster angekommen, versuchte ich mir einen Überblick zu verschaffen.

Praktisch gesehen war ich vogelfrei. Und das gefiel mir überhaupt nicht. Es lief alles verkehrt und wir gerieten zunehmend in eine Situation, die wir nicht steuern konnten.

Tatsächlich befand ich mich zu diesem Zeitpunkt in meiner eigenen Kapsel. Komplett abgeschnitten von den Anderen, die ich nicht mehr verstand. Ich hatte keine Ahnung, ob ich jemals wieder nach Nova Orleans zurückkommen würde.

Vollkommen unmöglich, dass die Dinge noch schlechter stehen konnte. Der Sog, der auf uns einwirkte, war spürbar. Aber nicht zu unterbrechen.

Der Sturm hatte die Fenster mit einem schmierigen Film aus aufgeworfener Erde und Blätter bedeckt. Das machte es schwer hinter ihren Scheiben etwas zu erkennen. Ich sah in die Küche. Aber von hier aus, war ich es, der in einer schlechten Position sass.
So hell wie es hier war, wäre ich gerade mal das Kanonenfutter. Und könnte damit Karls Leben retten. Er war mittlerweile in das Haus eingedrungen. Ich unterliess den Versuch etwas zu sagen. Ich hatte schon Probleme beim Atmen. Und alles um mich herum war einfach nur ein schlecht justiertes Bild. Ich spähte und spähte und sah nichts. Wie ein Maulwurf bei Tageslicht. Wir waren praktisch blind. Aber verdammt gut sichtbar.

Die Waffe war ungleich schwerer als zuvor. Ich wischte mit meinem Ärmel an der Scheibe und beobachtete das Innere. Duckte mich darunter. Rieb meinen Rücken an der Hauswand, bis ich zum nächsten Fenster gelangte. Zog mich hoch, schaute wieder durch das Fenster. Sah Karls Rücken. Er war in die Knie gegangen. Stützte sich mit einer Hand auf den Boden. Bewegte die andere am ausgestreckten Arm durch den Raum.

Ich fand Karls Vorgehen mutig. Und irgendwie typisch für jemanden, der sich als menschliche Ramme verstand. Der beängstigende Teil daran war, dass Karl mein Anker war. Der verlässliche Part in meinem Leben. Ich selbst war mir eher ein Rätsel.
Ich hielt die Waffe genau auf Karls Rücken gerichtet. Fiel er, dann würde ich schiessen. Egal auf was. Sein Rücken war der einzige Fleck, der mir die Sicht versperrte. Alles vor ihm war das große Unbekannte.

Paulana knallte neben mir gegen die Hauswand. Ich drehte mich erschrocken zu ihm hin, hielt den Finger an die Lippen und riss meine Augen auf. Er dagegen tippte sich gegen die Stirn.
Ich befürchtete niemand würde sich um John kümmern, aber als ich für einen Moment den Blick auf Sonya richtete, sah ich sie in den Keller runtersteigen. Das war wie Ordnung im Chaos.
Ich atmete durch und konzentrierte mich wieder auf Karl. Er bewegte sich in das Wohnzimmer. Paulana wollte ihm sofort folgen. Meine Hand krallte sich schnell in sein Nackenfell. Ich hielt ihn fest, zog ihn zurück. Er wehrte sich, aber viel zu langsam um damit Erfolg zu haben. Bleckte die Zähne und versuchte meine Hand abzuschütteln. Ich hielt ihn weiter hin fest. Die Welt war tonlos und ruhig. Viel zu still, um mir Angst zu machen. Er sah aus, als würde er beißen. War mir egal.

Wie eine Katze zwang ich ihn zurück in eine geduckte Position. Drückte ihn tiefer, liess ihn los und schlug ihm noch schnell in den Nacken. Er verharrte.

Das Licht über uns veränderte sich. Ein großer Schatten schob sich vor die Sonne und ein leichter Wirbel zeichnete feine Spuren in Paulanas Fell.

New Louisiana hat kaum Erhebungen. Keine Gebirgskette, nur Hügel, und ein paar weit verstreute Pickel auf seinem Antlitz, die man als Berge durchgehen lassen konnten. Es gab nichts, was den Wind oder den Regen bremste. Wetterprognosen waren sehr kurios, denn sie galten nur für einen sehr kurzen, überschaubaren Zeitraum. Es gab schlagartige Wetteränderungen, die jeden überraschen konnten. Mir war das Wetter nicht so wichtig. Stürme sind Stürme. Kam ein Sturm, dann sprach sich das bei den Menschen ähnlich rum, wie bei den Papageien. Einem Sturm gehen Boten und Rituale voraus.
Die komplette Tierwelt von New Louisiana bereitete sich auf einen Sturm vor. Vögel veränderten ihr Verhalten, Kängurus verkrochen sich, und Alligatoren tauchten ab. Die Affen suchten unsere Nähe.
Wir wurden in einem kurzen Rhythmus verdunkelt und wieder aufgehellt. Früher kannte ich solche Schattenwanderungen nur aus Filmen, die die Zeit komprimierten. Hier jedoch vermittelten sie einen guten Eindruck von den Wetterverhältnissen, die sich gerade wieder dramatisch veränderten.

Es sah nicht nach Sturm aus. Sturm ist ein Phänomen, das seltener kommt und häufiger erwähnt wird. Aber es war kein Sturm. Dennoch kündigte sich Regen an. Ankündigen hieß nicht, dass es heute irgendwann regnete. Ankündigen hieß, dass wir drauf und dran waren im Matsch zu ertrinken. Selbst wenn uns dazu noch gut zwei Meter fehlten.

Und es war natürlich nicht so, dass es den Troopern besser als uns ergehen sollte. Aber ihre Strategie würde der unseren gleichen. Sie mussten zurück in dieses Haus.

Zurück! (und Außerhalb des Kampfgetümmels bleibt die Welt wie immer)

Nova Orleans als .pdf (Version 0.1)

Nova Orleans ist immer noch ein reiner Arbeitstitel, und noch nichts ist endgültig. Aber es war an der Zeit, das Dokument einmal kurz in die Korrektur zu schicken.

Claudia Klädkte hat sich die Sache mal genauer angesehen. Mit ihrer Hilfe ist die Zeichensetzung nun einigermassen schlüssig und die (Rechtschreib-)-Fehler sind beseitigt. Ich kann euch also jetzt wenigstens eine Version anbieten, die jetzt lesbarer ist.

Nova Orleans PDF (Version 0.1) (Rechter Mausklick – Speichern unter)

Ich werde in Zukunft vor jedem Beitrag, der eine Fortsetzung darstellt, eine PDF-Version zum Download zur Verfügung stellen. Damit ihr das Ding auch mal am Stück bekommt.

Übrigens: Ich hatte vorgehabt, auch eine .epub oder .mobi-Version zum Download anzubieten. Aber WordPress.com ist da sehr eigen. .zip,.epub und .mobi geht nicht. Ich lasse mir etwas einfallen.

Nova Orleans als .pdf (Version 0.1)