Gemeinde der letzten Distanz (Audiofassung)

Ich werde langsam von allen Kapiteln zusätzliche Audio-Versionen erstellen. Noch gefällt mir die Qualität der Aufnahme nicht so ganz, aber daran arbeite ich noch. Die Audiofassung finden sich in Zukunft auch im Inhaltsverzeichnis als Kurzlink hinter dem Kapitel.

Sagt es mir bitte, wenn ich zu schnell, zu langsam, zu undeutlich oder irgendwie unverständlich bin. Oder wenn ich falsch betone. Oder sagt mir etwas anderes 🙂

Hier handelt es sich um das neunte Kapitel.

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Gemeinde der letzten Distanz (Audiofassung)

Auf dem Weg zur Gemeinde der letzten Distanz (2) (Audiofassung)

Ich werde langsam von allen Kapiteln zusätzliche Audio-Versionen erstellen. Noch gefällt mir die Qualität der Aufnahme nicht so ganz, aber daran arbeite ich noch. Die Audiofassung finden sich in Zukunft auch im Inhaltsverzeichnis als Kurzlink hinter dem Kapitel.

Sagt es mir bitte, wenn ich zu schnell, zu langsam, zu undeutlich oder irgendwie unverständlich bin. Oder wenn ich falsch betone. Oder sagt mir etwas anderes 🙂

Hier handelt es sich um das achte Kapitel.

Auf dem Weg zur Gemeinde der letzten Distanz (2) (Audiofassung)

Auf dem Weg zur Gemeinde der letzten Distanz (1) (Audiofassung)

Ich werde langsam von allen Kapiteln zusätzliche Audio-Versionen erstellen. Noch gefällt mir die Qualität der Aufnahme nicht so ganz, aber daran arbeite ich noch. Die Audiofassung finden sich in Zukunft auch im Inhaltsverzeichnis als Kurzlink hinter dem Kapitel.

Sagt es mir bitte, wenn ich zu schnell, zu langsam, zu undeutlich oder irgendwie unverständlich bin. Oder wenn ich falsch betone. Oder sagt mir etwas anderes 🙂

Hier handelt es sich um das  siebte Kapitel.

Auf dem Weg zur Gemeinde der letzten Distanz (1) (Audiofassung)

In Bed with Ciona (Audiofassung)

Ich werde langsam von allen Kapiteln zusätzliche Audio-Versionen erstellen. Noch gefällt mir die Qualität der Aufnahme nicht so ganz, aber daran arbeite ich noch. Die Audiofassung finden sich in Zukunft auch im Inhaltsverzeichnis als Kurzlink hinter dem Kapitel.

Sagt es mir bitte, wenn ich zu schnell, zu langsam, zu undeutlich oder irgendwie unverständlich bin. Oder wenn ich falsch betone. Oder sagt mir etwas anderes 🙂

Hier handelt es sich um das  sechste Kapitel.

In Bed with Ciona (Audiofassung)

Wenn ich es nicht schreibe, dann schreibt es sowieso keiner (Audiofassung)

Da ich momentan alle Kapitel nochmal durchlese, wird es einige Tage dauern bis ich den aktuellen Stand aufgeholt habe, und die Erzählung fortsetze. Um einmal einen Überblick über den bisherigen Stand zu bekommen gibt es eine Manuskriptversion mit allen Teilen zum Downloaden. Wer also einmal die komplette Erzählung am Stück lesen will, der kann das auch mit dieser PDF-Datei machen. Sorry, es handelt sich wirklich um ein reines Arbeits-Format, also die Werkstatt-Version, die eine aufgeblähte Seitenzahl durch den Zeilenabstand hat.

In dieser PDF-Version sind schon einige Rechtschreibkorrekturen, aber noch nicht alle. Es handelt sich wirklich um eine Arbeitsvorlage. Mein Problem ist, dass ich entsetzlich betriebsblind bin und meine eigenen Fehler nicht erkennen kann. Als Lektor meiner eigenen Sachen tauge ich überhaupt nichts. (Die Blogversion ist immer über das Inhaltsverzeichnis zu finden)

Zur Audiofassung: Sagt es mir bitte, wenn ich zu schnell, zu langsam, zu undeutlich oder irgendwie unverständlich bin. Oder wenn ich falsch betone. Oder sagt mir etwas anderes 🙂

Hier handelt es sich um das vierte Kapitel.

Wenn ich es nicht schreibe, dann schreibt es sowieso keiner (Audiofassung)

Einleitung (Part 42)

(Liebe LeserInnen, 

zugegeben, jetzt bin ich bei einer magischen Zahl für SF-Literatur angelangt: 42 ist ja so etwas wie die ewige Huldigung für Douglas Adams. Macht mich auch zu einem gewissen Maß stolz, obwohl ich gerade merke, dass es als reines Improvisationstheater so wohl kaum noch weitergehen kann.  Struktur und Disziplin und Outlining wird mehr und mehr zum Thema, sonst bekomme ich die Fäden nie wieder zusammen. Zu weit driften die Protagonisten auseinander.

Da ich gestern auf der Buchmesse war,  ist der Teil ein klein wenig länger, und das ganze PDF, das alles zusammenfasst, nun auf 169 Seiten angewachsen. Wer also Teil 1-42 downloaden will, der kann das hier tun: Ach, Bankea! Version 1.21

Ich war erstaunt, wie beliebt das Thema Selfpublishing auf der Buchmesse ist. Ich muss allerdings zugeben, dass mich dieses Thema sehr uneins zurück lässt. Zum Einen bin ich sehr, sehr froh, dass es so unglaublich viele Möglichkeiten für Autoren gibt, ihre Sachen auf den Markt zu bringen,  zum Anderen ist die Arbeit an einem Buch ein so einsames, aufreibendes Vergnügen, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass solche Sachen wie Reklame fürs Buch, Cover und Layout fürs Buch und Vertrieb etc. einen Autor wirklich glücklich machen.

Die Interaktion zwischen Leser und Autor ist eine der wunderbarsten Möglichkeiten, die das Internet bietet. Aber ob der Leser wirklich die Zeit und Lust hat, sich durch die unglaubliche Menge an selbstpublizierter Bücher zu arbeiten, um die eine oder andere Entdeckung zu machen, dass bezweifle ich. Und ob der Autor wirklich Spaß daran hat, Rezensionsexemplare überallhin zu senden, wo sie dann in Papierkörben oder auf Flohmärkten landen, das kann ich mir auch nicht vorstellen.

Ich gehe davon aus, dass Verlage wirklich wunderbare Dienstleister sein können, die die notwendige Erfahrung haben, und Lektorate ebenfalls nicht zu unterschätzen sind. Die Chance, die sich für Verlage, Autoren und Lektorate durch Ebooks und das Internet bieten, sind nach meiner bescheidenen Meinung noch lange nicht ausgeschöpft.

Es bleibt also spannend. Ich wünsche euch viel Spaß mit Teil 42.

Jan Tälling)
Morkans Palast. Zirmjas Kajüte.

Zirmjas Kajüte hatte mehr mit einer Zelle gemein, als mit einer Behausung, die sie für ihre Freizeit nutzte. Sie wirkte, wie bei so vielen Soldaten, eher kühl und einfach. Konsequent in der Schlichtheit. Und es war war wieder mal Tenx, der diesen Umstand sehr schnell bemerkte. Diese kargen Verhältnisse störten sein Auge, waren ausgesprochen ungewohnt und konnten von ihm in dieser Einfachheit nicht nachvollzogen werden. Die Vermeidung jedes Luxus, jedes persönlichen Gutes und auch nur Erinnerungen offenbarte für ihn einer erschreckende Bindungslosigkeit, die sich nicht mit seinem Verständnis von Abstammung und Vererbung vereinbaren liess.
Die meisten Einrichtungsgegenstände, die er sah, wären gerade mal funktionell, nicht mal wirklich schön zu nennen. Die Idee der Gestaltung schien den Soldaten und Piraten im allgemeinen wohl eher fremd und unnütz.
Was Tenx jedoch nicht ahnte, sicherlich auch nicht mal verstanden hätte, war, dass es bei Zirmja durchaus eine Menge mit Herkunft und Vererbung zu tun hatte. Und alles was sie tat, ausdrückte und lebte, zog ein direkte Linie zu ihrer Familie, die sie dann wieder bei jeder Gelegenheit durchschnitt. Die Lossagung von Besitz, und Dingen, die sich an ihre Herkunft erinnern könnten, war eine Entscheidung, die sie näher an das Leben der Soldaten bringen konnte. So war all das bewusst so von ihr gewählt, und entsprach einem diffusen, schwer erklärbarem Verlangen nach einer Reinheit. Etwas, nach dem sich ihr Inneres sehnte.
Nun wirkte sie müde, angespannt und schwieg, seit sie die Waffen in den Druckbehälter geschlossen hatten. Sie sass auf der Bettkante, ihr Kopf hing herab, und kein Wort wollte mehr über ihre Lippen kommen. Ihre Haaren verdeckten seitlich ihren Gesichtsausdruck, doch innerlich brütete sie über die Möglichkeiten, die sie noch hatten. Wenn nur irgendetwas stimmt, von dem was Tenx sagte, dann ergab diese Zeit, die sie in ihrer Kajüte verbrachten, kaum einen Sinn, denn im Grunde zeigte alles auf eine Ausweglosigkeit hin. Das Med-Team hatte sie gesehen, das Med-Team würde sie finden. Sollte es eine Seuche sein, dann würden sie das tun müssen. Was danach geschehen konnte, das wußte sie nicht. Ging man von dem aus, was Gom erzählte, und die Art wie Morkan sprach, dann befand sich alles gerade umgesteuert im Fluss, und gewann eine Eigendynamik, deren Auswirkungen nicht abzuschätzen war.

Tenx blickte auf den virtuellen Monitor auf der Wand. Er stand da, schaute in das schwebende Bild, dass den Soldaten die Aussenansichten vermitteln sollte, und schien auf etwas zu warten. Wie die meisten Innenkabinen waren auch Zirmjas Räumlichkeiten fensterlos. Die Aussenansichten waren mannigfaltig wähl- und konfigurierter. Sie setzten sich teilweise aus den Aufnahmen der Drohnen aber auch den Kameras zusammen, die an der Außenhaut von Morkans Palast angebracht waren. Wie bei allen Schiffen, so war die Oberfläche von Morkans Palast eine sensible Haut, die bestückt war mit einer Vielzahl von Sensoren, Kameras, Scannern und Radar-Ausstattung. Sie versuchten ein lückenloses Rundumbild zu ermöglichen, dass von einer Drohnenflotte ergänzt und unterstützt wurde. Waren Dingen nicht im Detail erkennbar, so halfen die Drohnen und formatierten sich zu eigenständigen tiefen Ansichten. Ihr Flug war nicht tatsächlich steuerbar, doch sie reagierten auf die Versuche Bildausschnitte näher zu betrachten und arrangierten sich dementsprechend neu. Es war ein ausgeklügeltes, cleveres System, dass jedem Kajüteninsassen im Inneren von Morkans Palast erlaubte, die Abläufe außerhalb, im Knoten, genauestens zu beobachten. Zirmja schaltete ihre Monitore selten ein. Sie schätzte die Ruhe der kleinen Schachtel, in der sie sich befand. Sie lauschte manchmal den Geräuschen in der Dunkelheit, horchte den Dingen, die auf dem Gang passierte und versuchte alles auszublenden. Der Monitor störte da nur. Tenx hatte ihn sofort eingeschaltet. Stand seitdem davor und achtetet mehr auf das, was sich draußen abspielte, als auf sie. Es war ihr nicht unrecht. Sie begrüßte das, im Moment.

Tenx blätterte durch die Außenansichten, betrachtete die Touristenboote, die Frachter, die Yachten und die Tanker, die in einer schläfrigen, tonlosen Ruhe an dem Palast vorbeiglitten. Er versuchte die Zeichnungen auf den Schiffsbäuchen zu lesen, die Flaggen zu erkennen, aber er wirkte nicht interessierte und blätterte dann auch viel zu schnell weiter. Als wäre es ein Zeitvertreib oder als würde er etwas bestimmtes suchen. Und sagte dann, während er sich zu Zirmja umdrehte.
„Wir stehen noch nicht unter Quarantäne. Das ist seltsam.“
Zirmja strich ihre roten Haare beiseite, sah auf.
„Vielleicht ist es doch keine Seuche.“
„Wahrscheinlich nicht.“ lachte Tenx bitter. Er blätterte weiter. Vergrößere Bildausschnitte, schickte Drohnen zwischen die Schiffe, ging auf die Planetenansicht, zog Kreise um bestimmte Jachten und ging dann wieder auf die Vollansicht zurück. Alles ging dort draußen seinen geordneten Gang. Ausgesprochen friedlich. Keine Konflikte. Keine Einsätze. Sie sah einige Zollboote, die sich den Schiffen annäherten, sie scannten und dann wieder abzogen. Nirgendwo Hektik, alle hielten sich an die vorgegebenen Geschwindigkeiten .

„Vor einiger Zeit,in der Ruhephase, war der verdammte Knoten voll mit Wracks. Flüchtlingsschiffe. Seelenverkäufer. Verrottete Tanker. Schiffe, wie du sie nie sehen wolltest, wie sie sonst nie hier rum fliegen. Wie sie einfach nicht hier hergehören.“
Sie stellte sich neben ihn. Blätterte zurück. Zeigte auf einige der Riesen, die entfernt von ihnen vorbeizogen.“Touristen, Piraten, Schlachtschiffe. Irgendwo tobt ein Krieg, oder eine Schlacht. Alles normal, alles unbedeutend. Nichts ungewöhnliches. Du siehst nichts mehr von dem, was sich hier vor wenigen Zeiteinheiten abspielte. Das ist kurios. – Wieso hast du also mich gewarnt?“
„Ernsthafte Frage, Zirmja? Du bist ein geachtetes Mitglied des Rates. Du bist die Schülerin Goms. Deine Verbindung zu Morkan sind besser als meine. Du gehörst quasi zur Familie. Was du nicht weißt, dass kann keiner wissen. Also solltest du mehr wissen. Was ist hier los? Warum hat das Med-Team keinen Alarm ausgelöst? Woher kommt diese Seuche? Wer hat sie eingeschleppt?“
Tenx war wirklich ein hochgewachsener, schöner Mann. Dieses Ernsthaftigkeit wirkte bei immer aufgesetzt. Seine blendenden Fähigkeiten glichen einem feisten Zynismus, der sich lächelnd im Hintergrund verbarg. Irgendetwas hielt Zirmja immer davon ab, diesem Mann ihr Vertrauen zu schenken. Sie mied Tenx, sie wußte nicht einmal jetzt, ob er die Wahrheit sprach. Dennoch, und das war das Verwirrendste an dieser Situation, schien er jetzt Angst zu haben. Eine substantielle Angst, die mit ihrem Flackern versuchte seine glatte Oberfläche zu durchstossen. Zirmja hätte gegrinst, wenn sie nicht sicher gewesen wäre, in einer Sackgasse zu sitzen, mit jemanden, auf den sie sich nicht verlassen wollte, der nur zufällig und fatalerweise ihre Weg kreuzte. Dieses Gefühl nahm ihr den Boden unter den Füßen.
Und just in diesem Moment, gab es ein Signal, ein kurzes Flackern der Beleuchtung, ein leises Surren im Türbereich. Dann hörten sie übertragenen Stimmen von außen.

„Zirmja D’Onco? Med-Team, wir würden gerne mit ihnen sprechen. Könnten Sie uns kurz die Tür öffnen? Es dauert nicht sehr lange. Es geht nur um die Ereignisse in der Flughalle.“
Eine tiefe, sonore Stimme, die auf einen großen Resonanzkörper in einem bulligen Körper schliessen liess. Ein Pirat. Ein Kämpfer. Kein Analytiker. Das Fussvolk des Med-Teams. Der Einsatztrupp. In tausend Schlachten geschlagen. Mit der Sicherheit Aufträge zu erledigen, die mehr verlangten als medizinischen Beistand. Kein reiner Datenerfasser. Nichts von dem, was diese Stimme vorgab. Jemand, der mal Blut geleckt hatte, als Blut floss, und er lernte wie Blut aussieht, wenn es in Massen strömt.

Kurze Stille. Zirmja deutete auf ihn Lippen , ging zum Druckbehälter, öffnete ihn und entnahm die Schwerter. Sie reichte Tenx das seinige und flüsterte: “ Sie dürfen nach zweimaliger Frage eintreten. Die Schwerter sollten nun sauber sein, das wird sie aber nicht abhalten uns mitzunehmen. Reagiere nicht, bevor sie reagiert haben. Und reagiere nicht, bevor ich nicht reagiert habe. Verstanden.“
„Warum sollten sie das tun?“
Zirmja lachte leise“Weil das ihre Aufgabe ist ?“
Tenx sah sie erstaunt an „Aber wir haben hier drin keine Chance…“
„Möglicherweise. Probieren wir es doch aus!“
“ Verdammt!“

Und wie sie gesagt habe, gab es abermals ein kurzes Surren, ein Lichtsignal und die Stimme der Außenstehenden.
“ Hier spricht das Med-Team! Zirmja D’Onco, bitte öffnen sie die Tür, wir würden gerne mit ihnen sprechen!“
Die Stimme klang tief, bassig, aber emotionslos. Die Sicherheit, die sie dabei ausstrahlte, sollte alle Möglichkeiten offen lassen, präsentierte aber gleichzeitig eine Entschlossenheit, die ihnen keine Option lassen sollte. Sie wussten, dass Zirmja in ihrer Kajüte war, sie wussten auch das Tenx bei ihr war. Es gab nichts an Informationen, was dem Med-Team an Information fehlte. Das Med-Team bestand aus gut ausgebildeten Männern, in Schutzanzügen, deren Empathie auf ein scheinbar effektives Maß herabgestutzt , und deren Möglichkeiten auf das Maximum hinauf gehoben wurden. In einer Umgebung, in der ein Staubkorn Armeen ausrotten und Schlachten entscheiden konnte, durfte sich ihnen nichts in den Weg stellen. Wissenschaftler waren nicht in der Lage, die Ordnung aufrecht zu erhalten, wenn sie unbekannte Viren durch die Reihen kämpften, dazu gab es irgendwann das Med-Team. Hohe Risikobereitschaft, breite Schultern und Kampferfahrung, sowie die Fähigkeit schnelle, auch böse Entscheidungen zu treffen gehörten zu den Einberufungskriterien.

Tenx und Zirmja festigten ihre Haltung. Rührten sich ansonsten jedoch nicht.
Schnelle, gedämpfte Schritte waren zu hören. Sie waren nicht wenige. Zirmja glaubte sechs zu hören, doch sie konnte sie sich auch täuschen. Der Flur schien leer. Keine Erschütterungen, keine Stimmen im Hintergrund, kein Treiben, keine weiteren Schritten. Eine unheilvolle Ruhe, die darauf hindeutete, dass die Dinge passierten, wie sie wohl nach Plan passieren sollten. Sie spannte ihre Muskeln an, liess locker, spannte wieder an, rollte ihre Schultern, bewegte ihren Kopf in den Nacken. In den nächsten Augenblicken würde ihr die Anspannung helfen, das Adrenalin, das an der Schädeldecke schwappte, aber sie hatte keine Ahnung, wie es dann weitergehen sollte. Und vor allem konnte sie Tenx nicht ansehen, der – entgegen seiner vorherigen Entschlusskraft, momentan unschlüssig neben ihr stand.

Und dann erklang abermals die übertragene Stimme von außen. „Bitte bleiben sie ruhig. Wir kommen jetzt rein. Tun sie bitte nichts Unüberlegte. Wir wollen nur mit ihnen sprechen. “

Das Med-Team war im Besitz des administrativen Zugangcodes. Der Ausbau ihrer Möglichkeiten wurde als Notwendigkeit kommuniziert. Daher wußte Zirmja davon. Rechnete schon die ganze Zeit damit. Es war weder möglich das Med-Team auszusperren, noch ihr Eindringen irgendwie mechanisch zu verhindern.

Die Türen glitten auf, das Med-Team trat geradezu ruhig und entspannt auf auf. Eher zurückhaltend schob sich der vorderste Mann in die Tür

Sie trugen die bekannten Schutzanzüge, weit bewegliche Overalls in leuchtenden Farben mit aufgenähten Taschen, und sorgten damit schon für genug Aufsehen.
Zirmja hielt entschlossen das Schwert vor sich. Ihr linke Hand war abwehrend ausgestreckt, breitbeinig stand sie vor dem korpulenten Mann, der die Vorhut bildete, und zischte ihn an.
„Keinen Schritt weiter. Sie befinden sich in meinem Bereich. Wagen Sie es nicht näher zu kommen. Halten sie Abstand. “
Der Mann verharrte, legte den Kopf zur Seite, sah sie von der Seite an, doch hinter dem Anzug konnte sie kein Gesicht erkennen. Die Anonymisierung des Med-Teams tat ihr Bestes. Weder an Statur noch an der Haltung oder dem Körperbau unterschieden sie sich auffallend. Die Erkennungsmerkmale wiesen sie als Mitglieder des Teams aus, aber das war auch alles, was zu ihrer Identifikation diente. Er war bewaffnet, trug jedoch sein Schwert auf dem Rücken, eine Distanzwaffe allerdings in dem Gürtel seines Overalls. Er würde sich sicherlich nicht auf den Schwertkampf einlassen.
Seine Stimme klang immer noch ruhig. Er war es, der durch die Tür gesprochen hatte.
„Ich habe ein Recht hier zu sein. “
„Das sehe ich nicht so. Ich bin ein Mitglied des Rates. Sie brauchen daher eine Sondergenehmigung. “
„Diese Sondergenehmigung liegt uns selbstverständlich vor. Wir gingen davon aus, dass wir diese benötigen und hatten sie ihnen sich ohne ihren Hinweis gezeigt. “
Er deutete auf die Monitore, die gerade noch Teile der Außenansicht abgebildet hatten. Sofort erschien ein Schriftstück, dass von den Vertretern des Rates signiert wurde.
„Das kann nicht sein. “
„Die Wahrheit ist, dass der Rat bei dem Verdacht einer Kontaminierung unseren Empfehlungen folgen muss. Tatsächlich sind wir also weisungsbefugt gegenüber dem Rat. Das mag eine ungewöhnliche Situation für alle sein, zwingt sie aber zur Kooperation. “
Er machte nicht mal Anstalten näher zu kommen, aber schien sie genau zu beobachten. Seine Hände schwebten scheinbar ohne jegliche Absichten im Bereich seiner Hüften. Zirmja kannte das. Teile der Ausbildung. Er würde die Waffe ziehen. Schneller als sie reagieren konnte. Zog er die Distanzwaffe, schoss er, dann blieb ihr nicht der Hauch einer Chance.
Das Schwert in Zirmjas Hand sank langsam, deutete auf den Unterleib des Med-Team. Sprechers und verblieb auf dieser Stelle.

„Dieses Schwert berührte das abgezogene Gesicht des Flughallenloiters. Bedenken Sie, dass die Spitze sie nur ritzen, nicht töten oder mehr verletzen muss. Ich muss sie nur ritzen und ich weiß noch nicht einmal, was dann passiert. Dieses ist mein Raum, halten Sie also Abstand. Gehen Sie weg, verlassen Sie diesen Bereich schnell oder stellen Sie noch schneller ihre Fragen .“

Er mochte ahnen, dass sie Teile seiner Ausbildung kannte, trotzdem veränderte er die Nähe zur Waffe nicht, blieb stehen, doch sie bemerkte sehr wohl die Anspannung. Er würde feuern, bevor sie auch nur seine Nähe erreicht. Und sie wußte noch nicht mal wie Tenx damit umgehen würde, der in ihrer Nähe stand, dessen Reaktionen für sie aber in einem toten Winkel lagen. Die Zeit schien zu stehen, die Augenblicke zu Jahre zu werden, die Momente unendlich. Wer immer den ersten Schritt tat, dürfte ihn nicht überleben. Sollte ihn nicht überleben. Hoffentlich, dachte sie.

„Zirmja D‘ Onco, es sei ihnen versichert, das alles richtet sich nicht gegen sie. Schon gar nicht gegen sie als Person. Nichts persönlich. Sie verstehen mich. Wir sind verpflichtet, auf sie zu zugehen.“
„Reden Sie Klartext! Bringen sie es hinter sich, Mann. Es sieht nicht so aus als, ob sie hier wieder wohlbehalten herauskommen. Ihr Anzug ist nicht mal ausreichend gegen mein Schwert geschützt.“
„Sie könnten sich infiziert haben. Wir müssen Sie, zu ihren eigenen Schutz isolieren.“
Sie kicherte höhnisch und hoffte, kein Schwanken darin zu offenbaren. Alles was in ihr steckte, sollte das verhindern. Dennoch, dieses war nicht, das was ihr beigebracht wurde.„Was für eine lächerliche Aussage . Hart du das gehört, Tenx ? Zu meinem eigenen Schutz? Stelle deine Fragen, Mann!“
Die Haltung des Mannes veränderte sich nicht mehr. Er schien seine Position gefunden zu haben. Unergründlich, was sich da hinter seiner, oder den Masken seines Teams abspielte. Waren sie gekoppelt? Standen sie Verbindung? Gab es eine Vernetzung, von der sie nichts wußte? War er der Anführer, oder nur die Vorhut, der den sie sowieso opfern konnten?

Die Kultur des Med-Teams war so verdammt geheimnisvoll wie das ganze Team. Sie fluchte innerlich. Man sollte den Haufen besser kontrollieren. Die nahmen sich zuviel heraus.

„Sie haben nicht wirklich das Gesicht des Mannes mit diesem Schwert berührt? “
„Ich musste herausbekommen in err noch lebt. Ich traute mich nicht am ihn ran. Also, was sollte ich tun, Mann? Es war dieses Schwert! Überprüfen sie meine Worte.“
„Er hat eine Seuche. Er ist infiziert. “
„Das ist eine Vermutung, die mir bekannt. Ist Tenx Pi hatte einen ähnlichen Fall in den Truppenquartieren, der ihnen bekannt sein dürfte. Im Übrigen ist er ähnlich vorgegangen wie ich, auch er hat mit seinem Messer das Blut des Infizierten berührt. Fragen dazu? “
„Warum haben sie sich aus der Flughalle entfernt?“
„Sind das ihre Fragen? Ich war mir nicht bewußt, daß meine Anwesenheit noch vonnöten war. Es schien mir so, als könnte ich nichts zur Klärung beitragen. Ich war weder die Erste am Opfer, noch habe ich den Vorgang mitbekommen. Tatsächlich war ich genau dann dort, als sie kurz darauf eintrafen. Dazwischen geschah nichts. “
„Sie hatten den Alarm abgeschaltet. Sie hatten Entscheidungen getroffen, die das weitere Vorgehen prägten. Ihre Anwesenheit als prominenter Zeuge war auf jeden Fall notwendig. Wie stellen sie sich das vor, Zirmja? Ob sie gehen dürfen, ob sie bleiben müssen, ob sie Quarantäne gehen, – das entscheidet alleine das Medteam. Unabhängig von ihrem Rang, ihrer Abstammung oder was sie sich sonst noch einbilden. Ein Virus, egal welcher Art nimmt weder auf ihre, noch auf unsere Befindlichkeiten Rücksicht. Wenn sie denken, dass sie sich darüber wegsetzen können, dann wissen sie weniger von ihren Aufgaben als Mitglied des Rates, als annahm. Viel weniger. Denn die Entscheidungen für die Gesundheit und Sicherheit in diesem Palast trifft im Zweifelsfall, wenn alle anderen Institutionen bedroht sind, nur noch das Med-Team. Vernünftigerweise untersteht dann jeder, mit Ausnahme Morkans selbst, unserer Befehlsgewalt. Muss uns Folge leisten und das heißt: Niemand kann sie von der Pflicht entbinden, ihre Aussage uns zu Protokoll zu geben. Das gilt auch für sie, Tenx. Mir ist ihr Auftritt in den Truppenquartieren bekannt. Auch sie hatten gedacht, sie könnten die Befehlsgewalt drehen, doch das dürfen sie nicht. Ich schiebe das bei ihnen Beiden auf ihre Jugend und Unerfahrenheit, aber glauben sie mir, wir lassen das trotzdem nicht durchgehen. Unter gar keinen Umständen.
Und bis wir eine Entscheidung getroffen haben, wie diese unangenehme Situation endet, müssen sie uns folgen. Und allen unseren Aufforderungen folge leisten. Wir dürfen jede Gewalt anwenden, die uns dieses ermöglicht. Und ich sage es ihnen Beiden ganz konkret. Wer hier lebend rauskommt – das liegt alleine in meiner Hand.“
„Führen sie diesen Haufen?“
„Sie haben es nicht verstanden, oder? Ob ich diesen Haufen führe, oder nicht, das tut nichts zur Sache. Im Zweifelsfall führe ich ihn, aber vielleicht auch nicht. Testen Sie es. Machen sie ihre Sache gut. Ich erkläre ihnen gerade Dinge, die ihnen als Mitglied des Rates schon lange bewusst sein sollten. Ich habe keine Ahnung, wie sie da rauskommen sollen. Nichtwissen schützt sie vor gar nichts. Geben Sie mir ihre Waffen!“

In nur wenigen Bruchteilen eines Augenblickes, stach Zirmja zu, sah wie die Hand des Mannes an die Waffe fuhr und trat, während sie das Schwert hob, mit dem linken Fuß in das Bein des Mannes, brachte ihn zum Taumeln, sah sein Fallen und schlug blitzartig, ohne Nachzudenken, das Schwert in die Hand. Der Mann schrie, fiel, riss seinen hinteren Kameraden mit, und bemerkte wohl gerade noch im Fallen, wie die Waffe über den Boden zu Zirmja rutschte. Die Rufe klangen überrascht, doch Zirmja, rollte schon über den Boden, als die Schüsse über sie wegflogen, zog Tenx mit sich und hielt erstaunlich schnell die Waffe der freien Hand. Sie schoss ohne Warnung, ohne zu zielen, aber sah, wie sich die Männer in Deckung brachten, das Med-Team den Blick auf den Gang freigab und sich hinter der Tür verbargen.
Für einen Moment hörten sie nur noch das Schreien des Mannes, der versuchte aufzustehen, aber sich nicht abstützen konnte, in seinem eigenen Blut keinen Halt fand, sich aber trotzdem irgendwie mit der unverletzten Hand am Türrahmen hochzog, dann den Blick von Zirmja traf und erstarrte.
„Dieser Schwachsinn wird ihnen nichts nützen.“
Sie stand auf, forderte Tenx auf, es ihr gleichzutun, hielt die Waffe auf den Mann gerichtet, stiess ihn damit an.
„Hören Sie zu, Zirmja, ob ich lebe oder nicht, spielt jetzt keine Rolle mehr, sie haben mich infiziert. Was glauben sie, was ich ihnen noch wert bin?“
„Wenn sie nichts mehr wert sind, dann werde ich mich nicht mehr mit ihnen belasten. Überlegen sie sich gut, was sie mir gerade sagen.“
Tenx beobachtete sie genau. „Wird das funktionieren?“
„Einzige Möglichkeit. Keine Ahnung. Ausprobieren.“ Sie deutete mit der Waffe auf die Herzgegend des Overalls.
„Gehen Sie.“

Einleitung (Part 42)